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Kulinarik Pfalz

Federweißer und Zwiebelkuchen

An der Deutschen Weinstraße in der Pfalz dreht sich natürlich alles um Wein. Ein Weinberg reiht sich an den anderen, in den Dörfern und Städtchen laden Weingüter in schattige Innenhöfe ein, und auch die zierlichen Weinbergtraktoren erinnern immer wieder dran, das Rheinland-Pfalz das Weinbundesland Deutschlands ist.

Während Anfang September in vielen Weinbergen die weißen und schwarzen Weinbeeren so dicht aneinanderstehen, dass man denkt, es wäre eine einzige große Frucht, sind die Reben anderer Weinberge schon abgeerntet. Es sind Riesling- oder Burgundertrauben, die noch ein wenig länger an den Reben hängen bleiben dürfen, frühe Sorten wie Solaris oder Ortega jedoch werden Ende August geerntet. Sie werden zu einem besonderen Getränk vergoren, das ab Anfang September in Weingütern und bei Winzervereinen ausgeschenkt wird: Federweißer. Das Getränk mit dem merkwürdigen Namen ist schon kein Traubenmost mehr, aber auch noch kein Wein. Nach dem Maischen und Pressen der Trauben beginnt im Most die Gärung. Ungefähr 4% Alkohol mindestens sollte ein guter Federweißer haben, wenn er serviert wird, aber das Verhältnis zwischen Zucker und Alkohol ändert sich rasant. Je nachdem, wie warm oder kühl es ist, arbeitet die Hefe im Most schneller oder langsamer. Und so kann es sein, dass man, wenn man zu früh in der Saison kommt, einfach nur Traubenmost im Glas hat, oder, wenn man zu spät ist, ein alkoholisches Getränk, dessen süffige Süße verschwunden ist. Ideal ist ein Federweißer, dem die Pfälzer liebevoll das Qualitätssiegel „Bitzler“ geben, mit einer angenehmen Süße und einer prickelnden Menge Alkohol genau im richtigen Maß.

Den seltsamen Namen hat das Getränk übrigens nicht etwa, weil der Alkoholgehalt darin so leicht wie eine Feder ist, sondern wegen seines Aussehens. Schaut man durch ein Glas mit Federweißem, sieht man, dass darin hart gearbeitet wird. Die Hefe nämlich wandelt den Zucker in Alkohol um, und dabei wirbeln und kreiseln Trübstoffe umeinander, die wie winzig kleine Federn aussehen.

Bis Ende Oktober kann man dieses besondere Getränk genießen, dann ist Schluss. Doch wenn die Gärstoffe im Federweißen ihre Arbeit getan haben, hat man keineswegs eine Flasche Qualitätswein vor sich stehen. Der braucht mehr Zeit und wird unter anderen Gütekriterien hergestellt, von der Sortierung der Trauben bis hin zur kontrollierten Reifung in Stahltanks und Eichenfässern.

Federweißen sollte man also dann genießen, wenn er ausgeschenkt wird, am besten mit Blick auf die Weinberge und einem Stück Zwiebelkuchen.

Und hier kommen wir zur zweiten Spezialität des Pfälzer Herbstes. Wo Federweißer ist, ist der Zwiebelkuchen nicht weit. Das salzige Gebäck aus Hefeteig ist der perfekte Begleiter zum süß-prickelnden Getränk. Auf einem schlanken Hefeteigboden ruht eine großzügige Schicht aus geschmorten Zwiebeln abgelöscht mit Weißwein und abgebunden mit Schmand und aufgeschlagenen Eiern. Gekrönt wird das Ganze von einer Lage Speckwürfel. Die Weingüter die Federweißen servieren, bieten oft auch Zweibelkuchen an. Wer also Zwiebelkuchen zum Federweißen kombiniert, hat genug Reserven im Magen, um nur leicht beschwipst am Ende eines Liters Federweißen anzukommen. Doch aufgepasst, für diejenigen mit empfindlichem Verdauungsapparat können soviel Hefe und Zwiebeln auch zu Bauchgrummeln führen.

Für diejenigen, die nicht von Weinbergen umringt sind, aber gern mehr über Federweißen wissen, oder ihn sogar in ihrer gewohnten Umgebung verkosten möchten, empfiehlt sich ein Blick in die Webseite des Weingutes Mohr-Gutting: https://pfaelzer-federweisser.de/

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Ausblicke Kulinarik Natur Pfalz

Weinselig wandern in der Pfalz

Im September beginnt in den Pfälzer Weingütern und Winzergenossenschaften der Ausschank von “Federweißem” – in Gärung befindlichem Traubensaft. Den Namen hat das Getränk seinem milchig-trüben Aussehen zu verdanken, und das wiederum kommt von der Hefe, die den Zucker im frischen Traubensaft langsam in Alkohol umwandelt.

Wie wäre es also genau zu dieser Zeit mit einer Wanderung von der Gimmeldinger “Gaststätte im Tal” hoch zur Stabenbergwarte und hinunter ins Weinland Königsbach? Gimmeldingen und Königsbach sind beide Vororte von Neustadt an der Weinstraße, dementsprechend sind es nur ca. 5 Kilometer oder übersetzt in Zeit anderthalb Stunden bis zum Ziel. Es geht bergauf durch den Wald. Die Bäume ragen hoch hinauf, und man hat den Eindruck, in einem luftigen Wald der Mittelmeerregion zu wandern und nicht in der Pfalz. Kiefern wachsen auf dem sandigen Boden, und unter den Bäumen blüht in einem Farbton zwischen blasslila und blassrosa das Heidekraut. Hier und da tupfen Esskastanien frisches Grün in die mediterrane Farbpalette.

Die Schritte verstummen auf dem weichen Waldboden, doch ab und zu wölben sich Felsen aus dem Nadelteppich. Zwei davon, der Kaffenstein und der Schwehrstein sind nicht irgendwelche Felsen, sondern Grenzsteine, über und über bedeckt mit Wappenzeichen und Jahreszahlen, die ältesten aus dem 17. Jahrhundert, die jüngsten aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts.

An der Stabenbergwarte angekommen bietet sich eine weite Sicht hinaus auf die Rheinebene bis hin zum Odenwald. Genau dafür wurde die Stabenbergwarte 1904 vom Pfälzerwaldverein gebaut.

Bergab wird der Kiefernwald zu Buchenwald. Es wird grüner, und der Waldboden wird dunkler. Allmählich erhascht man durchs Blättergrün Ausblicke auf die Rheinebene, bis der Wald endgültig den ersten Häusern Königsbachs weicht. An der barocken St. Johanneskirche und dem Weingut Frank John mit seinem mittelalterlichen Gewölbe/Weinkeller geht es bergab zum Weinland Königsbach, wo der Federweiße auf Sie wartet.

Wer mehr Wein und weniger Weg möchte, dem sei ein kleiner Spaziergang vom Weinland Königsbach hinunter zum Weinbiet in Mussbach und wieder zurück nach Königsbach empfohlen. Einen ersten Federweißen kann man auf der Terrasse des Weinlandes Königsbach genießen und sich dann auf den Weg machen. 40 Minuten dauert es bis zum nächsten Federweißen der im Weinbiet Mussbach ausgeschenkt wird.

Gleich hinter dem Weinland Königsbach führt ein schmaler Weg hinein in die Weinberge. Durch die Weinreben blinken immer wieder Ausblicke auf die Rheinebene bis hinüber zum Odenwald. Die Trauben an den Rebstöcken sind mal weiße Rieslingtrauben mal dunkler Burgunder, doch die Beeren stehen so dicht, dass sie an überdimensionale Himbeeren erinnen. Entlang des Wegs wachsen Obstbäume, wilde Pflaumen, Äpfel, Birnen, Mandeln und Walnüsse. Natürlich sind nicht alle Früchte zur selben Zeit reif, aber etwas gibt es im September immer im Vorübergehen zu Naschen, seien es späte Pflaumen oder frühe Apfelsorten.

In Mussbach angekommen führt der Weg durch den historischen Kern des Ortes. Fachwerkhäuser säumen die idyllischen Straßen, und immer wieder erhascht man Blicke in die Höfe von Weingütern. Das Weinbiet Mussbach besitzt einen offenen und einen überdachten Hofteil. Platz, um sich mit seinem Federweißen niederzulassen, gibt es immer, und wer hungrig ist, bekommt nicht nur den traditionellen Zwiebelkuchen, sondern auch Würstchen oder Kartoffelsalat.

Auf dem Rückweg breitet sich der Pfälzer Wald in all seiner Pracht vor den Weinbergen aus, und während seine Berge anwachsen, werden die Schatten länger und die Farben leuchtender. In der Dämmerung ist die Stimmung ganz besonders zauberhaft, und wenn Sie rechtzeitig wieder zurück zum Weinland Königsbach kommen, können Sie sogar noch einen Federweißen zum Abschied trinken.