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Speyrer Dom bei Nacht

Wann hat man den Speyerer Dom denn schon mal ganz für sich allein? Üblicherweise drängen sich Tausende von Besucher durch die Hauptkirche und die Krypta mit den Königsgräbern, und so richtig kann man die besondere Aura des Ortes dabei nicht aufnehmen. Doch wenn man den Dom Abends um Zehn zum Sommersonnenuntergang im Rahmen einer Nachtführung betritt, begegnet einem Stille, Dunkelheit und Magie.

Mit dem Bau des Domes wurde 1024 unter Kaiser Konrad II. begonnen, doch erst Kaiser Heinrich konnte ihn ein Vierteljahrhundert später einweihen. Im Laufe der letzten 1000 Jahre erfuhr der Dom einige Veränderungen und musste so manche Schicksalsschläge aushalten, den pfälzischen Erbfolgekrieg und die französische Revolution, denen die Westseite des Domes zum Opfer fiel.

Doch im Licht der Taschenlampe wirkt das heute schmucklose Kirchenschiff so grandios wie es sich die salischen Erbauer wohl vorgestellt haben müssen. Die Gurtbögen des Daches streben in die Höhe, und die Kreuzgewölbe des Mittelschiffes wirken endlos, als ob sie zum Himmel offen wären. Ganz so wie es gedacht war! Der Mensch sollte sich seiner geringen Größe bewusst werden, während seine Gedanken nach oben, zu Gott aufstiegen.

Details tauchen aus dem Schatten auf, und sind Hauptfiguren in einem ganz neuen Schauspiel. Die 2011 geweihte Orgel wirkt wie ein Schiff mit geblähten Segeln, und das Licht der Straßenlaternen reflektiert den Schatten der Kirchenfenster als Spitzenmuster an die Wände.

Unten in der Krypta herrscht Totenruhe. Kaum zu glauben, dass man sich in der Gegenwart der sterblichen Überreste so vieler Kaiser und Könige befindet, wie an keinem anderen Ort Europas. Es war Kaiser Konrad II., der den ausdrücklichen Wunsch äußerte, im Speyrer Dom begraben zu werden und nicht, wie sonst üblich, in derjenigen Kaiserpfalz, in der er sich zur Zeit seines Sterbens aufhielt. Damit begründetet er die Tradition der herrscherlichen Gablegung, und heute ruhen in der Krypta des Domes acht Kaiser und Könige aus den Dynastien der Salier, Staufer und Habsburger.

Besonders berührend ist das Porträt Rudolf von Habsburgs, das im späten 13. Jahrhundert geschaffen wurde und als erstes wirklichkeitsgetreues Abbild eines mittelalterlichen Kaisers gilt. Nichts ist glorifiziert oder geschönt, sondern das Gesicht zeigt deutlich die Spuren des Alterns. Die Augenlider hängen. Auf der Stirn, um den Mund und um die Augen haben sich tiefe Falten gegraben.

Den Eingang in die Königsgruft bewachen zwei romanische Löwen. Zwar sind es nur Repliken, doch der Linke von beiden ist ganz besonders, denn in seinem Maul schläft friedlich, die Hand unter die Wange gelegt, ein Mann.

Gegenüber, in der Chorkrypta taucht das fast tausendjährige Taufbecken aus der Dunkelheit auf. Vierpassig und mit metallenen Klammern zusammengehalten, zeigt seine Größe deutlich, dass es dazu diente, auch Erwachsene zu taufen.

Stück für Stück wird der Dom beleuchtet und nach und nach enthüllt sich seine Geschichte, nicht in Pomp und Prunk, sondern im Detail.

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Kloster Lorsch

Das Kloster Lorsch in der Nähe von Heppenheim blickt auf eine wahrlich lange Geschichte zurück. Im Jahre 764 wurde es gegründet und wenig später unter den Schutz Karl des Großen gestellt. Nicht nur das, höchstpersönlich wohnte der König der Weihe der Nazariusbasilika bei. Im Laufe seiner Geschichte häufte das Kloster unvorstellbaren Reichtum an, sowohl materiellen, als auch geistigen. Die Besitzungen des Klosters reichten von der Nordseenküste bis in die heutige Schweiz. Das älteste Arzneibuch wurde im Kloster Lorsch verfasst, und heute sind die Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek auf fast 100 Bibliotheken verteilt.

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsten spanische Soldaten das, was vom einstmals prächtigen Kloster übriggeblieben war, und für Jahrhunderte dienten die Ruinen den umliegenden Orten als Steinbruch.

Was man sonst in Klöstern antrifft, egal, ob sie nun zerstört oder anders genutzt wurden, nämlich eine komplexe Anlage mit einer Vielzahl ineinander verschachtelter Gebäude, findet man im Kloster Lorsch nicht. Stattdessen erwartet den Besucher ein ausgedehntes, auffällig erhabenes Areal auf dem zwei, dafür umso beeindruckendere Gebäude(reste) der frühen Klostergeschichte stehen: die Königshalle und die Nazarius-Basilika.

Die Königshalle begrüßt den Besucher am Eingang ins Klostergelände. Selbst als Laie erkennt man, dass dieses einem Triumphbogen ähnliche Gebäude uralt sein muss. Keine Romanik und keine Gotik, stattdessen ein Hauch Mittelmeer und eine Prise Römisches Reich. Die Fassade über den drei Rundbögen ist mit geometrischem, weiß-roten Steinmuster verziert. Faszinierenderweise ist sie genauso original, wie die beiden Treppentürme rechts und links. Später dazugekommen ist das hochgezogene Giebeldach und das Glockentürmchen. Auch im Inneren ist die Königshalle spektakulär, denn im Raum über den Bögen haben Fresken Neuputz und Übermalungen überstanden. Die auffälligsten Wandmalereien an den Stirnseiten mit Engeln und Heiligen datieren in die Zeit der Dachneukonstruktion im 14. Jahrhundert. Die eher unscheinbare Inschrift an der Ostwand neben dem Fenster dagegen datiert in die Erbauungszeit der Königshalle, ins späte 9. Jahrhundert.

Den Namen “Königshalle” trägt das Gebäude wohl zu Recht, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wurden hier die Herrscher mit einem ausgedehnten Zeremoniell, das Segnung und Begrüßung vereinte, im Kloster empfangen.

Schon durch die Bögen der Königshalle hindurch erblickt man die Reste der Nazarius-Basilika. Dieses Kirchenfragment stammt aus verschiedenen Jahrhunderten und ist eigentlich kein Teil der ehemaligen Hauptkirche des Klosters gewesen. Ursprünglich standen westlich der Hauptkirche zwei Türme, die durch einen Mittelbau miteinander verbunden wurden. Später wurde Türme und Mittelbau durch eine Vorkirche an die Hauptkirche angeschlossen. Im 14. Jahrhundert riss man die Türme samt Mittelbau ab, und machte die innere Ostwand des Türme-Mittelbau-Ensembles zur Westfassade. Die mächtige Ruine zeigt heute auf ihrer Westseite (der Königshalle zugewandten Seite) die ehemalige Ostwand des Türme-Mittelbau-Komplexes des 11. Jahrhunderts mit Eingangsportal und Maßwerkfenster des 14. Jahrhunderts. Nord- und Südfassade sitzen auf den Bögen der Vorkirche die im 12. Jahrhundert angebaut wurde und die Ostseite schließlich ist eine weiße Wand, ein unbeschriebenes Blatt, denn von der einstigen Hauptkirche die sich dahinter ersteckte, ist nur der Grundriss als Markierung im Boden zu sehen.

Die Umfassungsmauer des Klosters lohnt es zu umlaufen, schließlich ist sie mit 500 Metern Länge und drei bis vier Metern Höhe das größte erhaltene Baudenkmal des Klosters. Bei einem Spaziergang kann man immer wieder sensantionelle Anblicke des höhergelegenen Klostergeländes aufnehmen.

Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung in der Zehntscheuer. Selten wird Baugeschichte so spannend präsentiert. Der Hauptdarsteller ist ein im 18. Jahrhundert gebauter Brunnen. Was ihn so besonders macht ist die Tatsache, dass in seinem oberen Teil unzählige Spolien (Architekturteile in Zweitfunktion) verbaut wurden. Was also wie eine gewöhnliche Brunnenwand aussieht, ist in Wirklichkeit in Zeugniss des Werdens und Vergehens des Klosters. Nicht nur Säulenkapitelle, Stücke von Pfeilern, Rippenbögen und Maßwerk konnten geborgen werden, sondern es wurden auch ca. 100 Bruchstücke gefunden, die sich, oh Wunder, zu einem fast vollständigen Pultträger in Form eines auf Tieren stehenden Diakons zusammensetzen ließen. Einzig der Kopf und die Hände fehlten. Und hier ist die Lorscher Bevölkerung gefragt, denn vielleicht dienen diese, heute eher unscheinbar wirkenden Steinfragmente irgendwo als Türstopper, Gewichte oder Ablage.

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Das Heidelberger Neckarufer – ungestörte Romantik

Heidelberg ist der Inbegriff deutscher Romantik, doch das romantische Gefühl kommt oft nicht so richtig auf, denn meist muß man sich mit unzähligen Touristen Anblicke und Eindrücke teilen. Natürlich sollten Sie das Schloß, die Altstadt mit Kornmarkt und Marktplatz besuchen, aber um ungestört genießen zu können, bietet sich ein Spaziergang entlang des Neckars an.

Entweder direkt am Ufer oder etwas weiter oben am Heiligenberg laden Pfade dazu ein, Heidelbergs Romantik aus der Ferne und trotzdem nah, und vor allem ungestört zu bewundern. An den Routen warten lauschige Gassen, malerische Kaffeeoasen, das Plätschern des Wassers, das Rauschen der Bäume und immer wieder traumhafte Ausblicke auf Altstadt und Schloß.

Los geht es an der Ernst-Walz-Brücke, wo Sie vielleicht schon ihren ersten Kaffee mit Neckarblick genießen können und zwar direkt am Ufer. Dort bietet ein kleiner Foodtruck vorzügliche Kaffeevarianten an. Und auch das Heidelberger Schloss ist schon im Hinergrund zu sehen.

Entlang der Neckarwiese tummeln sich je nach Wetter Enten oder Sonnenhungrige, und im Hintergrund reihen sich an der Straße die hundertjährigen Villen Neuenheims. Es lohnt sich, einen kleinen Abstecher hinein auf den Neuenheimer Markplatz zu machen. Dort erwartet Sie im Schatten von Bäumen und der Johanneskirche nicht nur das Cafe Bairro mit süßen und herzhaften Frühstücken, sondern auch am richtigen Tag (Samstag) der Bauernmarkt.

Nach der Theodor-Heuss-Brücke geht es den Philosophenweg hinauf, und es wird subtropisch. Die Altstadt mit Marstallhof, Schloß und Heiliggeistkirche zeigt sich in immer wechselnden Kombinationen und jeder Anblick ist schöner als der vorherige.

Anstatt den Schlangenpfad zur Alten Brücke hinunterzusteigen, geht es jetzt weiter durch den Wald. Auf diesem Wegabschnitt ist man fast allein. Die Altstadt rückt ein wenig in die Ferne, aber so kann man die Stadt in ihrer ganzen Pracht aufnehmen. Und auch die gewaltige Ruine des Schloßes wirkt mächtiger als zuvor.

Die Bäume werden höher, der Pfad schlängelt sich um kleine Bergeinschnitte herum und unten im Tal blinkt immer wieder, mal gerade und mal gewunden, der Neckar auf.

Der Wald öffnet sich und geht in Streuobstwiesen über, inmitten derer das Benediktinerkloster Stift Neuenburg liegt. Dort ist die Wanderung zu Ende. Das Kloster läd nicht nur zum Ausruhen, sondern auch zum Genuß ein. Die weitläufige Anlage besitzt neben Konventsgebäuden, Gartenanlagen und Kirche auch eine Bierbrauerei und den “Gasthof zum Klostergarten”. Dort zum Beispiel können Sie bei deutscher Hausmannskost und nebenan gebrautem Bier die Wanderung ausklingen lassen.