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Schloss Dryburg in Bad Langensalza

Bad Langensalza ist einen Besuch wert. Die Fassaden entlang der romantischen Altstadtgassen sind krumm und schief. Manchmal hinter Putz versteckt, manchmal aufwendig restauriert bildet jahrhundertealtes Fachwerk mit unterschiedlichen Balkenmustern eine bezaubernde Stadtkulisse. Dazwischen die spätgotischen Kirchen St. Bonifazius und St. Stefan mit ihren hohen Türmen sowie grandiose Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Die Burg in der Stadt dagegen könnte man fast übersehen. Am Rande eines Parkplatzes steht sie und sieht eher aus wie eine etwas trutziger geratene Residenz eines gut betuchten Stadtbürgers. Es handelt sich um das Schloß Dryburg. Der älteste Teil der Anlage ist der Westflügel, doch komplett hellblau verputzt sieht man ihm weder sein wahres Alter noch die vielen Umbauten auf den ersten Blick an. Die Fassade wirkt einheitlich und die viereckigen Fenster durch die farblichen Absetzungen genormt. Aber der Eindruck täuscht. Es gibt ein Doppelfenster, schmalere Fenster, höhere Fenster und ganz kleine Fenster, und die Abstände zwischen ihnen sind alles andere als regelmäßig. Soetwas passiert meist dann, wenn altes Gemäuer „aufbereitet“ wird. Dabei diktieren ältere Trennwände oder Treppenhäuser die Größe und Positionen der neueren Fenster. Und tatsächlich, unter der Tünche zeichnen sich die Steine ab, und man kann erkennen, dass die Ecken des Gebäudes mit sorgfältig bearbeiteten, extra großen Steinblöcken gesetzt sind. Auch inmitten der Fassade findet sich eine senkrechte Fuge, entlang der sich dieselbe Mauertechnik findet. Also wurde an einen älteren Gebäudeteil etwas angebaut. Dazu zeigt eine waagerechte holperige Steinlinie an, dass zumindest Stücke des oberen Gebäudes auf einen älteren Teil aufgesetzt wurden …

Ich mache mir all die Mühe, um dass Gebäude so alt zu machen, wie ich es brauche. Nämlich mindestens 855 Jahre. Aber dafür muss ich ein klein wenig ausholen:

1191 eroberten die Kreuzfahrer unter Führung des englischen Königs Richard Löwenherz und des französischen Königs Phillip II. die Stadt Akko von Sultan Saladin. Erst 1187 hatte Saladin die Stadt in muslimischen Besitz gebracht, doch schon 1189 zog ein Kreuzfahrerheer vor Akko und versuchte die Stadt einzunehmen. Während der langen Belagerung Akkos gründeten norddeutsche Kreuzfahrer ein Feldlazarett, das nur wenige Jahre später 1198 zum dritten Ritterorden wurde, dem Deutschen Ritterorden. Die zuvor gegründeten Templer und Johanniter hatten schon große Machtbereiche des Heiligen Landes unter sich aufgeteilt, und der Deutsche Orden musste hart kämpfen um Besitz und Privilegien zu erwerben. Viele dieser Vergünstigungen hat der Orden der politischen Umtriebigkeit und wirtschaftlichen Tüchtigkeit eines einzigen Mannes, nämlich Hermann von Salza, zu verdanken. Er war von 1210 bis 1239 vierter Hochmeister des Deutschen Ordes und in dieser Zeit unablässig darum bemüht Macht und Einfluss des Ordens zu vergrößern. Dank ihm wurde der Orden mit den Templern und Johannitern gleichgestellt, und Dank ihm schenkte Kaiser Friedrich II. dem Orden Preußen …

Und wie passt das jetzt alles zu Schloss Dryburg und seiner buckeligen Fassade? Genau in diesem Gebäude wurde gegen 1170 vermutlich Hermann von Salza geboren. Urkundlich wird das Schloß um 1200, noch zu Lebzeiten von Herman von Salza, aber fast 40 Jahre nach seiner Geburt, als Sitz der Herren von Salza erwähnt. An ein solch beträchtliches Alter kommt zumindest die heutige Fassade des Schlosses nicht heran. Aber in seinem Inneren verbergen sich neben gotischen Spuren auch Reste eines romanischen Kellers und eines spätromanischen Wohnturms. Überreste von Gebäuden also, die Hermann von Salza gekannt haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Vorgängerbau von Schloß Dryburg geboren wurde, ist hoch, gestorben jedoch ist er ganz woanders. Seine Ambitionen führten ihn in den Mittelmeerraum, unter anderem nach Italien und ins Heilige Land, und Thüringen besuchte er nur noch ganze vier Mal. 1239 starb er in dem Land, das er zu seiner Wahlheimat gemacht hatte, Italien.

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Architektur Religion Thüringen

Der Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda

Das Kloster Volkenroda in der Nähre des thüringischen Mühlhausen brauchte einen modernen Kirchenbau, doch die finanziellen Mittel fehlten. Daraus entstand die Idee eines Christuspavillons. Als Beitrag der Kirchen zur EXPO 2000 sollte er in Hannover ausgestellt werden, mit dem Ziel ihn nach Ende der Weltausstellung in Volkenroda aufzubauen. Tatsächlich wurde dass, was als Spiel mit den Möglichkeiten begann, in die Tat umgesetzt. Nach Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan wurde der Pavillon 2000 in Hannover aufgebaut und nach Ende der EXPO nach Volkenroda umgesetzt.

Heute steht der Pavillon im Zentrum des Klosterlebens. Formen und Farben, Licht und Schatten und mehr noch Transparenz und Transluzenz bestimmen das quadratische Gebäude, das in Kreuzgang und Christusraum unterteilt ist. Die doppelschaligen Außenwände aus Glas sind mit Gegenständen aus allen Bereichen des Alltags gefüllt: Holzscheiben, Glühbirnen, Strohblumen, Kassetten, Tannenzapfen, Plastikschläuche … Durch die verschiedenen Texturen, Anordnungen und Durchlässigkeiten ergeben sich unendliche Kompositionen aus Licht und Schatten, und man erkennt, welche Schönheit selbst die gewöhnlichsten Dinge in sich tragen, wenn man ihnen den richtigen Platz zukommen lässt. Der Altarraum des Christusraumes dagegen ist von weichem, fast milchigem Licht erfüllt. Grund dafür sind die mit dünnen Marmorscheiben verkleideten Fenster und die hohen Oberlichter, die den Raum in eine gewisse Zeitlosigkeit versetzen. Genau der richtige Ort, um abzuschalten und sich für ein paar Momente vom allzu Irdischen zu lösen.

Im Übergang von Hauptraum zum Kreuzgang findet man neun quadratische Kammern, in denen der Künstler Andreas Felger Themen wie “Herrlichkeit”, “Trinität”, “Licht” oder “Wasser” interpretierte. Das Ergebnis sind intensive und berührende Farbfeldmalereien, die den Eintretenden umfangen und dazu einladen daüber nachzudenken, welchen Bedeutung diese Werte für ihn selbst haben.

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Architektur Geschichte Judentum Mittelalter Thüringen

Das Steinerne Haus in Erfurt

Inmitten des Bürokomplexes der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH am Benediktsplatz 1 verbirgt sich ein Schatz aus dem Mittelalter. Umgeben von modernen Büros mit Glas, Chrom und flirrenden Computerbildschirmen befindet sich ein Haus, das wundersamerweise die Umbauten der letzten siebeneinhalb Jahrhunderte fast unverändert überdauert hat; das “Steinerne Haus”.

Von außen betrachtet datiert das spitzbogige Eingangsportal in der Westfassade des Hauses in die Gotik und auch die buckelige Strukturen unter dem Verputz lassen erahnen, dass Fenster zugemauert oder verkleinert wurden. Doch drinnen, im Raum des Obergeschosses haben sich wie durch eine Wunder viele Gestaltungselemente des 13. Jahrhunderts bewahrt. Unzählige Putzschichten und eine abgehängte Decke trugen dazu bei, dass das, was unmodern geworden war, nicht zerstört wurde. Nachdem man begann den Raum von den Veränderungen der letzen Jahrhunderte zu befreien, kam in der Nordwand eine sorgfältig ausgearbeitete spitzbogige Lichtnische mit Rauchabzug zum Vorschein. Das Fenster in der Westwand, das von außen so einfach aussieht, war in Wirklichkeit eine schmale Tür, die einst auf einen von Kragsteinen getragenen Erker führte. Die Holzdecke zeigt ihre originale Bemalung in ocker, schwarz, grün, rot und gelb. Die Farben sind zwar nicht mehr so frisch wie vor 750 Jahren, aber noch klar und deutlich zu erkennen. Auf den Balken prangen Blüten, Ranken und geometrische Muster, und die darüberliegenden Bretter zieren Radmotive. Sogar die originalen Eisennägel die vielleicht zur Aufhängung von Öllampen benutzt wurden, stecken noch im Holz!

Dentrochronologische Untersuchungen am Holz der Decke führten zu einer Datierung der Balken auf die Jahre 1241/42. Somit wurde das Steinerne Haus in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts ging es in jüdischem Besitz über und zwar in den des Salemon von Ascaphenborc. Allerdings ist unklar, wie das Haus und der Raum im Obergeschoß genutzt wurde. Die reiche Ausschmückung lässt an einen Wohnraum, eine Kemenate, denken, doch es gibt auch jene, die vermuten, dass der Raum als Gebetsraum genutzt wurde. Vielleicht werden zukünftige Untersuchungen Klarheit in dieser Frage bringen. Doch in der Zwischenzeit bleibt uns ein beeindruckendes Beispiel fast unberührter gotischer Profanarchitektur.

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Architektur Odenwald

Die Einhardsbasilika in Michelstadt

Karl den Großen kennt fast jeder. Schließlich vereinte er das Frankenreich unter seiner Herrschaft und schuf so ein Reich, das große Teile Zentraleuropas umfasste. Er unterwarf die Sachsen, machte sich für das Christentum stark und wurde 800 n.Chr. in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt, dem ersten, seit dem Untergang des Weströmischen Reiches.

Einhard dagegen kennen nur die, die entweder Geschichte studiert haben. oder sich einfach so für Geschichte interessieren. Dabei wüssten wir heute viel weniger über Karl den Grossen, wenn es Einhard nicht gegeben hätte. Er nämlich war nicht nur Berater sondern auch Chronist Karl des Großen, und aus seiner Feder stammt die Vita Karoli Magni, die Biografie Karls des Großen.

Von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, bekam Einhard die Mark Michelstadt in der Einsamkeit des Odenwaldes geschenkt und ließ zwischen 815 und 827 im heutigen Michelstädter Stadtteil Steinbach eine Basilika errichten, die ihm und seiner Ehefrau Imma als letzte Ruhestätte dienen sollte. Um die Anziehungskraft seines Gotteshauses zu steigern, hatte Einhard sich um Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus bemüht, die er 827 n.Chr. auch erhielt. Doch schon kurze Zeit später zog Einhard samt den Reliquien in das heutige Selingenstadt um, wo er eine zweite Basilika erbauen ließ, in der er nach seinem Tod 840 auch bestattet wurde.

Während die Basilika in Seligenstadt durch Modernisierungen und Kriege grundlegend verändert wurde, blieb die Basilika in Michelstadt in ihrer antiken Form fast vollständig erhalten und ist eines der wichtigsten Zeugnisse karolingischer Baukunst in Deutschland.

Heute zeigt die Einhardsbasilika fast nur noch nackte Mauern. Aber was für welche! Man kann man an ihnen die Jahrhunderte ablesen, wie an einem aufgeschlagenen Buch.

Einst war die Kirche ein klassischer basilikaler Bau mit hohem Mittelschiff flankiert von niedrigeren Seitenschiffen, die durch Arkaden mit dem Mittelschiff verbunden waren. An der Ostseite der Kirche befanden sich drei unterschiedlich große Apsiden, von denen heute nur noch die beiden nördlichen erhalten sind. Die Seitenschiffe des Baus wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen. Die Arkaden wurden zugemauert und Putz wurde darübergelegt. Dort wo der Putz noch haftet, sieht man verblasste mittelalterliche Malereien, von denen nur schemenhafte Umrisse erhalten sind. Eine einzige Hand ist klar erkennbar. Sie zeigt nach Osten, zur Apsis. Legt man den Kopf in den Nacken, und hält eine Weile still, lösen sich oben zwischen den Fenstern aus den Unebenheiten der Jahrhunderte in schwarz gezeichnete Ranken, Blumen und Blüten.

Dort wo der Putz abgebröckelt ist, zeigt sich das karolingische Mauerwerk. Die Pfeiler der Arkaden wurden aus flachen Ziegeln aufgemauert, und unten seitlich mit sorgfältig behauenen Sandsteinprofilen, die Säulenbasen imitierten, verblendet. Auf den oberen Abschlüssen der Pfeiler sitzen flache Sandsteinkapitelle. Ursprünglich war all das mit Putz überzogen, der die Illusion massiver Steinpfeiler erzeugte.

Für die späteren Vermauerungen wurden auch Bauspolien der verschiedensten Jahrhunderte genutzt. An das Westende der Südwand zum Beispiel wurde ein Eingang gebrochen und der Türrahmen aus Spolien errichtet. Der untere rechte Stein trägt eine Inschrift und das Datum 1700. Diese Tür wurde wieder zugemauert. Genauso wie die, die sich auf der gegenüberliegenden Nordwand befand … Ein Eichenbalken entlastet die Pfeiler vom Gewicht des Bogens, auch er ist schon Jahrhunderte alt. Der Eingang, der in die nördlich gelegene Sakristei führt, ist gotisch und sitzt genau dort, wo einst ein hoher Bogen den Eintritt in die dem Klerus vorbehaltenen Räume erlaubte.

Am Westende der Südmauer steckt ein Hufeisen, das man vielleicht zum Anbinden von Lasttieren benutzte, als die Basilika als Speicher diente.

Wenig spektakulär anzusehen ist der Putz an der Außenseite der Nordwand, doch ausgerechnet er ist wahrhaft sensationell. Er nämlich ist der originale Aussenputz der Basilika, der nun schon seit über 1200 Jahren Eiseskälte und Sommerglut trotz.

Es gibt noch so viel mehr zu bestaunen. Kommen Sie doch einfach vorbei, und nehmen Sie die Einhardsbasilika selbst unter die Lupe!

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Architektur Mittelalter Sachsen-Anhalt

Das gotische Haus in Burgheßler

Im Dorf Burgheßler ca. 20 Kilometer südwestlich von Freyburg an der Unstrut verbirgt sich ein ganz besonderes Kleinod. Zumindest für all diejenigen, die gern in die Vergangenheit eintauchen. Jetzt denken Sie vielleicht, so oder so ähnlich kann man das doch in jeder Burg. Das mag schon sein, aber hier, an diesem ganz speziellen Ort, gehen Sie mit Haut und Haaren in den Wellen längst vergangener Zeiten unter.

Schon allein die Anfahrt stimmt Sie darauf ein. Ab Freyburg werden die Straßen immer schmaler. Die Dörfer liegen weiter auseinander und die Landschaft schiebt sich noch ein wenig näher an die Straßen heran. In Burgheßler geht es auf der einsamen Hauptstraße entlang, eine Kurve nach rechts, über den Hasselbach und dann ist man in einem verwunschenen Tal. Die meisten Häuser dort sind aus dem 18. Jahrhundert, und das sieht man ihnen auch an. Der ausgedehnte Gutshof aus dem Jahre 1692 mit seinem Krüppelwalmdach und dem behäbigen Stein- und Ziegelmauerwerk wird gerade renoviert. Eine Scheune weiter südlich muss aus derselben Zeit stammen. Die dicken Mauern sind ganz aus einem Lehm-Stroh-Gemisch gebaut, so wie ein Töpfer ein großes Gefäß machen würde, Tonschicht für Tonschicht. Bis heute kann man das Streifenmuster der Lehmlagen deutlich an der Fassade erkennen.