Im September beginnt in den Pfälzer Weingütern und Winzergenossenschaften der Ausschank von “Federweißem” – in Gärung befindlichem Traubensaft. Den Namen hat das Getränk seinem milchig-trüben Aussehen zu verdanken, und das wiederum kommt von der Hefe, die den Zucker im frischen Traubensaft langsam in Alkohol umwandelt.
Wie wäre es also genau zu dieser Zeit mit einer Wanderung von der Gimmeldinger “Gaststätte im Tal” hoch zur Stabenbergwarte und hinunter ins Weinland Königsbach? Gimmeldingen und Königsbach sind beide Vororte von Neustadt an der Weinstraße, dementsprechend sind es nur ca. 5 Kilometer oder übersetzt in Zeit anderthalb Stunden bis zum Ziel. Es geht bergauf durch den Wald. Die Bäume ragen hoch hinauf, und man hat den Eindruck, in einem luftigen Wald der Mittelmeerregion zu wandern und nicht in der Pfalz. Kiefern wachsen auf dem sandigen Boden, und unter den Bäumen blüht in einem Farbton zwischen blasslila und blassrosa das Heidekraut. Hier und da tupfen Esskastanien frisches Grün in die mediterrane Farbpalette.





Die Schritte verstummen auf dem weichen Waldboden, doch ab und zu wölben sich Felsen aus dem Nadelteppich. Zwei davon, der Kaffenstein und der Schwehrstein sind nicht irgendwelche Felsen, sondern Grenzsteine, über und über bedeckt mit Wappenzeichen und Jahreszahlen, die ältesten aus dem 17. Jahrhundert, die jüngsten aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts.
An der Stabenbergwarte angekommen bietet sich eine weite Sicht hinaus auf die Rheinebene bis hin zum Odenwald. Genau dafür wurde die Stabenbergwarte 1904 vom Pfälzerwaldverein gebaut.
Bergab wird der Kiefernwald zu Buchenwald. Es wird grüner, und der Waldboden wird dunkler. Allmählich erhascht man durchs Blättergrün Ausblicke auf die Rheinebene, bis der Wald endgültig den ersten Häusern Königsbachs weicht. An der barocken St. Johanneskirche und dem Weingut Frank John mit seinem mittelalterlichen Gewölbe/Weinkeller geht es bergab zum Weinland Königsbach, wo der Federweiße auf Sie wartet.
Wer mehr Wein und weniger Weg möchte, dem sei ein kleiner Spaziergang vom Weinland Königsbach hinunter zum Weinbiet in Mussbach und wieder zurück nach Königsbach empfohlen. Einen ersten Federweißen kann man auf der Terrasse des Weinlandes Königsbach genießen und sich dann auf den Weg machen. 40 Minuten dauert es bis zum nächsten Federweißen der im Weinbiet Mussbach ausgeschenkt wird.




Gleich hinter dem Weinland Königsbach führt ein schmaler Weg hinein in die Weinberge. Durch die Weinreben blinken immer wieder Ausblicke auf die Rheinebene bis hinüber zum Odenwald. Die Trauben an den Rebstöcken sind mal weiße Rieslingtrauben mal dunkler Burgunder, doch die Beeren stehen so dicht, dass sie an überdimensionale Himbeeren erinnen. Entlang des Wegs wachsen Obstbäume, wilde Pflaumen, Äpfel, Birnen, Mandeln und Walnüsse. Natürlich sind nicht alle Früchte zur selben Zeit reif, aber etwas gibt es im September immer im Vorübergehen zu Naschen, seien es späte Pflaumen oder frühe Apfelsorten.
In Mussbach angekommen führt der Weg durch den historischen Kern des Ortes. Fachwerkhäuser säumen die idyllischen Straßen, und immer wieder erhascht man Blicke in die Höfe von Weingütern. Das Weinbiet Mussbach besitzt einen offenen und einen überdachten Hofteil. Platz, um sich mit seinem Federweißen niederzulassen, gibt es immer, und wer hungrig ist, bekommt nicht nur den traditionellen Zwiebelkuchen, sondern auch Würstchen oder Kartoffelsalat.
Auf dem Rückweg breitet sich der Pfälzer Wald in all seiner Pracht vor den Weinbergen aus, und während seine Berge anwachsen, werden die Schatten länger und die Farben leuchtender. In der Dämmerung ist die Stimmung ganz besonders zauberhaft, und wenn Sie rechtzeitig wieder zurück zum Weinland Königsbach kommen, können Sie sogar noch einen Federweißen zum Abschied trinken.