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Das Heilige Grab in Gernrode

In Gernrode bei Quedlinburg geht es geruhsam zu. Die Altstadt ist klein und von Fachwerkhäusern durchzogen, doch inmitten der Bürgerhäuser erhebt sich der Bau eines der bedeutensten Denkmäler der Romanik, die Stiftskirche St. Cyriakus. Tatsächlich wurde der Bau der Kirche schon im 10. Jahrhundert von Markgraf Gerno begonnen und nach seinem Tode von seiner Schwiegertochter Hathui weitergeführt. In Ermangelung männlicher Erben wurde aus der Kirche und dem dazugehörigen Besitz ein Frauenstift. Hier wurden Mädchen aus adeligem Hause erzogen und in all dem gelehrt, was nötig war, um aus ihnen nicht nur gute Ehefrauen sondern auch begabte Diplomatinnen und kluge Herrscherinnen zu machen. Die Auflösung des Stiftes im 16. Jahrhundert führte zum allmählichen Verfall der Stiftsgebäude, die schließlich im 19. Jahrhundert größtenteils abgerissen wurden. Diesem Schicksal entging die Kirche, doch dort, wo einst Menschen zu Gott beteten, grunzte Vieh und wurden Kartoffeln und Getreide gelagert.

Dass die Kirche innen und außen heute wieder romanisch aussieht, hat sie einem Mann, nämlich Ferdinand von Quast zu verdanken. Der studierte nicht nur Architektur, sondern beschäftigte sich auch eingehend mit Baustilen vergangener Epochen, veröffentlichte dazu Bücher und wurde schließlich von König Friedrich Willhelm IV. von Preußen zum Konservator preußischer Denkmäler ernannt. 1858 wurde er mit der Renovierung der St. Cyriakus Kirche in Gernrode beauftragt. Einen Auftrag, den Quast sorgfältig ausführte. Er berücksichtigte die noch erhaltene ottonisch-romanische Bausubstanz und bezog Spuren baulicher Veränderungen im Mauerwerk ein, indem er Vermauertes öffnen und Abgetragenes wieder aufbauen ließ. Im Inneren der Kirche wich er zumindest bei der Ausgestaltung von Decke, Altarraum und Kuppeln vom Vorhandenen ab, denn die romanisch wirkende Bemalung, die man heute sieht, hat nichts mit der Originalsubstanz zu tun.

Quast holte die Vergangenheit der Kirche in die Neuzeit, doch heute würden Bauhistoriker nicht mehr so arbeiten. Es ist viel zu viel (wieder) intakt, zu glatt repariert und zu übermalt. Etwas in der Kirche lässt aber doch den Atem stocken, nicht nur wegen seiner offensichtlichen Altehrwürdigkeit, sondern auch wegen seiner Einmaligkeit.

Im Kirchenhauptraum befindet sich vorn rechts neben dem östlichen Altarraum ein, ein wenig verstecktes Gebäude. Tritt man näher heran, erkennt man einen reich verzierten Schrein. Auf seiner Westwand schreiten Löwen, Adler, Menschen, Fabelwesen durch Weinlaub und Ranken und umringen Maria Magdalena. Jesus und noch einmal Maria Magdalena sind auf der Nordwand dargestellt. Sie künden an, was sich in diesem Schrein befindet. Das Grab desjenigen, der sich für die Menschen opferte, auferstand und ihnen bis heute Erlösung verheißt.

Über 3000 Kilometer von der Grabeskirche in Jerusalem entfernt, befindet sich hier der älteste Nachbau des Heiligen Grabes nördlich der Alpen. Wohl um das Jahr 1100 errichtet, enthält es zwei Kammern. Die Vorkammer, die man von Osten her durch ein Portal betreten konnte, ist heute leer. In der Hauptkammer befindet sich auf der linken Seite ein Arkosolium, eine bogenförmige Nische, die heute leer ist. Gegenüber dem Eingang steht die Figur eines Bischofs, die als Christus in der Rolle des guten Hirten interpretiert wird. An der rechten Wand befindet sich ein Sockel, der nach Auffassung der Wissenschaftler den Sarkophag als XXX des Grabes Jesu trug. Immer noch wird der Sockel von zwei Engeln flankiert von denen der vordere ein Spruchband in der Hand hält, das von der Auferstehung Jesu kündigt. Auf dem Sockel steht heute eine Frauengruppe, die wohl die drei Marien darstellt.

Die meisten Figuren befinden sich heute nicht mehr an ihren ursprünglichen Plätzen, nur die Positionen des Grabessockels und der Engel, die ihn flankieren, sind unverändert.

Bei der Restaurierung des Schreines des Heiligen Grabes ging Quast mit äußerster Behutsamkeit vor. Die fast tausendjährigen Reliefs die den Schrein außen schmücken sowie die die Figuren in der Grabkammer sind nämlich nicht aus Stein gehauen, sondern in Stuck auf einen steinernen Untergrund modelliert. So mancher Hand fehlt ein Finger, so manchem Gewand ein Stück des Saums oder sogar ganze Falten. An der Nordwand sind zwei Figuren komplett abgetragen worden, nur die Umrisse sind noch zu erkennen.

Sowohl an den empfindlichen Reliefs, die die Außenwände des Schreines verzieren als auch im Inneren des Grabes zeigen Spuren von Bemalung in welch kräftigen Farben das Grab ursprünglich strahlte.

Es ist erstaunlich, wie ähnlich das Heilige Grab in Gernrode dem Heiligen Grab in der Jerusalemer Grabeskirche ist. Beide Gräber zeigen eine Unterteilung in Vorraum und eine dahinterliegende Grabkammer. In beiden Gräbern betritt man den Vorraum durch eine Tür in der Ostseite. In Gernrode ist dieser Osteingang heute zugemauert, und stattdessen wurde eine Tür in die Nordwand der Vorkammer gebrochen. In beiden Gräbern befindet sich auch der Eingang in die Grabkammer auf der Ostseite. In beiden Gräbern ist das Grab Jesu an der Nordwand der Grabkammer. Beide Gräber zeigen dort, wo Jesus einst lag eine erhöhte Steinplatte. In Gernrode mag es sein, dass sich darauf ein Sarkophag oder eine Art Bank befunden hat …

Zufall? Eher nicht. Bei Ausgrabungen in der Vorkammer des Heiligen Grabes in Gernrode entdeckte man an dessen Südseite eine Frauenbestattung. Grabbeigaben fehlten fast gänzlich, doch ihr mitgegeben war ein kleines Pilgerkreuz aus Karneol, das als Vorläufer des Jerusalemkreuzes interpretiert werden kann, also des Kreuzestypes, der im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge entstand und von dort von Pilgern mit zurück in die Heimat genommen wurde. Die Bestattete war demnach auf einer Pilgerreise in Palästina gewesen und hatte dort die heiligen Orte der Christenheit besucht. Sie könnte es gewesen sein, die den Erbauern des Heiligen Grabes in Gernrode berichtet hatte, wie das Jerusalemer Grab aussah. Vielleicht war sie eine Nonne des Stiftes oder eines der adeligen Mädchen, die dort unterrichtet wurden? Das werden wir wahrscheinlich nie genau wissen, jedoch den Beitrag zur Errichtung des Heiligen Grabes von Gernrode gestehen wir ihr gern zu.

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Geschichte Pfalz Religion Rheinebene

Speyrer Dom bei Nacht

Wann hat man den Speyerer Dom denn schon mal ganz für sich allein? Üblicherweise drängen sich Tausende von Besucher durch die Hauptkirche und die Krypta mit den Königsgräbern, und so richtig kann man die besondere Aura des Ortes dabei nicht aufnehmen. Doch wenn man den Dom Abends um Zehn zum Sommersonnenuntergang im Rahmen einer Nachtführung betritt, begegnet einem Stille, Dunkelheit und Magie.

Mit dem Bau des Domes wurde 1024 unter Kaiser Konrad II. begonnen, doch erst Kaiser Heinrich konnte ihn ein Vierteljahrhundert später einweihen. Im Laufe der letzten 1000 Jahre erfuhr der Dom einige Veränderungen und musste so manche Schicksalsschläge aushalten, den pfälzischen Erbfolgekrieg und die französische Revolution, denen die Westseite des Domes zum Opfer fiel.

Doch im Licht der Taschenlampe wirkt das heute schmucklose Kirchenschiff so grandios wie es sich die salischen Erbauer wohl vorgestellt haben müssen. Die Gurtbögen des Daches streben in die Höhe, und die Kreuzgewölbe des Mittelschiffes wirken endlos, als ob sie zum Himmel offen wären. Ganz so wie es gedacht war! Der Mensch sollte sich seiner geringen Größe bewusst werden, während seine Gedanken nach oben, zu Gott aufstiegen.

Details tauchen aus dem Schatten auf, und sind Hauptfiguren in einem ganz neuen Schauspiel. Die 2011 geweihte Orgel wirkt wie ein Schiff mit geblähten Segeln, und das Licht der Straßenlaternen reflektiert den Schatten der Kirchenfenster als Spitzenmuster an die Wände.

Unten in der Krypta herrscht Totenruhe. Kaum zu glauben, dass man sich in der Gegenwart der sterblichen Überreste so vieler Kaiser und Könige befindet, wie an keinem anderen Ort Europas. Es war Kaiser Konrad II., der den ausdrücklichen Wunsch äußerte, im Speyrer Dom begraben zu werden und nicht, wie sonst üblich, in derjenigen Kaiserpfalz, in der er sich zur Zeit seines Sterbens aufhielt. Damit begründetet er die Tradition der herrscherlichen Gablegung, und heute ruhen in der Krypta des Domes acht Kaiser und Könige aus den Dynastien der Salier, Staufer und Habsburger.

Besonders berührend ist das Porträt Rudolf von Habsburgs, das im späten 13. Jahrhundert geschaffen wurde und als erstes wirklichkeitsgetreues Abbild eines mittelalterlichen Kaisers gilt. Nichts ist glorifiziert oder geschönt, sondern das Gesicht zeigt deutlich die Spuren des Alterns. Die Augenlider hängen. Auf der Stirn, um den Mund und um die Augen haben sich tiefe Falten gegraben.

Den Eingang in die Königsgruft bewachen zwei romanische Löwen. Zwar sind es nur Repliken, doch der Linke von beiden ist ganz besonders, denn in seinem Maul schläft friedlich, die Hand unter die Wange gelegt, ein Mann.

Gegenüber, in der Chorkrypta taucht das fast tausendjährige Taufbecken aus der Dunkelheit auf. Vierpassig und mit metallenen Klammern zusammengehalten, zeigt seine Größe deutlich, dass es dazu diente, auch Erwachsene zu taufen.

Stück für Stück wird der Dom beleuchtet und nach und nach enthüllt sich seine Geschichte, nicht in Pomp und Prunk, sondern im Detail.

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Architektur Religion Thüringen

Der Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda

Das Kloster Volkenroda in der Nähre des thüringischen Mühlhausen brauchte einen modernen Kirchenbau, doch die finanziellen Mittel fehlten. Daraus entstand die Idee eines Christuspavillons. Als Beitrag der Kirchen zur EXPO 2000 sollte er in Hannover ausgestellt werden, mit dem Ziel ihn nach Ende der Weltausstellung in Volkenroda aufzubauen. Tatsächlich wurde dass, was als Spiel mit den Möglichkeiten begann, in die Tat umgesetzt. Nach Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan wurde der Pavillon 2000 in Hannover aufgebaut und nach Ende der EXPO nach Volkenroda umgesetzt.

Heute steht der Pavillon im Zentrum des Klosterlebens. Formen und Farben, Licht und Schatten und mehr noch Transparenz und Transluzenz bestimmen das quadratische Gebäude, das in Kreuzgang und Christusraum unterteilt ist. Die doppelschaligen Außenwände aus Glas sind mit Gegenständen aus allen Bereichen des Alltags gefüllt: Holzscheiben, Glühbirnen, Strohblumen, Kassetten, Tannenzapfen, Plastikschläuche … Durch die verschiedenen Texturen, Anordnungen und Durchlässigkeiten ergeben sich unendliche Kompositionen aus Licht und Schatten, und man erkennt, welche Schönheit selbst die gewöhnlichsten Dinge in sich tragen, wenn man ihnen den richtigen Platz zukommen lässt. Der Altarraum des Christusraumes dagegen ist von weichem, fast milchigem Licht erfüllt. Grund dafür sind die mit dünnen Marmorscheiben verkleideten Fenster und die hohen Oberlichter, die den Raum in eine gewisse Zeitlosigkeit versetzen. Genau der richtige Ort, um abzuschalten und sich für ein paar Momente vom allzu Irdischen zu lösen.

Im Übergang von Hauptraum zum Kreuzgang findet man neun quadratische Kammern, in denen der Künstler Andreas Felger Themen wie “Herrlichkeit”, “Trinität”, “Licht” oder “Wasser” interpretierte. Das Ergebnis sind intensive und berührende Farbfeldmalereien, die den Eintretenden umfangen und dazu einladen daüber nachzudenken, welchen Bedeutung diese Werte für ihn selbst haben.

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Geschichte Religion Rheinebene

Kloster Lorsch

Das Kloster Lorsch in der Nähe von Heppenheim blickt auf eine wahrlich lange Geschichte zurück. Im Jahre 764 wurde es gegründet und wenig später unter den Schutz Karl des Großen gestellt. Nicht nur das, höchstpersönlich wohnte der König der Weihe der Nazariusbasilika bei. Im Laufe seiner Geschichte häufte das Kloster unvorstellbaren Reichtum an, sowohl materiellen, als auch geistigen. Die Besitzungen des Klosters reichten von der Nordseenküste bis in die heutige Schweiz. Das älteste Arzneibuch wurde im Kloster Lorsch verfasst, und heute sind die Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek auf fast 100 Bibliotheken verteilt.

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsten spanische Soldaten das, was vom einstmals prächtigen Kloster übriggeblieben war, und für Jahrhunderte dienten die Ruinen den umliegenden Orten als Steinbruch.

Was man sonst in Klöstern antrifft, egal, ob sie nun zerstört oder anders genutzt wurden, nämlich eine komplexe Anlage mit einer Vielzahl ineinander verschachtelter Gebäude, findet man im Kloster Lorsch nicht. Stattdessen erwartet den Besucher ein ausgedehntes, auffällig erhabenes Areal auf dem zwei, dafür umso beeindruckendere Gebäude(reste) der frühen Klostergeschichte stehen: die Königshalle und die Nazarius-Basilika.

Die Königshalle begrüßt den Besucher am Eingang ins Klostergelände. Selbst als Laie erkennt man, dass dieses einem Triumphbogen ähnliche Gebäude uralt sein muss. Keine Romanik und keine Gotik, stattdessen ein Hauch Mittelmeer und eine Prise Römisches Reich. Die Fassade über den drei Rundbögen ist mit geometrischem, weiß-roten Steinmuster verziert. Faszinierenderweise ist sie genauso original, wie die beiden Treppentürme rechts und links. Später dazugekommen ist das hochgezogene Giebeldach und das Glockentürmchen. Auch im Inneren ist die Königshalle spektakulär, denn im Raum über den Bögen haben Fresken Neuputz und Übermalungen überstanden. Die auffälligsten Wandmalereien an den Stirnseiten mit Engeln und Heiligen datieren in die Zeit der Dachneukonstruktion im 14. Jahrhundert. Die eher unscheinbare Inschrift an der Ostwand neben dem Fenster dagegen datiert in die Erbauungszeit der Königshalle, ins späte 9. Jahrhundert.

Den Namen “Königshalle” trägt das Gebäude wohl zu Recht, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wurden hier die Herrscher mit einem ausgedehnten Zeremoniell, das Segnung und Begrüßung vereinte, im Kloster empfangen.

Schon durch die Bögen der Königshalle hindurch erblickt man die Reste der Nazarius-Basilika. Dieses Kirchenfragment stammt aus verschiedenen Jahrhunderten und ist eigentlich kein Teil der ehemaligen Hauptkirche des Klosters gewesen. Ursprünglich standen westlich der Hauptkirche zwei Türme, die durch einen Mittelbau miteinander verbunden wurden. Später wurde Türme und Mittelbau durch eine Vorkirche an die Hauptkirche angeschlossen. Im 14. Jahrhundert riss man die Türme samt Mittelbau ab, und machte die innere Ostwand des Türme-Mittelbau-Ensembles zur Westfassade. Die mächtige Ruine zeigt heute auf ihrer Westseite (der Königshalle zugewandten Seite) die ehemalige Ostwand des Türme-Mittelbau-Komplexes des 11. Jahrhunderts mit Eingangsportal und Maßwerkfenster des 14. Jahrhunderts. Nord- und Südfassade sitzen auf den Bögen der Vorkirche die im 12. Jahrhundert angebaut wurde und die Ostseite schließlich ist eine weiße Wand, ein unbeschriebenes Blatt, denn von der einstigen Hauptkirche die sich dahinter ersteckte, ist nur der Grundriss als Markierung im Boden zu sehen.

Die Umfassungsmauer des Klosters lohnt es zu umlaufen, schließlich ist sie mit 500 Metern Länge und drei bis vier Metern Höhe das größte erhaltene Baudenkmal des Klosters. Bei einem Spaziergang kann man immer wieder sensantionelle Anblicke des höhergelegenen Klostergeländes aufnehmen.

Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung in der Zehntscheuer. Selten wird Baugeschichte so spannend präsentiert. Der Hauptdarsteller ist ein im 18. Jahrhundert gebauter Brunnen. Was ihn so besonders macht ist die Tatsache, dass in seinem oberen Teil unzählige Spolien (Architekturteile in Zweitfunktion) verbaut wurden. Was also wie eine gewöhnliche Brunnenwand aussieht, ist in Wirklichkeit in Zeugniss des Werdens und Vergehens des Klosters. Nicht nur Säulenkapitelle, Stücke von Pfeilern, Rippenbögen und Maßwerk konnten geborgen werden, sondern es wurden auch ca. 100 Bruchstücke gefunden, die sich, oh Wunder, zu einem fast vollständigen Pultträger in Form eines auf Tieren stehenden Diakons zusammensetzen ließen. Einzig der Kopf und die Hände fehlten. Und hier ist die Lorscher Bevölkerung gefragt, denn vielleicht dienen diese, heute eher unscheinbar wirkenden Steinfragmente irgendwo als Türstopper, Gewichte oder Ablage.

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Geschichte Kultur Religion Thüringen

Kloster Volkenroda – modern und alt im Dienste Gottes

Während viele Klöster längst verfallen sind oder im Dornröschenschlaf versinken, blüht das Kloster Volkenroda ca. 15 Kilometer nordöstlich von Mühlhausen in Thüringen auf. Grund dafür ist die engagierte Gemeinde der Jesus-Bruderschaft, die für den Erhalt des Klosters lebt, arbeitet und betet. Damit wurden ab 1994 die Fundamente für das weltliche und spirituelle Gedeihen des Klosters gelegt.

Doch bis es soweit war traf das Kloster ein ähnliches Schicksal wie viele andere Klosteranlagen. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zisterzienserkloster gegründet, wurde das Kloster 1525 im Bauernkrieg durch aufständische Mühlhäuser Bauern schwer beschädigt. Kurz danach wurde das Kloster aufgelöst und das Gelände nebst Gebäuden verpachtet. Der Dreißigjährige Krieg schlug weitere Wunden an der Bausubstanz, und was von den Gebäuden noch stand, verfiel allmählich.

Heute vereint das Kloster alt und neu auf harmonische und zugleich atemberaubende Weise. Zwar stehen von der alten Klosterkirche nur noch Querhaus und Chor, doch die Ruine wurde bewusst nicht vollständig wieder aufgebaut und stattdessen mit neuen Gebäudetrakten verschmolzen. Der mittelalterliche Jesus auf dem Altar der Kirche scheint am Kreuz zu schweben, ohne Arme und der oberen Hälfte seines Kopfes beraubt, gebrochen und trotz allem Quelle der Hoffnung. In all seiner Zerstörung wird er immer wieder und umso mehr zur Bezugsperson all derer, denen das Leben Wunden geschlagen hat. Am neuen Konventgebäude neben der Kirche wurden moderner Stahl und Glas gekonnt mit mittelalterlichem Mauerwerk verwoben und schaffen interessante Kontraste zwischen leichten, geradlinigen Formen und der Schwere frühgothischer Rundungen. Der Kreuzgang ist verschwunden, doch ein quadratisches Wasserbecken markiert den Ort, wo einst Mönche Erholung suchten.

Die Lebendigkeit des Klosterkomplexes wird nicht nur im Äußerlichen deutlich. Das Kloster bietet Seminare und Workshops an und ist Ort von Tagungen und Märkten. Von Bierbrauen über Fastenwochen und Konzerte bis hin zu Schulbauernhof, das Kloster offenbart eine scheinbar unerschöpfliche Vielfalt. Ob allein, mit der Familie oder in der Gruppe, jedem kann nach seinen Wünschen am spirituellen Leben des Klosters teilhaben, dem Alltag entfliehen und in die Gemeinschaft eintauchen.

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Kultur Natur Odenwald Religion

Buddhas Weg – Retreat im Odenwald

Im Odenwald gibt es schroffe Schluchten, Berge, Burgen, natürlich unendlich viele Bäume und … “Buddhas Weg“. Buddhas Weg ist ein buddhistisches Kloster im Wald-Michelbacher Stadtteil Siedelsbrunn. Einst eine Entzugsklinik für Alkoholkranke ist das Kloster auch heute ein Ort der Heilung, genauer gesagt der Selbstheilung. Eine Vielzahl von Seminaren und Workshops lehren die Teilnehmer Körper und Seele zur Ruhe und in Einklang zu bringen.

Schon allein der Weg zum dem Kloster angegliederten Gästehaus stimmt darauf ein. Ein sorgsam angelegter Garten, in dem wilde und kultivierte Pflanzen gedeihen können, Büsche und Bäume Schatten und Blütenpracht spenden, wo Buddhastatuen und Engelsfiguren gleichermaßen Platz finden, umgibt die Anlage. Das Gästehaus bietet Zimmer in einfacher und gehobenerer Ausstattung und besitzt Seminarräume in denen man unter professioneller Anleitung seine Mitte finden kann. Für das leibliche Wohl sorgt ein Teehaus im ehemaligen Schwimmbad der Klinik, in dessen Teich Zierkarpfen schwimmen und Wasserpflanzen gedeihen. Und damit nicht genug, gibt es unzählige Teesorten und köstliche, selbstgebackene Kuchen auch in veganen Versionen.

Allein zur Ruhe kommen kann man auch außerhalb des Klosters, wo unzählige Wanderwege und Pfade zu Spaziergängen durch die Waldesstille einladen.

Im Kloster selbst geht es international zu. Die Nonnen und Mönche der Klostergemeinschaft kommen aus Vietnam, Thailand oder Korea und praktizieren unterschiedliche Traditionen des Buddhismus wie Mahayana oder Theravada.

Die Gäste können wählen, ob sie tiefer ins Klosterleben und den Tagesablauf der Klostergemeinschaft eintauchen möchten oder “nur“ an den Kursen und Veranstaltungen teilnehmen möchten. Bei beiden Möglichkeiten steht die Integrierung buddhistischer Lehren in den Alltag im Vordergrund, das heißt, sich allem zu öffnen, Klarheit über den eigenen Geist zu finden, Verantwortung zu übernehmen, seine eigene Entwicklung zu gestalten und so ausgerüstet achtsam im alltäglichen Leben zu agieren.