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Ausblicke Kulinarik Natur Pfalz

Weinselig wandern in der Pfalz

Im September beginnt in den Pfälzer Weingütern und Winzergenossenschaften der Ausschank von “Federweißem” – in Gärung befindlichem Traubensaft. Den Namen hat das Getränk seinem milchig-trüben Aussehen zu verdanken, und das wiederum kommt von der Hefe, die den Zucker im frischen Traubensaft langsam in Alkohol umwandelt.

Wie wäre es also genau zu dieser Zeit mit einer Wanderung von der Gimmeldinger “Gaststätte im Tal” hoch zur Stabenbergwarte und hinunter ins Weinland Königsbach? Gimmeldingen und Königsbach sind beide Vororte von Neustadt an der Weinstraße, dementsprechend sind es nur ca. 5 Kilometer oder übersetzt in Zeit anderthalb Stunden bis zum Ziel. Es geht bergauf durch den Wald. Die Bäume ragen hoch hinauf, und man hat den Eindruck, in einem luftigen Wald der Mittelmeerregion zu wandern und nicht in der Pfalz. Kiefern wachsen auf dem sandigen Boden, und unter den Bäumen blüht in einem Farbton zwischen blasslila und blassrosa das Heidekraut. Hier und da tupfen Esskastanien frisches Grün in die mediterrane Farbpalette.

Die Schritte verstummen auf dem weichen Waldboden, doch ab und zu wölben sich Felsen aus dem Nadelteppich. Zwei davon, der Kaffenstein und der Schwehrstein sind nicht irgendwelche Felsen, sondern Grenzsteine, über und über bedeckt mit Wappenzeichen und Jahreszahlen, die ältesten aus dem 17. Jahrhundert, die jüngsten aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts.

An der Stabenbergwarte angekommen bietet sich eine weite Sicht hinaus auf die Rheinebene bis hin zum Odenwald. Genau dafür wurde die Stabenbergwarte 1904 vom Pfälzerwaldverein gebaut.

Bergab wird der Kiefernwald zu Buchenwald. Es wird grüner, und der Waldboden wird dunkler. Allmählich erhascht man durchs Blättergrün Ausblicke auf die Rheinebene, bis der Wald endgültig den ersten Häusern Königsbachs weicht. An der barocken St. Johanneskirche und dem Weingut Frank John mit seinem mittelalterlichen Gewölbe/Weinkeller geht es bergab zum Weinland Königsbach, wo der Federweiße auf Sie wartet.

Wer mehr Wein und weniger Weg möchte, dem sei ein kleiner Spaziergang vom Weinland Königsbach hinunter zum Weinbiet in Mussbach und wieder zurück nach Königsbach empfohlen. Einen ersten Federweißen kann man auf der Terrasse des Weinlandes Königsbach genießen und sich dann auf den Weg machen. 40 Minuten dauert es bis zum nächsten Federweißen der im Weinbiet Mussbach ausgeschenkt wird.

Gleich hinter dem Weinland Königsbach führt ein schmaler Weg hinein in die Weinberge. Durch die Weinreben blinken immer wieder Ausblicke auf die Rheinebene bis hinüber zum Odenwald. Die Trauben an den Rebstöcken sind mal weiße Rieslingtrauben mal dunkler Burgunder, doch die Beeren stehen so dicht, dass sie an überdimensionale Himbeeren erinnen. Entlang des Wegs wachsen Obstbäume, wilde Pflaumen, Äpfel, Birnen, Mandeln und Walnüsse. Natürlich sind nicht alle Früchte zur selben Zeit reif, aber etwas gibt es im September immer im Vorübergehen zu Naschen, seien es späte Pflaumen oder frühe Apfelsorten.

In Mussbach angekommen führt der Weg durch den historischen Kern des Ortes. Fachwerkhäuser säumen die idyllischen Straßen, und immer wieder erhascht man Blicke in die Höfe von Weingütern. Das Weinbiet Mussbach besitzt einen offenen und einen überdachten Hofteil. Platz, um sich mit seinem Federweißen niederzulassen, gibt es immer, und wer hungrig ist, bekommt nicht nur den traditionellen Zwiebelkuchen, sondern auch Würstchen oder Kartoffelsalat.

Auf dem Rückweg breitet sich der Pfälzer Wald in all seiner Pracht vor den Weinbergen aus, und während seine Berge anwachsen, werden die Schatten länger und die Farben leuchtender. In der Dämmerung ist die Stimmung ganz besonders zauberhaft, und wenn Sie rechtzeitig wieder zurück zum Weinland Königsbach kommen, können Sie sogar noch einen Federweißen zum Abschied trinken.

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Natur Odenwald

Die Margarethenschlucht

Die Margarethenschlucht bei Neckargerach im Neckartal ist garnicht so, wie sie heißt, oder wie ich mir eine Margarethe vorstelle: weder brav noch ordentlich, sondern manchmal wild, manchmal dramatisch und immer zaubervoll.

Auf dem kurzen Weg vom Wanderparkplatz zum oberen Eingang der Margarethenschlucht würde man nie auf die Idee kommen, dass sich in der welligen Landschaft aus Feld- und Waldstücken gleich der Zugang in eine Schlucht öffnet, die eher in eine Hochgebirsglandschaft passen würde.

Die Margarethenschlucht selbst ist nur 600 Meter lang, aber jeder einzelne Meter hat es in sich. Über 100 Höhenmeter sind auf dieser kurzen Strecke zu überwinden. Es geht auf schmalen gewundenen Pfaden am Abgrund entlang, und am Wegesrand liefern sich Felsen und Bäume einen harten Wettkampf, wer am höchsten aufragt.

Die Schlucht wurde nicht von einem reißenden Gebirgsfluss sondern vom, je nach Jahreszeit sacht dahintröpfelnden oder in Wasserfällen herabstürzenden Flursbach in die Landschaft gekerbt. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist ideal für seltene Farnarten und Bäume die sonst eher in Auwäldern gedeihen. Unter dem grünen Baldachin der Ulmen wird die dramatische und gleichzeitig zauberhafte Atmosphäre durch Felsbrocken, die mal überhängen, mal zurückweichen, sich aufeinandertürmen oder in kubistischem Formenspiel nebeneinanderliegen, vervollständigt. Wenn man genauer hinschaut, sieht man kunstvolle Moosflechten, bunte Sandsteinschichten, winzige Stalaktiten und immer wieder Holz, das von Wasser und Luft aufs wunderlichste geschliffen wurde.

Die 2,1 Kilometer lange Wanderung dauert ca. anderthalb Stunden und ist auch an heißen Sommertagen zu empfehlen. Während draußen die Luft in der Hitze flirrt, bleibt die Schlucht schattig, kühl und erfrischend. a. eine Stunde und ca. 2.1 Kilometer Der Rückweg führt ein Stück oberhalb des Neckars entlang, bevor man wieder in den Wald eintaucht. Zur Belohnung gibt es dabei romantische Aussichten aufs Neckartal.

Ein wenig Kondition sollt man schon haben, denn der Weg hinunter hat so einige Stufen (ist allerdings gut mit Stahlseilen gesichert), und der Weg zurück führt streckenweise ziemlich steil bergauf.

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Geologie Natur Odenwald

Die Spatschlucht bei Schriesheim

Klein, fein und dramatisch, das ist die Spatschlucht bei Schriesheim. Natur und Mensch haben eine Schlucht geschaffen, die in der lieblichen Waldlandschaft ein kleines Spektakel ist. Und das zu Recht, denn in der Spatschlucht wurde tektonische Weltgeschichte geschrieben. Vor über 100 Millionen Jahren bewirkte die Öffnung des Atlantik Brüche in der Kruste des späteren Europa. Heiße, wässrige Lösungen zirkulierten in den Spalten auf und ab und wurden in Verbindung mit sulfathaltigem Sauerstoff zu Schwerspat (Baryt), das die Brüche allmählich wieder verschloss. Die Spatschlucht ist einer dieser mit Baryt verfüllten Erdkrustenrisse, mit dem Unterschied, dass in der Spatschlucht heutzutage das Baryt fehlt.

Baryt nämlich ist ein Mineral. Es ist weiß, fast doppelt so dicht wie Granit und wird für die Herstellung weißer Farbe, in der Papierindustrie und als Ballaststoff für Beton verwendet. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man Baryt über und unter Tage abzubauen. In der Spatschlucht folgten die Bergarbeiter einer oberirdischen Barytader bis in eine Tiefe von zehn Metern und schälten das Baryt in einer Breite von 4 Metern aus dem umgebenden Granit.

Der Bergbau wurde längst eingestellt, doch wenn man durch die Schlucht wandert, entdeckt man Meiselspuren im Granit und hier und da Kleckse von Baryt an den steilen Felswänden. Längst hat sich die Natur zurückgeholt, was zu ihr gehört. Vereinzelte Bäume wachsen am Boden der Schlucht. Es gehört Überlebenskunst dazu, um in dieser Lichtungleichheit zu solcher Größe heraufzuwachsen. Oben, an den Rändern der Schlucht tragen halsbrecherisch in den Fels geklammerte Wurzeln Bäume, die wie Seiltänzer wirken; eine falsche Bewegung und sie stürzen ab. Und über allem ein Dach aus kichten Ästen und Zweigen. Genau das Richtige für einen Frühlingsausflug oder einen heißen Sommertag

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Bergstraße Kultur Natur Odenwald

Der Blütenweg zwischen Dossenheim und Laudenbach

Die Bergstraße verläuft genau dort wo sich die Ostseite der Rheinebene allmählich zum Odenwald erhebt. Schön ist es da! Ein abwechslungsreicher Übergang von flacher Ebene zu welligen Weinbergen und in die grünen Höhen des Odenwaldes. Mittendurch schlängelt sich mit 35 Kilometern Länge, von Dossenheim im Süden über Weinheim bis nach Laudenbach im Norden ein Weg an dem es grünt, blüht und gedeiht: der Blütenweg. Er führt mal als schmaler Pfad, mal als uralter Hohlweg, mal als Laubengang durch Weinberge und Fachwerkstädte hindurch, an Burgen, alten Stollen, betagten Obsthainen und Wildwiesen vorbei und ist dabei immer wieder ein Fest für die Augen. Wer den Blick hebt, kann an den richtigen Stellen traumhafte Fernblicke, bei schönem Wetter sogar bis auf die Vogesen genießen. Wer lieber in der Nähe sucht, kann bei etwas Geduld und ein wenig Glück an Terrassenmauern, knorrigen Baumgreisen oder von Moos überwachsenen Steinformationen einen Blick auf so seltene Tiere wie Zauneidechsen und Schlingnattern erhaschen.

Spektakulär wird es im Frühjahr. Dann verziert die Blüte von Apfel-, Mandel-, Kirsch- oder Mirabellenbäumen die Landschaft mit blassrosa, cremefarbenen und weißen Wolken. Auf den Wiesen breiten sich bunte Blumenteppiche aus unter denen seltene Orchideen- und Sommerwurzarten oder Enzian zu finden sind.

Im Herbst dagegen wird es schmackhaft. Seit 2014 setzt sich der Verein „Blühende Bergstraße“ für die Wiederherstellung und den Erhalt des alten Kulturlandschaftsteppichs aus Obstwiesen, Magerrasen, Lössböschungen und Weinbergen ein. Gebiete, die der Wald im Laufe der Zeit erobert hat, werden gesäubert, alte Trockenmauern und Terrassen wieder freigelegt und Obstbäume gepflanzt. Schon im 17. Jahrhundert wurde die Schönheit der Obstgärten gerühmt, und bis in die 60er Jahre war die Bergstraße das Gebiet mit der höchsten Obstbaumdichte Deutschlands. Heute findet man am Wegesrand neben neuen Obstsorten auch viele alte, wiederentdeckte Sorten wie Birnen mit solch klangvollen Namen wie “Stuttgarter Geißhirtle“ und “Madamenschenkel“ oder die Lützelsachser Frühzwetschge. Wer also im Herbst zur Reifezeit kommt, kann diese alten Köstlichkeiten probieren und dem Geschmack der Vergangenheit auf den Grund gehen.

Der Blütenweg kann in kurzen Etappen erwandert werden. Für diejenigen, die alte Kulturlandschaften besonders lieben, sind die Abschnitte Laudenbach bis Hemsbach oder Schriesheim bis Dossenheim empfehlenswert. Für Burgenfans und Freunde alter Parklandschaften bietet sich der Abschnitt Hemsbach bis Weinheim an. Im Abschnitt nördlich von Schriesheim kommen Freunde von Wildwiesen und seltenen Pflanzenarten auf ihre Kosten.

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Kultur Natur Odenwald Religion

Buddhas Weg – Retreat im Odenwald

Im Odenwald gibt es schroffe Schluchten, Berge, Burgen, natürlich unendlich viele Bäume und … “Buddhas Weg“. Buddhas Weg ist ein buddhistisches Kloster im Wald-Michelbacher Stadtteil Siedelsbrunn. Einst eine Entzugsklinik für Alkoholkranke ist das Kloster auch heute ein Ort der Heilung, genauer gesagt der Selbstheilung. Eine Vielzahl von Seminaren und Workshops lehren die Teilnehmer Körper und Seele zur Ruhe und in Einklang zu bringen.

Schon allein der Weg zum dem Kloster angegliederten Gästehaus stimmt darauf ein. Ein sorgsam angelegter Garten, in dem wilde und kultivierte Pflanzen gedeihen können, Büsche und Bäume Schatten und Blütenpracht spenden, wo Buddhastatuen und Engelsfiguren gleichermaßen Platz finden, umgibt die Anlage. Das Gästehaus bietet Zimmer in einfacher und gehobenerer Ausstattung und besitzt Seminarräume in denen man unter professioneller Anleitung seine Mitte finden kann. Für das leibliche Wohl sorgt ein Teehaus im ehemaligen Schwimmbad der Klinik, in dessen Teich Zierkarpfen schwimmen und Wasserpflanzen gedeihen. Und damit nicht genug, gibt es unzählige Teesorten und köstliche, selbstgebackene Kuchen auch in veganen Versionen.

Allein zur Ruhe kommen kann man auch außerhalb des Klosters, wo unzählige Wanderwege und Pfade zu Spaziergängen durch die Waldesstille einladen.

Im Kloster selbst geht es international zu. Die Nonnen und Mönche der Klostergemeinschaft kommen aus Vietnam, Thailand oder Korea und praktizieren unterschiedliche Traditionen des Buddhismus wie Mahayana oder Theravada.

Die Gäste können wählen, ob sie tiefer ins Klosterleben und den Tagesablauf der Klostergemeinschaft eintauchen möchten oder “nur“ an den Kursen und Veranstaltungen teilnehmen möchten. Bei beiden Möglichkeiten steht die Integrierung buddhistischer Lehren in den Alltag im Vordergrund, das heißt, sich allem zu öffnen, Klarheit über den eigenen Geist zu finden, Verantwortung zu übernehmen, seine eigene Entwicklung zu gestalten und so ausgerüstet achtsam im alltäglichen Leben zu agieren.

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Ausblicke Natur Rheinebene

Das Heidelberger Neckarufer – ungestörte Romantik

Heidelberg ist der Inbegriff deutscher Romantik, doch das romantische Gefühl kommt oft nicht so richtig auf, denn meist muß man sich mit unzähligen Touristen Anblicke und Eindrücke teilen. Natürlich sollten Sie das Schloß, die Altstadt mit Kornmarkt und Marktplatz besuchen, aber um ungestört genießen zu können, bietet sich ein Spaziergang entlang des Neckars an.

Entweder direkt am Ufer oder etwas weiter oben am Heiligenberg laden Pfade dazu ein, Heidelbergs Romantik aus der Ferne und trotzdem nah, und vor allem ungestört zu bewundern. An den Routen warten lauschige Gassen, malerische Kaffeeoasen, das Plätschern des Wassers, das Rauschen der Bäume und immer wieder traumhafte Ausblicke auf Altstadt und Schloß.

Los geht es an der Ernst-Walz-Brücke, wo Sie vielleicht schon ihren ersten Kaffee mit Neckarblick genießen können und zwar direkt am Ufer. Dort bietet ein kleiner Foodtruck vorzügliche Kaffeevarianten an. Und auch das Heidelberger Schloss ist schon im Hinergrund zu sehen.

Entlang der Neckarwiese tummeln sich je nach Wetter Enten oder Sonnenhungrige, und im Hintergrund reihen sich an der Straße die hundertjährigen Villen Neuenheims. Es lohnt sich, einen kleinen Abstecher hinein auf den Neuenheimer Markplatz zu machen. Dort erwartet Sie im Schatten von Bäumen und der Johanneskirche nicht nur das Cafe Bairro mit süßen und herzhaften Frühstücken, sondern auch am richtigen Tag (Samstag) der Bauernmarkt.

Nach der Theodor-Heuss-Brücke geht es den Philosophenweg hinauf, und es wird subtropisch. Die Altstadt mit Marstallhof, Schloß und Heiliggeistkirche zeigt sich in immer wechselnden Kombinationen und jeder Anblick ist schöner als der vorherige.

Anstatt den Schlangenpfad zur Alten Brücke hinunterzusteigen, geht es jetzt weiter durch den Wald. Auf diesem Wegabschnitt ist man fast allein. Die Altstadt rückt ein wenig in die Ferne, aber so kann man die Stadt in ihrer ganzen Pracht aufnehmen. Und auch die gewaltige Ruine des Schloßes wirkt mächtiger als zuvor.

Die Bäume werden höher, der Pfad schlängelt sich um kleine Bergeinschnitte herum und unten im Tal blinkt immer wieder, mal gerade und mal gewunden, der Neckar auf.

Der Wald öffnet sich und geht in Streuobstwiesen über, inmitten derer das Benediktinerkloster Stift Neuenburg liegt. Dort ist die Wanderung zu Ende. Das Kloster läd nicht nur zum Ausruhen, sondern auch zum Genuß ein. Die weitläufige Anlage besitzt neben Konventsgebäuden, Gartenanlagen und Kirche auch eine Bierbrauerei und den “Gasthof zum Klostergarten”. Dort zum Beispiel können Sie bei deutscher Hausmannskost und nebenan gebrautem Bier die Wanderung ausklingen lassen.

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Natur Thüringen

Ein blaues Auge im Wald – die Walsbachquelle

Falls Ihnen nach einem kleinen Waldspaziergang mit einem ganz besonderen Ziel ist, sollten Sie unbedingt zur Walsbachquelle, die nur wenige Fahrminuten nördlich von Treffurt an der Werra liegt.

Es ist nur ca. ein Kilometer vom Parkplatz Walsbach durch den Wald bis zur Quelle. Der Weg selbst ist eher unspektakulär, ein recht geradliniger Waldweg eben, doch dann breitet sich vor dem Besucher ein kleiner Quellsee aus. Das Wasser ist glasklar, und der kieselige Grund wirkt, als ob er dicht unter der Oberfläche schweben würde. Tritt man näher heran, werden die Steine am Grund durch die Wellenbewegungen kunstvoll verzogen und von der Sonne mit Farbtupfern versehen. Von weiter weg leuchtet und schimmert das Wasser, abhängig vom Wetter, in verschiedenen Blau- und Türkistönen und bildet einen wunderbaren Kontrast zu den Farben des Waldes und des Himmels.

Die Quelle ist mit ihrer hohen Wasserqualität Heimat der seltenen Geburtshelferkröte. Der Name ist ein wenig irreführend, denn er meint nicht, dass die Kröte bei irgendeiner Geburt hilfreich ist, sondern dass die Krötenmännchen die Eischnüre nach der Befruchtung an ihren Hinterbeinen befestigen und solange mit sich herumtragen, bis die Kaulquappen reif zum Schlüpfen sind. Das ist in der Krötenwelt außergewöhnlich, denn üblicherweise legt ein Krötenweibchen ihre Eier im Wasser ab, wo das Männchen sie befruchtet und damit seine Arbeit getan hat. Danach treiben die Eierpakete im Wasser, bis die Kaulquappen schlüpfen. Ein Geburtshelferkröterich dagegen kann sogar mehrere Eierpakete verschiedener Paarungspartnerinnen mit sich herumtragen. Wenn man es also von dieser Seite betrachtet, hat sich der Geburtshelferkröterich diesen leicht euphorischen Namen voll und ganz verdient.

Eine Bank läd zu genußvoller Ruhe ein, begleitet von Wasserplätschern und Bäumerauschen, und wenn man etwas Glück hat, mischt sich unter das Waldkonzert der Paarungsruf der Geburtshelferkröte.

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Gartenkunst Geschichte Natur Thüringen

Weimars grünes Band – der Park an der Ilm

Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar, und bei einem Spaziergang können Sie dort nicht nur eine idyllische Wasser- und Parklandschaft, sondern auch außergewöhnliche Denkmale der bewegten und prachtvollen Geschichte Weimars erleben. In Nachbarschaft des Flusses reihen sich berühmte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Weimarer Stadtschloss oder das Tempelherrenhaus aneinander. Zwar nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, dafür umso schöner.

Am Weimaer Stadtschloss, der Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach, können Sie Ihren Spaziergang beginnen. Das Schloss wiederspiegelt heute überwiegend die Architektur und den Zeitgeist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Räume der Gemäldegalerie mit Meisterwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts und ein Großteil der Residenzgemächer werden derzeit umfassend renoviert, doch die vier Dichterzimmer, die Goethe, Schiller, Wieland und Herder gewidtmet sind, sowie die Schlosskapelle kann man mittlerweile bei geführten Touren wieder erleben.

Nur wenige Schritte weiter südlich liegt die Anna-Amalia-Bibliothek, die nicht nur eine Fürstenbibliothek mit literarischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf deutscher Literatur und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Das Prunkstück der Bibliothek, der Rokokosaal ist eine raffinierte architektonische Komposition aus einem elipsenförmigen Innenraum umgeben von einem viereckigen Außenraum. Die Wände zwischen beiden Räumen sind mit Bögen gestaltet, die entweder integrierte Buchregale aufweisen oder als Durchgänge dienen. Schaut man in die Höhe, dann wird das Gestatungskonzept auch im Obergeschoß sichtbar. Dort wird der Außenraum zu einer von fast schwebenden Säulen getragenen Galerie.

Umhüllt vom Grün des Parks geht es weiter zu den malerischen Ruinen des Tempelherrenhauses. Trotz des Namens und des gotischen Aussehens hat das Gebäude weder etwas mit den Templern noch mit dem Mittelalter zu tun, spannend ist seine Geschichte aber allemal. Ursprünglich ein Gewächshaus und ein Orangenhaus, Überbleibsel des Welschen Gartens der einst am Rand der Ilm lag, wurde das Gebäude 1786/87 zum Salon für den herzoglichen Hof umgebaut. Doch schon wenige Jahre später wurde der Salon notdürftig wieder als Gewächshaus eingerichtet, und ab 1811 wurden hier die Zitruspflanzen der Orangerie von Belvedere untergebracht, die durch deren Umbau ein Übergangszuhause brauchten. Wiederum zehn Jahre später wurde das Orangenhaus zum Sommerhaus für die herzogliche Familie umgestaltet.

Vier überlebensgroße Statuen von Tempelherren, die ab 1788 die Dachecken des Gebäudes verzierten, sind für den Namen verantwortlich. Wind und Wetter ausgesetzt, wurden die ursprünglich hölzernenStatuen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch steinerne ersetzt und in den Salon verbracht, den sie fortan schmückten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Tempelherrenhaus zur Ruine, doch seine malerische Anziehungskraft wuchs. Von Efeu umrankt, mit intakten Maßwerkfenstern und bekrönt von gotischen Mauerabschlüssen gibt es kaum ein Motiv im Park an der Ilm, das fotografierenswerter wäre. Die Tempelherren jedoch sucht man vergeblich. Nur eine Figur überstand die Zerstörung, verlor dabei allerdings ihren Kopf, und wer heute zumindest die hölzernen Originale sehen möchte, kann sie im Römischen Haus bewundern.

In die Unterwelt geht es, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Parkhöhle zu besuchen. Sie liegt vom Tempelherrenhaus noch nicht einmal 100 Meter entfernt und ist ein ursprünglich im 18. Jahrhundert als Bierlager angelegter Stollen. Nach und nach wurde er durch den Abbau von Sand und Kies zu einem weitverzweigten Tunnelsystem ausgeweitet, und so wie vor 300 Jahren Hofgesellschaften die Höhlen besonders an heißen Sommertagen zum Lustwandeln nutzten, können Sie heute das Höhlensystem besuchen. Dabei lassen sich an der Decke der Stollen die Versteinerungen fossiler Pflanzen und Wasserlebewesen entdecken, und an den Wänden führen die Sedimentschichten der Ilm über 400000 Jahre in die Vergangenheit.

Beim nur acht Gehminuten entfernten römischen Haus wurde Goethe zum Baumeister. Er nämlich leitete im Auftrag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach den Bau der Villa, und das mit solchem Erfolg, dass sie zur Lieblingsresidenz des Herzogs wurde. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Bauwerk um ein Gebäude im klassizistischen Stil. Goethe nahm sich Villen und Tempel der Römerzeit zum Vorbild, und so werden die Bögen des dem Fluß zugewandten Untergeschosses von dorischen Säulen getragen. Das Erdgeschoß dagegen ähnelt mit seiner von ionischen Säulen gestützten Portico einem antiken Tempeleingang.

Auf der Ostseite des Parks, wieder ein kleines bisschen zurück in nördliche Richtung liegt das Haus am Horn. Klar, ohne jede Schnörkel und Verzierungen sitzt das Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einer leichten Aufschüttung. Es wurde 1923 als Musterhaus der Bauhausausstellung errichtet, um Interessierten zu zeigen wie modernes Bauen und Wohnen aussehen sollte. Nicht nur außen wiederspiegelt das Haus die Einheit von Form und Funktionalität, sonder auch innen wurde dieses Konzept umgesetzt. Zwar sind viele der originalen Einrichtungsgegenstände, die eigens für die Bestückung des Hauses entworfen und gebaut wurden verlorengegangen, doch vermitteln Grundrisse auf dem Boden und Modelle wo einst ein Bild die Originalmöbel standen, Modelle und Originalstücke ein echtes Gefühl für die Athmosphäre die hier vor über 100 Jahren herrschte.

Den Abschluss bildet das dem Tempelherrenhaus fast genau gegenüberliegende Gartenhaus Goethes. Ursprünglich war es ein wohl aus dem 16. Jahrhundert stammendes Weinberghaus, das Herzog Carl August Goethe zum Geschenk machte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog Goethe 1776 ein und lebte dort sechs Jahre, bevor er in seine Residenz am Frauenplan umzog. Die Zimmer des Gartenhauses besitzen heute wieder die originale Farbgebung aus Goethes Zeiten und sind teils mit originalen Möbelstücken ausgestattet. Der terrassierte Garten der nach Goethes Vorstellungen angelegt wurde, ist in den letzten 250 Jahren gewachsen. Die Bäume hinter dem Haus wurden teils zu Goethes Zeiten gepflanzt und rahmen das Haus heute malerisch ein. Der Nutzgarten, der vor dem Haus lag, ist verschwunden, aber die Treppen und Wege die den Garten durchkreuzen sind noch die alten.