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Schloss Dryburg in Bad Langensalza

Bad Langensalza ist einen Besuch wert. Die Fassaden entlang der romantischen Altstadtgassen sind krumm und schief. Manchmal hinter Putz versteckt, manchmal aufwendig restauriert bildet jahrhundertealtes Fachwerk mit unterschiedlichen Balkenmustern eine bezaubernde Stadtkulisse. Dazwischen die spätgotischen Kirchen St. Bonifazius und St. Stefan mit ihren hohen Türmen sowie grandiose Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Die Burg in der Stadt dagegen könnte man fast übersehen. Am Rande eines Parkplatzes steht sie und sieht eher aus wie eine etwas trutziger geratene Residenz eines gut betuchten Stadtbürgers. Es handelt sich um das Schloß Dryburg. Der älteste Teil der Anlage ist der Westflügel, doch komplett hellblau verputzt sieht man ihm weder sein wahres Alter noch die vielen Umbauten auf den ersten Blick an. Die Fassade wirkt einheitlich und die viereckigen Fenster durch die farblichen Absetzungen genormt. Aber der Eindruck täuscht. Es gibt ein Doppelfenster, schmalere Fenster, höhere Fenster und ganz kleine Fenster, und die Abstände zwischen ihnen sind alles andere als regelmäßig. Soetwas passiert meist dann, wenn altes Gemäuer „aufbereitet“ wird. Dabei diktieren ältere Trennwände oder Treppenhäuser die Größe und Positionen der neueren Fenster. Und tatsächlich, unter der Tünche zeichnen sich die Steine ab, und man kann erkennen, dass die Ecken des Gebäudes mit sorgfältig bearbeiteten, extra großen Steinblöcken gesetzt sind. Auch inmitten der Fassade findet sich eine senkrechte Fuge, entlang der sich dieselbe Mauertechnik findet. Also wurde an einen älteren Gebäudeteil etwas angebaut. Dazu zeigt eine waagerechte holperige Steinlinie an, dass zumindest Stücke des oberen Gebäudes auf einen älteren Teil aufgesetzt wurden …

Ich mache mir all die Mühe, um dass Gebäude so alt zu machen, wie ich es brauche. Nämlich mindestens 855 Jahre. Aber dafür muss ich ein klein wenig ausholen:

1191 eroberten die Kreuzfahrer unter Führung des englischen Königs Richard Löwenherz und des französischen Königs Phillip II. die Stadt Akko von Sultan Saladin. Erst 1187 hatte Saladin die Stadt in muslimischen Besitz gebracht, doch schon 1189 zog ein Kreuzfahrerheer vor Akko und versuchte die Stadt einzunehmen. Während der langen Belagerung Akkos gründeten norddeutsche Kreuzfahrer ein Feldlazarett, das nur wenige Jahre später 1198 zum dritten Ritterorden wurde, dem Deutschen Ritterorden. Die zuvor gegründeten Templer und Johanniter hatten schon große Machtbereiche des Heiligen Landes unter sich aufgeteilt, und der Deutsche Orden musste hart kämpfen um Besitz und Privilegien zu erwerben. Viele dieser Vergünstigungen hat der Orden der politischen Umtriebigkeit und wirtschaftlichen Tüchtigkeit eines einzigen Mannes, nämlich Hermann von Salza, zu verdanken. Er war von 1210 bis 1239 vierter Hochmeister des Deutschen Ordes und in dieser Zeit unablässig darum bemüht Macht und Einfluss des Ordens zu vergrößern. Dank ihm wurde der Orden mit den Templern und Johannitern gleichgestellt, und Dank ihm schenkte Kaiser Friedrich II. dem Orden Preußen …

Und wie passt das jetzt alles zu Schloss Dryburg und seiner buckeligen Fassade? Genau in diesem Gebäude wurde gegen 1170 vermutlich Hermann von Salza geboren. Urkundlich wird das Schloß um 1200, noch zu Lebzeiten von Herman von Salza, aber fast 40 Jahre nach seiner Geburt, als Sitz der Herren von Salza erwähnt. An ein solch beträchtliches Alter kommt zumindest die heutige Fassade des Schlosses nicht heran. Aber in seinem Inneren verbergen sich neben gotischen Spuren auch Reste eines romanischen Kellers und eines spätromanischen Wohnturms. Überreste von Gebäuden also, die Hermann von Salza gekannt haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Vorgängerbau von Schloß Dryburg geboren wurde, ist hoch, gestorben jedoch ist er ganz woanders. Seine Ambitionen führten ihn in den Mittelmeerraum, unter anderem nach Italien und ins Heilige Land, und Thüringen besuchte er nur noch ganze vier Mal. 1239 starb er in dem Land, das er zu seiner Wahlheimat gemacht hatte, Italien.

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Der Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda

Das Kloster Volkenroda in der Nähre des thüringischen Mühlhausen brauchte einen modernen Kirchenbau, doch die finanziellen Mittel fehlten. Daraus entstand die Idee eines Christuspavillons. Als Beitrag der Kirchen zur EXPO 2000 sollte er in Hannover ausgestellt werden, mit dem Ziel ihn nach Ende der Weltausstellung in Volkenroda aufzubauen. Tatsächlich wurde dass, was als Spiel mit den Möglichkeiten begann, in die Tat umgesetzt. Nach Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan wurde der Pavillon 2000 in Hannover aufgebaut und nach Ende der EXPO nach Volkenroda umgesetzt.

Heute steht der Pavillon im Zentrum des Klosterlebens. Formen und Farben, Licht und Schatten und mehr noch Transparenz und Transluzenz bestimmen das quadratische Gebäude, das in Kreuzgang und Christusraum unterteilt ist. Die doppelschaligen Außenwände aus Glas sind mit Gegenständen aus allen Bereichen des Alltags gefüllt: Holzscheiben, Glühbirnen, Strohblumen, Kassetten, Tannenzapfen, Plastikschläuche … Durch die verschiedenen Texturen, Anordnungen und Durchlässigkeiten ergeben sich unendliche Kompositionen aus Licht und Schatten, und man erkennt, welche Schönheit selbst die gewöhnlichsten Dinge in sich tragen, wenn man ihnen den richtigen Platz zukommen lässt. Der Altarraum des Christusraumes dagegen ist von weichem, fast milchigem Licht erfüllt. Grund dafür sind die mit dünnen Marmorscheiben verkleideten Fenster und die hohen Oberlichter, die den Raum in eine gewisse Zeitlosigkeit versetzen. Genau der richtige Ort, um abzuschalten und sich für ein paar Momente vom allzu Irdischen zu lösen.

Im Übergang von Hauptraum zum Kreuzgang findet man neun quadratische Kammern, in denen der Künstler Andreas Felger Themen wie “Herrlichkeit”, “Trinität”, “Licht” oder “Wasser” interpretierte. Das Ergebnis sind intensive und berührende Farbfeldmalereien, die den Eintretenden umfangen und dazu einladen daüber nachzudenken, welchen Bedeutung diese Werte für ihn selbst haben.

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Kloster Volkenroda – modern und alt im Dienste Gottes

Während viele Klöster längst verfallen sind oder im Dornröschenschlaf versinken, blüht das Kloster Volkenroda ca. 15 Kilometer nordöstlich von Mühlhausen in Thüringen auf. Grund dafür ist die engagierte Gemeinde der Jesus-Bruderschaft, die für den Erhalt des Klosters lebt, arbeitet und betet. Damit wurden ab 1994 die Fundamente für das weltliche und spirituelle Gedeihen des Klosters gelegt.

Doch bis es soweit war traf das Kloster ein ähnliches Schicksal wie viele andere Klosteranlagen. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zisterzienserkloster gegründet, wurde das Kloster 1525 im Bauernkrieg durch aufständische Mühlhäuser Bauern schwer beschädigt. Kurz danach wurde das Kloster aufgelöst und das Gelände nebst Gebäuden verpachtet. Der Dreißigjährige Krieg schlug weitere Wunden an der Bausubstanz, und was von den Gebäuden noch stand, verfiel allmählich.

Heute vereint das Kloster alt und neu auf harmonische und zugleich atemberaubende Weise. Zwar stehen von der alten Klosterkirche nur noch Querhaus und Chor, doch die Ruine wurde bewusst nicht vollständig wieder aufgebaut und stattdessen mit neuen Gebäudetrakten verschmolzen. Der mittelalterliche Jesus auf dem Altar der Kirche scheint am Kreuz zu schweben, ohne Arme und der oberen Hälfte seines Kopfes beraubt, gebrochen und trotz allem Quelle der Hoffnung. In all seiner Zerstörung wird er immer wieder und umso mehr zur Bezugsperson all derer, denen das Leben Wunden geschlagen hat. Am neuen Konventgebäude neben der Kirche wurden moderner Stahl und Glas gekonnt mit mittelalterlichem Mauerwerk verwoben und schaffen interessante Kontraste zwischen leichten, geradlinigen Formen und der Schwere frühgothischer Rundungen. Der Kreuzgang ist verschwunden, doch ein quadratisches Wasserbecken markiert den Ort, wo einst Mönche Erholung suchten.

Die Lebendigkeit des Klosterkomplexes wird nicht nur im Äußerlichen deutlich. Das Kloster bietet Seminare und Workshops an und ist Ort von Tagungen und Märkten. Von Bierbrauen über Fastenwochen und Konzerte bis hin zu Schulbauernhof, das Kloster offenbart eine scheinbar unerschöpfliche Vielfalt. Ob allein, mit der Familie oder in der Gruppe, jedem kann nach seinen Wünschen am spirituellen Leben des Klosters teilhaben, dem Alltag entfliehen und in die Gemeinschaft eintauchen.

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Architektur Geschichte Judentum Mittelalter Thüringen

Das Steinerne Haus in Erfurt

Inmitten des Bürokomplexes der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH am Benediktsplatz 1 verbirgt sich ein Schatz aus dem Mittelalter. Umgeben von modernen Büros mit Glas, Chrom und flirrenden Computerbildschirmen befindet sich ein Haus, das wundersamerweise die Umbauten der letzten siebeneinhalb Jahrhunderte fast unverändert überdauert hat; das “Steinerne Haus”.

Von außen betrachtet datiert das spitzbogige Eingangsportal in der Westfassade des Hauses in die Gotik und auch die buckelige Strukturen unter dem Verputz lassen erahnen, dass Fenster zugemauert oder verkleinert wurden. Doch drinnen, im Raum des Obergeschosses haben sich wie durch eine Wunder viele Gestaltungselemente des 13. Jahrhunderts bewahrt. Unzählige Putzschichten und eine abgehängte Decke trugen dazu bei, dass das, was unmodern geworden war, nicht zerstört wurde. Nachdem man begann den Raum von den Veränderungen der letzen Jahrhunderte zu befreien, kam in der Nordwand eine sorgfältig ausgearbeitete spitzbogige Lichtnische mit Rauchabzug zum Vorschein. Das Fenster in der Westwand, das von außen so einfach aussieht, war in Wirklichkeit eine schmale Tür, die einst auf einen von Kragsteinen getragenen Erker führte. Die Holzdecke zeigt ihre originale Bemalung in ocker, schwarz, grün, rot und gelb. Die Farben sind zwar nicht mehr so frisch wie vor 750 Jahren, aber noch klar und deutlich zu erkennen. Auf den Balken prangen Blüten, Ranken und geometrische Muster, und die darüberliegenden Bretter zieren Radmotive. Sogar die originalen Eisennägel die vielleicht zur Aufhängung von Öllampen benutzt wurden, stecken noch im Holz!

Dentrochronologische Untersuchungen am Holz der Decke führten zu einer Datierung der Balken auf die Jahre 1241/42. Somit wurde das Steinerne Haus in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts ging es in jüdischem Besitz über und zwar in den des Salemon von Ascaphenborc. Allerdings ist unklar, wie das Haus und der Raum im Obergeschoß genutzt wurde. Die reiche Ausschmückung lässt an einen Wohnraum, eine Kemenate, denken, doch es gibt auch jene, die vermuten, dass der Raum als Gebetsraum genutzt wurde. Vielleicht werden zukünftige Untersuchungen Klarheit in dieser Frage bringen. Doch in der Zwischenzeit bleibt uns ein beeindruckendes Beispiel fast unberührter gotischer Profanarchitektur.

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Natur Thüringen

Ein blaues Auge im Wald – die Walsbachquelle

Falls Ihnen nach einem kleinen Waldspaziergang mit einem ganz besonderen Ziel ist, sollten Sie unbedingt zur Walsbachquelle, die nur wenige Fahrminuten nördlich von Treffurt an der Werra liegt.

Es ist nur ca. ein Kilometer vom Parkplatz Walsbach durch den Wald bis zur Quelle. Der Weg selbst ist eher unspektakulär, ein recht geradliniger Waldweg eben, doch dann breitet sich vor dem Besucher ein kleiner Quellsee aus. Das Wasser ist glasklar, und der kieselige Grund wirkt, als ob er dicht unter der Oberfläche schweben würde. Tritt man näher heran, werden die Steine am Grund durch die Wellenbewegungen kunstvoll verzogen und von der Sonne mit Farbtupfern versehen. Von weiter weg leuchtet und schimmert das Wasser, abhängig vom Wetter, in verschiedenen Blau- und Türkistönen und bildet einen wunderbaren Kontrast zu den Farben des Waldes und des Himmels.

Die Quelle ist mit ihrer hohen Wasserqualität Heimat der seltenen Geburtshelferkröte. Der Name ist ein wenig irreführend, denn er meint nicht, dass die Kröte bei irgendeiner Geburt hilfreich ist, sondern dass die Krötenmännchen die Eischnüre nach der Befruchtung an ihren Hinterbeinen befestigen und solange mit sich herumtragen, bis die Kaulquappen reif zum Schlüpfen sind. Das ist in der Krötenwelt außergewöhnlich, denn üblicherweise legt ein Krötenweibchen ihre Eier im Wasser ab, wo das Männchen sie befruchtet und damit seine Arbeit getan hat. Danach treiben die Eierpakete im Wasser, bis die Kaulquappen schlüpfen. Ein Geburtshelferkröterich dagegen kann sogar mehrere Eierpakete verschiedener Paarungspartnerinnen mit sich herumtragen. Wenn man es also von dieser Seite betrachtet, hat sich der Geburtshelferkröterich diesen leicht euphorischen Namen voll und ganz verdient.

Eine Bank läd zu genußvoller Ruhe ein, begleitet von Wasserplätschern und Bäumerauschen, und wenn man etwas Glück hat, mischt sich unter das Waldkonzert der Paarungsruf der Geburtshelferkröte.

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Gartenkunst Geschichte Natur Thüringen

Weimars grünes Band – der Park an der Ilm

Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar, und bei einem Spaziergang können Sie dort nicht nur eine idyllische Wasser- und Parklandschaft, sondern auch außergewöhnliche Denkmale der bewegten und prachtvollen Geschichte Weimars erleben. In Nachbarschaft des Flusses reihen sich berühmte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Weimarer Stadtschloss oder das Tempelherrenhaus aneinander. Zwar nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, dafür umso schöner.

Am Weimaer Stadtschloss, der Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach, können Sie Ihren Spaziergang beginnen. Das Schloss wiederspiegelt heute überwiegend die Architektur und den Zeitgeist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Räume der Gemäldegalerie mit Meisterwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts und ein Großteil der Residenzgemächer werden derzeit umfassend renoviert, doch die vier Dichterzimmer, die Goethe, Schiller, Wieland und Herder gewidtmet sind, sowie die Schlosskapelle kann man mittlerweile bei geführten Touren wieder erleben.

Nur wenige Schritte weiter südlich liegt die Anna-Amalia-Bibliothek, die nicht nur eine Fürstenbibliothek mit literarischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf deutscher Literatur und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Das Prunkstück der Bibliothek, der Rokokosaal ist eine raffinierte architektonische Komposition aus einem elipsenförmigen Innenraum umgeben von einem viereckigen Außenraum. Die Wände zwischen beiden Räumen sind mit Bögen gestaltet, die entweder integrierte Buchregale aufweisen oder als Durchgänge dienen. Schaut man in die Höhe, dann wird das Gestatungskonzept auch im Obergeschoß sichtbar. Dort wird der Außenraum zu einer von fast schwebenden Säulen getragenen Galerie.

Umhüllt vom Grün des Parks geht es weiter zu den malerischen Ruinen des Tempelherrenhauses. Trotz des Namens und des gotischen Aussehens hat das Gebäude weder etwas mit den Templern noch mit dem Mittelalter zu tun, spannend ist seine Geschichte aber allemal. Ursprünglich ein Gewächshaus und ein Orangenhaus, Überbleibsel des Welschen Gartens der einst am Rand der Ilm lag, wurde das Gebäude 1786/87 zum Salon für den herzoglichen Hof umgebaut. Doch schon wenige Jahre später wurde der Salon notdürftig wieder als Gewächshaus eingerichtet, und ab 1811 wurden hier die Zitruspflanzen der Orangerie von Belvedere untergebracht, die durch deren Umbau ein Übergangszuhause brauchten. Wiederum zehn Jahre später wurde das Orangenhaus zum Sommerhaus für die herzogliche Familie umgestaltet.

Vier überlebensgroße Statuen von Tempelherren, die ab 1788 die Dachecken des Gebäudes verzierten, sind für den Namen verantwortlich. Wind und Wetter ausgesetzt, wurden die ursprünglich hölzernenStatuen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch steinerne ersetzt und in den Salon verbracht, den sie fortan schmückten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Tempelherrenhaus zur Ruine, doch seine malerische Anziehungskraft wuchs. Von Efeu umrankt, mit intakten Maßwerkfenstern und bekrönt von gotischen Mauerabschlüssen gibt es kaum ein Motiv im Park an der Ilm, das fotografierenswerter wäre. Die Tempelherren jedoch sucht man vergeblich. Nur eine Figur überstand die Zerstörung, verlor dabei allerdings ihren Kopf, und wer heute zumindest die hölzernen Originale sehen möchte, kann sie im Römischen Haus bewundern.

In die Unterwelt geht es, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Parkhöhle zu besuchen. Sie liegt vom Tempelherrenhaus noch nicht einmal 100 Meter entfernt und ist ein ursprünglich im 18. Jahrhundert als Bierlager angelegter Stollen. Nach und nach wurde er durch den Abbau von Sand und Kies zu einem weitverzweigten Tunnelsystem ausgeweitet, und so wie vor 300 Jahren Hofgesellschaften die Höhlen besonders an heißen Sommertagen zum Lustwandeln nutzten, können Sie heute das Höhlensystem besuchen. Dabei lassen sich an der Decke der Stollen die Versteinerungen fossiler Pflanzen und Wasserlebewesen entdecken, und an den Wänden führen die Sedimentschichten der Ilm über 400000 Jahre in die Vergangenheit.

Beim nur acht Gehminuten entfernten römischen Haus wurde Goethe zum Baumeister. Er nämlich leitete im Auftrag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach den Bau der Villa, und das mit solchem Erfolg, dass sie zur Lieblingsresidenz des Herzogs wurde. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Bauwerk um ein Gebäude im klassizistischen Stil. Goethe nahm sich Villen und Tempel der Römerzeit zum Vorbild, und so werden die Bögen des dem Fluß zugewandten Untergeschosses von dorischen Säulen getragen. Das Erdgeschoß dagegen ähnelt mit seiner von ionischen Säulen gestützten Portico einem antiken Tempeleingang.

Auf der Ostseite des Parks, wieder ein kleines bisschen zurück in nördliche Richtung liegt das Haus am Horn. Klar, ohne jede Schnörkel und Verzierungen sitzt das Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einer leichten Aufschüttung. Es wurde 1923 als Musterhaus der Bauhausausstellung errichtet, um Interessierten zu zeigen wie modernes Bauen und Wohnen aussehen sollte. Nicht nur außen wiederspiegelt das Haus die Einheit von Form und Funktionalität, sonder auch innen wurde dieses Konzept umgesetzt. Zwar sind viele der originalen Einrichtungsgegenstände, die eigens für die Bestückung des Hauses entworfen und gebaut wurden verlorengegangen, doch vermitteln Grundrisse auf dem Boden und Modelle wo einst ein Bild die Originalmöbel standen, Modelle und Originalstücke ein echtes Gefühl für die Athmosphäre die hier vor über 100 Jahren herrschte.

Den Abschluss bildet das dem Tempelherrenhaus fast genau gegenüberliegende Gartenhaus Goethes. Ursprünglich war es ein wohl aus dem 16. Jahrhundert stammendes Weinberghaus, das Herzog Carl August Goethe zum Geschenk machte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog Goethe 1776 ein und lebte dort sechs Jahre, bevor er in seine Residenz am Frauenplan umzog. Die Zimmer des Gartenhauses besitzen heute wieder die originale Farbgebung aus Goethes Zeiten und sind teils mit originalen Möbelstücken ausgestattet. Der terrassierte Garten der nach Goethes Vorstellungen angelegt wurde, ist in den letzten 250 Jahren gewachsen. Die Bäume hinter dem Haus wurden teils zu Goethes Zeiten gepflanzt und rahmen das Haus heute malerisch ein. Der Nutzgarten, der vor dem Haus lag, ist verschwunden, aber die Treppen und Wege die den Garten durchkreuzen sind noch die alten.

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Heiliges Land in Deutschland Kreuzzüge Mittelalter Thüringen

Ein Graf und zwei Frauen

Es war einmal ein Graf … So oder so ähnlich beginnt die Sage vom Grafen von Gleichen. Sie ist fester Bestandteil des Thüringer Sagenschatzes, aber erzählt wird nicht die übliche Geschichte von unerfüllter, geheimer oder tapferer Liebe, sondern recht glaubwürdig, wie ein Thüringer Adeliger mit Erlaubnis der katholischen Kirche in Polygamie lebte.

Kurz zusammengefasst lautet die Sage folgendermaßen: Graf Ernst von Gleichen brach zum Kreuzzug ins Heilige Land auf, und wurde dort gefangengenommen. In den Gärten des Sultans musste er fortan hart arbeiten, und dort fiel er der Sultanstochter Melechsala auf, die sich ob seiner edlen Gestalt in ihn verliebte. Sie bot dem Grafen an, ihm zur Flucht zu verhelfen, wenn er sie dafür ehelichen würde. Da der Graf schon verheiratet war, sträubte er sich gegen diesen Vorschlag, willigte jedoch ein, als Melechsala ihm vor Augen hielt, das dies die einzige Möglichkeit wäre, seine Familie wiederzusehen. Auf dem Weg nach Europa erwirkte der Graf in Rom die päpstliche Erlaubnis zur zweiten Ehe. Mit seiner neuen Ehefrau traf er schließlich nach langer Reise an der Burg Gleichen, dem Stammsitz des Adelsgeschlechtes, ein. Die Sultanstochter im Tal unter der Burg zurücklassend ritt er allein hinauf, um seiner Ehefrau gegenüberzutreten und ihr zu erklären, unter welchen Umständen es ihm möglich geworden war zurückzukehren. Glücklich darüber, ihren Mann heil an Leib und Seele wiederzubekommen, willigte seine Gemahlin in die Zweitehe ein und ritt mit dem Grafen ins Tal. Dort fielen sich die zwei Frauen in die Arme und lebten fortan in Harmonie und Freude.

Wahr oder nicht wahr? Fakt ist, dass im Erfurter Dom der Grabstein eines Grafen von Gleichen aufgestellt ist, der von zwei Frauen flankiert ist. Beide Frauen tragen einen Schleier, im Mittelalter ein deutliches Zeichen, dass sie verheiratet waren. Die Rechte der beiden trägt eine Krone und prächtige Kleidung, steht also deutlich ranghöher als die Linke, deren Haube und Gewänder etwas schlichter sind.

Doch welcher Graf von Gleichen liegt hier eigentlich? Manche sprechen von Erwin II., andere von seinen Söhnen Ernst III. oder Lambert II. oder gar dem Enkel Ernst IV.

Geht es nach der Sage, dann müsste es Graf Ernst III. sein, den nur er war alt genug, um an einem Kreuzzug teilzunehmen, bei dem die Kreuzfahrer relativ kurze Zeit nach Kreuzzugsbeginn durch ein Heer des Sultans vernichtend geschlagen wurden (der fünfte Kreuzzug 1217-1229). Und nur er lebte lange genug um nach einer Befreiung nach Hause zurückkehren zu können und dort ein langes Leben zu führen.

Doch die Sage entstand erst im 15./16. Jahrhundert, eben weil es unerklärlich war, dass ein Grabstein zwei Ehefrauen, aber nur einen Ehemann zeigt.

Die Moderne sieht das Ganze nüchterner, und nimmt an, dass der Grabstein zu Lambert II. gehört, und die Damen neben ihm seine erste und seine zweite Frau darstellen. Wohlgemerkt, die zweite (Sophie von Weimar-Orlamünde) hatte er erst nach dem Ableben der ersten (einer gewissen Ottilia) geehelicht. Wenn es denn so war, bleibt rätselhaft, warum der Graf beiden Frauen Platz auf seinem Grabstein zugestand.

Andere wiederum behaupten, dass die Grabplatte für Graf Erwin II. und seine Frau Adelheid von Orlamünde sowie ein nicht genauer zu identifizierendes Familienmitglied angefertigt worden sei. Doch wie soetwas üblicherweise aussieht kann man in der benachbarten Severikirche sehen. Dort sind auf der Grabplatte des Heiligen Severus der Heilige mit seiner Frau und der Tochter Innocentia abgebildet. Der entscheidende Unterschied, Severus Tochter ist eindeutig als unverheiratete Frau in der Obhut ihrer Familie dargestellt. Ihre Haare sind offen und fallen weit über die Schultern herab und anstelle eines Schleiers trägt sie ein Blumenband auf dem Haupt.

Etwas Licht ins Dunkel könnten wissenschaftliche Untersuchungen bringen. In den 1860er Jahren wurden von den drei Schädeln Gipsabdrücke gemacht, doppelt sogar, ein Satz für das Königlich Bayrische Nationalmuseum in München und einer für den Erfurter Geschichtsverein. Doch heute sind die Gipsabgüsse verschollen. In den Verzeichnissen der möglichen Museen tauchen sie nicht auf, und es könnte durchaus sein, das ein gar Geschichtsbeflissener sie seiner Privatsammlung einverleibt hat. Da Gegenstände an Wert verlieren, wenn ihre Geschichte vergessen wird, kann es sein, dass sie unerkannt in einer Abstellkammer verstauben.

Die Knochen des gräflichen Trios sind heute wieder zur Ruhe gebettet und somit jeder Untersuchung entzogen. Ein DNA-Test könnte zumindest zeigen, ob und in welchen Verwandtschaftsverhältnissen die Drei zueinander standen.

Und so bleibt uns heute nur die Phantasie. Sei es nun eine schöne Sultanstochter die einem gutaussehenden Adeligen die Ehe antrug oder ein romantischer Graf, der seine erste Liebe nie vergaß, warm ums Herz kann es einem dabei allemal werden.