Bad Langensalza ist einen Besuch wert. Die Fassaden entlang der romantischen Altstadtgassen sind krumm und schief. Manchmal hinter Putz versteckt, manchmal aufwendig restauriert bildet jahrhundertealtes Fachwerk mit unterschiedlichen Balkenmustern eine bezaubernde Stadtkulisse. Dazwischen die spätgotischen Kirchen St. Bonifazius und St. Stefan mit ihren hohen Türmen sowie grandiose Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Bad LangensalzaBad LangensalzaBad Langensalza
Die Burg in der Stadt dagegen könnte man fast übersehen. Am Rande eines Parkplatzes steht sie und sieht eher aus wie eine etwas trutziger geratene Residenz eines gut betuchten Stadtbürgers. Es handelt sich um das Schloß Dryburg. Der älteste Teil der Anlage ist der Westflügel, doch komplett hellblau verputzt sieht man ihm weder sein wahres Alter noch die vielen Umbauten auf den ersten Blick an. Die Fassade wirkt einheitlich und die viereckigen Fenster durch die farblichen Absetzungen genormt. Aber der Eindruck täuscht. Es gibt ein Doppelfenster, schmalere Fenster, höhere Fenster und ganz kleine Fenster, und die Abstände zwischen ihnen sind alles andere als regelmäßig. Soetwas passiert meist dann, wenn altes Gemäuer „aufbereitet“ wird. Dabei diktieren ältere Trennwände oder Treppenhäuser die Größe und Positionen der neueren Fenster. Und tatsächlich, unter der Tünche zeichnen sich die Steine ab, und man kann erkennen, dass die Ecken des Gebäudes mit sorgfältig bearbeiteten, extra großen Steinblöcken gesetzt sind. Auch inmitten der Fassade findet sich eine senkrechte Fuge, entlang der sich dieselbe Mauertechnik findet. Also wurde an einen älteren Gebäudeteil etwas angebaut. Dazu zeigt eine waagerechte holperige Steinlinie an, dass zumindest Stücke des oberen Gebäudes auf einen älteren Teil aufgesetzt wurden …
Westfassade Schloß Dryburg Bad Langensalza Nord-Ost-Ecke Schloß Dryburg Bad Langensalza Westfassade Schloß Dryburg Bad Langensalza
Ich mache mir all die Mühe, um dass Gebäude so alt zu machen, wie ich es brauche. Nämlich mindestens 855 Jahre. Aber dafür muss ich ein klein wenig ausholen:
1191 eroberten die Kreuzfahrer unter Führung des englischen Königs Richard Löwenherz und des französischen Königs Phillip II. die Stadt Akko von Sultan Saladin. Erst 1187 hatte Saladin die Stadt in muslimischen Besitz gebracht, doch schon 1189 zog ein Kreuzfahrerheer vor Akko und versuchte die Stadt einzunehmen. Während der langen Belagerung Akkos gründeten norddeutsche Kreuzfahrer ein Feldlazarett, das nur wenige Jahre später 1198 zum dritten Ritterorden wurde, dem Deutschen Ritterorden. Die zuvor gegründeten Templer und Johanniter hatten schon große Machtbereiche des Heiligen Landes unter sich aufgeteilt, und der Deutsche Orden musste hart kämpfen um Besitz und Privilegien zu erwerben. Viele dieser Vergünstigungen hat der Orden der politischen Umtriebigkeit und wirtschaftlichen Tüchtigkeit eines einzigen Mannes, nämlich Hermann von Salza, zu verdanken. Er war von 1210 bis 1239 vierter Hochmeister des Deutschen Ordes und in dieser Zeit unablässig darum bemüht Macht und Einfluss des Ordens zu vergrößern. Dank ihm wurde der Orden mit den Templern und Johannitern gleichgestellt, und Dank ihm schenkte Kaiser Friedrich II. dem Orden Preußen …
Hafen von Akko/IsraelRefektorium des Johanniterkomplexes Akko/IsraelInnenhof des Johanniterkomplexes in Akko/Israel
Und wie passt das jetzt alles zu Schloss Dryburg und seiner buckeligen Fassade? Genau in diesem Gebäude wurde gegen 1170 vermutlich Hermann von Salza geboren. Urkundlich wird das Schloß um 1200, noch zu Lebzeiten von Herman von Salza, aber fast 40 Jahre nach seiner Geburt, als Sitz der Herren von Salza erwähnt. An ein solch beträchtliches Alter kommt zumindest die heutige Fassade des Schlosses nicht heran. Aber in seinem Inneren verbergen sich neben gotischen Spuren auch Reste eines romanischen Kellers und eines spätromanischen Wohnturms. Überreste von Gebäuden also, die Hermann von Salza gekannt haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Vorgängerbau von Schloß Dryburg geboren wurde, ist hoch, gestorben jedoch ist er ganz woanders. Seine Ambitionen führten ihn in den Mittelmeerraum, unter anderem nach Italien und ins Heilige Land, und Thüringen besuchte er nur noch ganze vier Mal. 1239 starb er in dem Land, das er zu seiner Wahlheimat gemacht hatte, Italien.
Westfassade des Speyrer DomsTrotz Baugerüst schön, der Speyrer Dom
Wann hat man den Speyerer Dom denn schon mal ganz für sich allein? Üblicherweise drängen sich Tausende von Besucher durch die Hauptkirche und die Krypta mit den Königsgräbern, und so richtig kann man die besondere Aura des Ortes dabei nicht aufnehmen. Doch wenn man den Dom Abends um Zehn zum Sommersonnenuntergang im Rahmen einer Nachtführung betritt, begegnet einem Stille, Dunkelheit und Magie.
Mit dem Bau des Domes wurde 1024 unter Kaiser Konrad II. begonnen, doch erst Kaiser Heinrich konnte ihn ein Vierteljahrhundert später einweihen. Im Laufe der letzten 1000 Jahre erfuhr der Dom einige Veränderungen und musste so manche Schicksalsschläge aushalten, den pfälzischen Erbfolgekrieg und die französische Revolution, denen die Westseite des Domes zum Opfer fiel.
Doch im Licht der Taschenlampe wirkt das heute schmucklose Kirchenschiff so grandios wie es sich die salischen Erbauer wohl vorgestellt haben müssen. Die Gurtbögen des Daches streben in die Höhe, und die Kreuzgewölbe des Mittelschiffes wirken endlos, als ob sie zum Himmel offen wären. Ganz so wie es gedacht war! Der Mensch sollte sich seiner geringen Größe bewusst werden, während seine Gedanken nach oben, zu Gott aufstiegen.
Mittelschiff mit Orgelim Speyrer DomSeitenschiff
Details tauchen aus dem Schatten auf, und sind Hauptfiguren in einem ganz neuen Schauspiel. Die 2011 geweihte Orgel wirkt wie ein Schiff mit geblähten Segeln, und das Licht der Straßenlaternen reflektiert den Schatten der Kirchenfenster als Spitzenmuster an die Wände.
romanisches Taufbecken in der ChorkryptaZentralkryptaBildnis Rudolf von Habsburg in der Vorkrypta
Unten in der Krypta herrscht Totenruhe. Kaum zu glauben, dass man sich in der Gegenwart der sterblichen Überreste so vieler Kaiser und Könige befindet, wie an keinem anderen Ort Europas. Es war Kaiser Konrad II., der den ausdrücklichen Wunsch äußerte, im Speyrer Dom begraben zu werden und nicht, wie sonst üblich, in derjenigen Kaiserpfalz, in der er sich zur Zeit seines Sterbens aufhielt. Damit begründetet er die Tradition der herrscherlichen Gablegung, und heute ruhen in der Krypta des Domes acht Kaiser und Könige aus den Dynastien der Salier, Staufer und Habsburger.
Besonders berührend ist das Porträt Rudolf von Habsburgs, das im späten 13. Jahrhundert geschaffen wurde und als erstes wirklichkeitsgetreues Abbild eines mittelalterlichen Kaisers gilt. Nichts ist glorifiziert oder geschönt, sondern das Gesicht zeigt deutlich die Spuren des Alterns. Die Augenlider hängen. Auf der Stirn, um den Mund und um die Augen haben sich tiefe Falten gegraben.
Den Eingang in die Königsgruft bewachen zwei romanische Löwen. Zwar sind es nur Repliken, doch der Linke von beiden ist ganz besonders, denn in seinem Maul schläft friedlich, die Hand unter die Wange gelegt, ein Mann.
Gegenüber, in der Chorkrypta taucht das fast tausendjährige Taufbecken aus der Dunkelheit auf. Vierpassig und mit metallenen Klammern zusammengehalten, zeigt seine Größe deutlich, dass es dazu diente, auch Erwachsene zu taufen.
Stück für Stück wird der Dom beleuchtet und nach und nach enthüllt sich seine Geschichte, nicht in Pomp und Prunk, sondern im Detail.
Kloster Lorsch Blick vom Überrest der Nazarius-Basilika über das Klostergelände
Das Kloster Lorsch in der Nähe von Heppenheim blickt auf eine wahrlich lange Geschichte zurück. Im Jahre 764 wurde es gegründet und wenig später unter den Schutz Karl des Großen gestellt. Nicht nur das, höchstpersönlich wohnte der König der Weihe der Nazariusbasilika bei. Im Laufe seiner Geschichte häufte das Kloster unvorstellbaren Reichtum an, sowohl materiellen, als auch geistigen. Die Besitzungen des Klosters reichten von der Nordseenküste bis in die heutige Schweiz. Das älteste Arzneibuch wurde im Kloster Lorsch verfasst, und heute sind die Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek auf fast 100 Bibliotheken verteilt.
Im Dreißigjährigen Krieg verwüsten spanische Soldaten das, was vom einstmals prächtigen Kloster übriggeblieben war, und für Jahrhunderte dienten die Ruinen den umliegenden Orten als Steinbruch.
Was man sonst in Klöstern antrifft, egal, ob sie nun zerstört oder anders genutzt wurden, nämlich eine komplexe Anlage mit einer Vielzahl ineinander verschachtelter Gebäude, findet man im Kloster Lorsch nicht. Stattdessen erwartet den Besucher ein ausgedehntes, auffällig erhabenes Areal auf dem zwei, dafür umso beeindruckendere Gebäude(reste) der frühen Klostergeschichte stehen: die Königshalle und die Nazarius-Basilika.
Königshalle Kloster LorschKloster Lorsch Rest der Nazarius-BasilikaKloster Lorsch Südseite der Nazarius-Basilika
Die Königshalle begrüßt den Besucher am Eingang ins Klostergelände. Selbst als Laie erkennt man, dass dieses einem Triumphbogen ähnliche Gebäude uralt sein muss. Keine Romanik und keine Gotik, stattdessen ein Hauch Mittelmeer und eine Prise Römisches Reich. Die Fassade über den drei Rundbögen ist mit geometrischem, weiß-roten Steinmuster verziert. Faszinierenderweise ist sie genauso original, wie die beiden Treppentürme rechts und links. Später dazugekommen ist das hochgezogene Giebeldach und das Glockentürmchen. Auch im Inneren ist die Königshalle spektakulär, denn im Raum über den Bögen haben Fresken Neuputz und Übermalungen überstanden. Die auffälligsten Wandmalereien an den Stirnseiten mit Engeln und Heiligen datieren in die Zeit der Dachneukonstruktion im 14. Jahrhundert. Die eher unscheinbare Inschrift an der Ostwand neben dem Fenster dagegen datiert in die Erbauungszeit der Königshalle, ins späte 9. Jahrhundert.
Fassade der Königshalle im Kloster LorschKarolingische Inschrift in der Königshalle Kloster LorschWandmalereien des 14. Jahrhunderts in der Königshalle Kloster Lorsch
Den Namen “Königshalle” trägt das Gebäude wohl zu Recht, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wurden hier die Herrscher mit einem ausgedehnten Zeremoniell, das Segnung und Begrüßung vereinte, im Kloster empfangen.
Schon durch die Bögen der Königshalle hindurch erblickt man die Reste der Nazarius-Basilika. Dieses Kirchenfragment stammt aus verschiedenen Jahrhunderten und ist eigentlich kein Teil der ehemaligen Hauptkirche des Klosters gewesen. Ursprünglich standen westlich der Hauptkirche zwei Türme, die durch einen Mittelbau miteinander verbunden wurden. Später wurde Türme und Mittelbau durch eine Vorkirche an die Hauptkirche angeschlossen. Im 14. Jahrhundert riss man die Türme samt Mittelbau ab, und machte die innere Ostwand des Türme-Mittelbau-Ensembles zur Westfassade. Die mächtige Ruine zeigt heute auf ihrer Westseite (der Königshalle zugewandten Seite) die ehemalige Ostwand des Türme-Mittelbau-Komplexes des 11. Jahrhunderts mit Eingangsportal und Maßwerkfenster des 14. Jahrhunderts. Nord- und Südfassade sitzen auf den Bögen der Vorkirche die im 12. Jahrhundert angebaut wurde und die Ostseite schließlich ist eine weiße Wand, ein unbeschriebenes Blatt, denn von der einstigen Hauptkirche die sich dahinter ersteckte, ist nur der Grundriss als Markierung im Boden zu sehen.
Die Umfassungsmauer des Klosters lohnt es zu umlaufen, schließlich ist sie mit 500 Metern Länge und drei bis vier Metern Höhe das größte erhaltene Baudenkmal des Klosters. Bei einem Spaziergang kann man immer wieder sensantionelle Anblicke des höhergelegenen Klostergeländes aufnehmen.
Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung in der Zehntscheuer. Selten wird Baugeschichte so spannend präsentiert. Der Hauptdarsteller ist ein im 18. Jahrhundert gebauter Brunnen. Was ihn so besonders macht ist die Tatsache, dass in seinem oberen Teil unzählige Spolien (Architekturteile in Zweitfunktion) verbaut wurden. Was also wie eine gewöhnliche Brunnenwand aussieht, ist in Wirklichkeit in Zeugniss des Werdens und Vergehens des Klosters. Nicht nur Säulenkapitelle, Stücke von Pfeilern, Rippenbögen und Maßwerk konnten geborgen werden, sondern es wurden auch ca. 100 Bruchstücke gefunden, die sich, oh Wunder, zu einem fast vollständigen Pultträger in Form eines auf Tieren stehenden Diakons zusammensetzen ließen. Einzig der Kopf und die Hände fehlten. Und hier ist die Lorscher Bevölkerung gefragt, denn vielleicht dienen diese, heute eher unscheinbar wirkenden Steinfragmente irgendwo als Türstopper, Gewichte oder Ablage.
Kloster Volkenroda: Kirche, ehemaliger Kreuzgang und Christus-Pavillon
Während viele Klöster längst verfallen sind oder im Dornröschenschlaf versinken, blüht das Kloster Volkenroda ca. 15 Kilometer nordöstlich von Mühlhausen in Thüringen auf. Grund dafür ist die engagierte Gemeinde der Jesus-Bruderschaft, die für den Erhalt des Klosters lebt, arbeitet und betet. Damit wurden ab 1994 die Fundamente für das weltliche und spirituelle Gedeihen des Klosters gelegt.
Doch bis es soweit war traf das Kloster ein ähnliches Schicksal wie viele andere Klosteranlagen. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Zisterzienserkloster gegründet, wurde das Kloster 1525 im Bauernkrieg durch aufständische Mühlhäuser Bauern schwer beschädigt. Kurz danach wurde das Kloster aufgelöst und das Gelände nebst Gebäuden verpachtet. Der Dreißigjährige Krieg schlug weitere Wunden an der Bausubstanz, und was von den Gebäuden noch stand, verfiel allmählich.
ehemalige WirtschaftsgebäudeKloster Volkenroda ehemaliger Kreuzgang Kloster VolkenrodaChristus-Pavillon Kloster Volkenroda
Heute vereint das Kloster alt und neu auf harmonische und zugleich atemberaubende Weise. Zwar stehen von der alten Klosterkirche nur noch Querhaus und Chor, doch die Ruine wurde bewusst nicht vollständig wieder aufgebaut und stattdessen mit neuen Gebäudetrakten verschmolzen. Der mittelalterliche Jesus auf dem Altar der Kirche scheint am Kreuz zu schweben, ohne Arme und der oberen Hälfte seines Kopfes beraubt, gebrochen und trotz allem Quelle der Hoffnung. In all seiner Zerstörung wird er immer wieder und umso mehr zur Bezugsperson all derer, denen das Leben Wunden geschlagen hat. Am neuen Konventgebäude neben der Kirche wurden moderner Stahl und Glas gekonnt mit mittelalterlichem Mauerwerk verwoben und schaffen interessante Kontraste zwischen leichten, geradlinigen Formen und der Schwere frühgothischer Rundungen. Der Kreuzgang ist verschwunden, doch ein quadratisches Wasserbecken markiert den Ort, wo einst Mönche Erholung suchten.
Die Lebendigkeit des Klosterkomplexes wird nicht nur im Äußerlichen deutlich. Das Kloster bietet Seminare und Workshops an und ist Ort von Tagungen und Märkten. Von Bierbrauen über Fastenwochen und Konzerte bis hin zu Schulbauernhof, das Kloster offenbart eine scheinbar unerschöpfliche Vielfalt. Ob allein, mit der Familie oder in der Gruppe, jedem kann nach seinen Wünschen am spirituellen Leben des Klosters teilhaben, dem Alltag entfliehen und in die Gemeinschaft eintauchen.
Inmitten des Bürokomplexes der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH am Benediktsplatz 1 verbirgt sich ein Schatz aus dem Mittelalter. Umgeben von modernen Büros mit Glas, Chrom und flirrenden Computerbildschirmen befindet sich ein Haus, das wundersamerweise die Umbauten der letzten siebeneinhalb Jahrhunderte fast unverändert überdauert hat; das “Steinerne Haus”.
im Raum des Obergeschosses des Steinernen HausesWestfassade des Steinernen HausesLichtnische in der NordwandBalkendecke des Raumes im Steinernen Haus
Von außen betrachtet datiert das spitzbogige Eingangsportal in der Westfassade des Hauses in die Gotik und auch die buckelige Strukturen unter dem Verputz lassen erahnen, dass Fenster zugemauert oder verkleinert wurden. Doch drinnen, im Raum des Obergeschosses haben sich wie durch eine Wunder viele Gestaltungselemente des 13. Jahrhunderts bewahrt. Unzählige Putzschichten und eine abgehängte Decke trugen dazu bei, dass das, was unmodern geworden war, nicht zerstört wurde. Nachdem man begann den Raum von den Veränderungen der letzen Jahrhunderte zu befreien, kam in der Nordwand eine sorgfältig ausgearbeitete spitzbogige Lichtnische mit Rauchabzug zum Vorschein. Das Fenster in der Westwand, das von außen so einfach aussieht, war in Wirklichkeit eine schmale Tür, die einst auf einen von Kragsteinen getragenen Erker führte. Die Holzdecke zeigt ihre originale Bemalung in ocker, schwarz, grün, rot und gelb. Die Farben sind zwar nicht mehr so frisch wie vor 750 Jahren, aber noch klar und deutlich zu erkennen. Auf den Balken prangen Blüten, Ranken und geometrische Muster, und die darüberliegenden Bretter zieren Radmotive. Sogar die originalen Eisennägel die vielleicht zur Aufhängung von Öllampen benutzt wurden, stecken noch im Holz!
Dentrochronologische Untersuchungen am Holz der Decke führten zu einer Datierung der Balken auf die Jahre 1241/42. Somit wurde das Steinerne Haus in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts ging es in jüdischem Besitz über und zwar in den des Salemon von Ascaphenborc. Allerdings ist unklar, wie das Haus und der Raum im Obergeschoß genutzt wurde. Die reiche Ausschmückung lässt an einen Wohnraum, eine Kemenate, denken, doch es gibt auch jene, die vermuten, dass der Raum als Gebetsraum genutzt wurde. Vielleicht werden zukünftige Untersuchungen Klarheit in dieser Frage bringen. Doch in der Zwischenzeit bleibt uns ein beeindruckendes Beispiel fast unberührter gotischer Profanarchitektur.
Gekritzel, das erst gestern an eine Wand gesetzt wurde, interessiert mich weniger, es sein denn, X erklärt darin ganz genau, warum er Y liebt, oder Z lässt die Nachwelt wissen, woher er kommt und wohin er geht. Jahrhunderte später gibt es nämlich nichts Berührenderes als uralte Nachrichten mitten aus dem wahren Leben zu finden. Und finden kann man sie deshalb, weil Menschen schon vor langer Zeit auf die Idee kamen, Wände als Projektionsflächen ihrer ganz alltäglichen Wünsche, Hoffnungen, Sorgen und Nöte zu benutzen. Wenn man bedenkt, dass Vieles, was wir von der Vergangenheit wissen, aus Chroniken stammt, deren Verfasser erst dann munter wurden, wenn politische Großereignisse sie wachrüttelten, sind die unbedachten Schmierereien zwischen den Zeilen umso ergreifender.
Sie mögen sich fragen, wie man wirklich alte Graffiti von ziemlich neuen unterscheiden kann. Oft wurden Graffiti mit Kohle oder Rötel (roter Kreide) geschrieben, Schreibmittel, die schon seit geraumer Zeit niemand mehr benutzt. Und auch die altertümlichen Schriften, in denen Buchstaben und Zahlen geschrieben wurden, beherrscht heute kaum noch jemand. Außerdem entwickeln Graffiti, besonders wenn sie in Putz oder Stein geritzt sind, eine Patina, die im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte immer unnachahmlicher wird.
Graffiti begegnet uns auf Schritt und Tritt, manchmal an eher versteckten Orten und manchmal ganz offensichtlich. Manchmal mit so vergänglichen Mitteln wie Kreide oder Kohle auf die Wände aufgebracht, manchmal in den alten Putz geritzt oder mühselig in harten Stein gegraben. Und wer einmal begonnen hat, Graffiti wahrzunehmen, wird schnell feststellen, dass die Nachrichten aus der Vergangenheit nicht mehr abreißen.
Die Gutleutekapelle in Mosbach ist ein Schatz. Natürlich wegen ihrer wunderbaren Wandmalereien, aber für mich besonders wegen den Pilgerzeichen an den Wänden des Langhauses. Sie zeugen von der tiefen Verwurzelung der Religion im alltäglichen Leben. Es waren zwar die Besuche der Gottesdienste, in denen sich die Zugehörigkeit der Menschen zum Christentum ausdrückte, doch die Manifestierung ihres ganz persönlichen Glaubens sind ohne Zweifel die Pilgerzeichen, die sie an den Wänden der Kapelle hinterließen. Darunter befinden sich Jakobsmuscheln und Aachhörner, aus Ton gefertigte gebogene oder gewundene Hörner, die man auf Wallfahrten spielte. Gebogene Aachhörner tauchen erstmals in romanischer Zeit auf und wurden bis ins 18. Jahrhundert verwendet. Gewundene Aachhörner gibt es wohl seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, und besonders im 15. und 16. Jahrhundert waren diese Form des Aachhorns weit verbreitet. Die Aachhörner, die an die Wände der Gutleutekapelle gezeichnet wurden, sind gewunden und datieren somit nach 1400.
Gutleutekapelle MosbachInnenraum der Gutleutekapelle MosbachRötelzeichnung einer JakobsmuschelGraffiti eines gewundenen Aachhornsverschiedene gewundene Aachhörner und eine Jakobsmuschel (rechts)
Im gotischen Haus in Burgheßler könnte man sie fast übersehen. Das Adelshaus mit seiner originalen Bausubstanz aus dem frühen 16. Jahrhundert ist so beeindruckend, dass man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Doch tritt man nah genug an die gotischen Fensternischen heran, sieht man im alten Putz die Spuren derer, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf den Fensterbänken (genau von diesen mittelalterlichen Sitzbänken in Fensternischen stammt der heutige Begriff Fensterbank) niedergelassen haben. In den Putz eingeritzt finden sich neben Jahreszahlen und Initialen auch mehrere Sprüche, die allerdings halb unter einer moderneren Putzschicht verborgen liegen oder von Spitzhackenschlägen zerstört wurden, die man auf dem alten Untergrund anbrachte, damit die neue Putzschicht besser haftet. Einige wenige Graffiti wurden in Rötel an die Wände gemalt. Und dazwischen immer wieder seltsame Zeichen, die einem asiatischen Manji (einem links gedrehten Hakenkreuz, dem buddhistischen Zeichen für glückbringende Göttlichkeit) ähneln.
Fensternische mit Graffiti im gotischen Haus BurgheßlerManji-ähnliche Ritzzeichen, Reste von RötelschriftManji-ähnliche Ritzzeichen“… & finem – … und Ende” Aber von was? Sowie Jahreszahlen, unter anderem vermutlich 1636
An den Außenmauern der Marienkirche in Freyburg an der Unstrut hatten es die Menschen schwerer ihre Botschaften anzubringen. Sie mussten nämlich die Grafitti in den harten Kalkstein ritzen. In der Nähe des Südportales finden sich Wappen, Initialen und auch jede Menge undeutbare Zeichen, die ein wenig wie Steinmetzzeichen aussehen.
Südseite Marienkirche Freyburg an der UnstrutGraffiti eines Topfhelmes?Graffiti eines WappensGraffiti am Eingang in der Südseite der Marienkirche
Auf der Wildenburg muss man den Kopf in den Nacken legen und wissen, wonach man sucht. Im Palas der Burg befindet sich an der Südostwand links neben dem Fenster des Erdgeschosses eine Inschrift, die da lautet: „OWE MUTER“. So lautet auch die Einleitung zur Frage „Was ist Gott?“, die der junge Parzival seiner Mutter Herzeloide in der Parzival-Erzählung stellt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Wolfram von Eschenbach, der Verfasser der Parzival-Erzählung, die Wildenberg kannte. Seine Gralsburg nennt er Monsalvaesche – Wilde Berg und darüber hinaus benutzt er die Wildenberg als Maßstab für die Pracht der Gralsburg. Die Inschrift stammt aus dem Mittelalter und könnte von einem Kenner des Parzival-Werkes stammen, der so in der Burg an die Verbindung zwischen Inspiration und Epos erinnert.
Palas der Burg Wildenberg im OdenwaldInschrift an der Südostwand des Palas der Wildenberg
In der Mikwe von Speyer findet sich zumindest ein Graffito, das schon recht alt aussieht. Als im 16. Jahrhundert die Stadt das ehemalige Jüdische Viertel übernahm, wurden sowohl die Synagoge als auch die Mikwe als Waffen- beziehungsweise Munitionslager genutzt. Der Badeschacht der Mikwe wurde verfüllt und im oberen Treppenaufgang wurde Pulver gelagert. Wie lang nach der Verfüllung das Graffito angebracht wurde ist unklar, aber nach Schrifttyp und Patina zu urteilen vor mehr als hundert Jahren. Zu sehen ist ein geteiltes Herz recht die Initiale H und links vielleicht ein I. Auch über dem Herz befinden sich Initialen, MSK, und unleserliche Zeichen.
Fenster zum Badeschacht der Speyrer MikweGraffiti auf dem Fenstersims der Speyrer Mikwe
Im Obergeschoß der Doppelkapelle des Schlosses Neuenburg in Freyburg an der Unstrut liegt das Graffito unter einer schützenden Plexiglasplatte, denn schließlich datiert der mit Rötelstift geschriebene Text aus dem beginnenden 16. Jahrhundert und wurde direkt auf die originale erste Putzschicht der Kapellenwand aufgetragen. Ausnahmsweise ist der Text vollständig entschlüsselt.
Doppelkapelle des Schlosses NeuenburgGraffiti in der Doppelkapelle des Schlosses Neuenburg
Auf der linken Seite steht in Latein und Deutsch: „In den Himmel aufgenommene selige Maria. Verehrte Elisabeth. Hilf heilige Anna Selbtritt.“ und rechts: „Heilige Katharina bete für uns.“ Die Vermutung liegt nahe, dass ein Geistlicher diese Sätze an die Wand geschrieben hat. Was man nicht weiß ist, ob es ein Hilferuf nach Beistand in einer persönlichen Notlage war oder ein Gebet zum Schutz vor den Bauernscharen, die im Jahr des Bauernaufstandes 1525 Kirchen, Klöster und besonders Adelssitze, wie eben auch Schloss Neuenburg, zu brandschatzen versuchten.
Speyrer Dom SüdseiteManji-ähnliches GraffitiInitialen JKWappen und Aachhorn in Rötelstilisierte Geweihe, wie sie auch in Wappenschilden zu finden sind
Die Graffiti am Speyrer Dom muss man ein wenig suchen. Sie befinden sich nämlich nicht an der Westseite des Domes, dort, wo die Maximilianstraße auf den Dom trifft, sondern am Ostteil des Domes, der den Altarraum umschließt. Genau da befindet sich auch das älteste Mauerwerk des Kirchenbaus. Der Westteil des Domes dagegen wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts nach den verheerenden Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekrieges wieder aufgebaut. Es gibt Steinmetzzeichen, Jahreszahlen, Initialen, ein Pentagram, ein manjiähnliches Symbol (wie sie im gotischen Haus in Burgheßler vorkommen), ein Kreuz … Die meisten Graffiti sind in den Sandstein geritzt, doch ein Graffito ist mit Rötel an die Wand gemalt. Ein Wappen mit Kreuz und Stern und rechts daneben ein Aachhorn, wie es auch mehrmals in der Gutleutkapelle in Mosbach zu finden ist.
Graffiti am Treppenabgang zur Kryptamoderne Graffiti in der Krypta des Speyrer Doms
Im Dom dagegen findet man fast keine alten Graffiti, außer die Darstellung einer tanzenden Frau rechts an der Wand des Treppenabganges zur Krypta. In der Krypta dagegen ist der Putz übersäht mit modernen Graffiti die ab den 1960er Jahren in die Wände geritzt wurden. Ein wahrer Schneeballeffekt, wenn man sich die Wände heute anschaut.
Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar, und bei einem Spaziergang können Sie dort nicht nur eine idyllische Wasser- und Parklandschaft, sondern auch außergewöhnliche Denkmale der bewegten und prachtvollen Geschichte Weimars erleben. In Nachbarschaft des Flusses reihen sich berühmte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Weimarer Stadtschloss oder das Tempelherrenhaus aneinander. Zwar nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, dafür umso schöner.
Am Weimaer Stadtschloss, der Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach, können Sie Ihren Spaziergang beginnen. Das Schloss wiederspiegelt heute überwiegend die Architektur und den Zeitgeist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Räume der Gemäldegalerie mit Meisterwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts und ein Großteil der Residenzgemächer werden derzeit umfassend renoviert, doch die vier Dichterzimmer, die Goethe, Schiller, Wieland und Herder gewidtmet sind, sowie die Schlosskapelle kann man mittlerweile bei geführten Touren wieder erleben.
Nur wenige Schritte weiter südlich liegt die Anna-Amalia-Bibliothek, die nicht nur eine Fürstenbibliothek mit literarischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf deutscher Literatur und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Das Prunkstück der Bibliothek, der Rokokosaal ist eine raffinierte architektonische Komposition aus einem elipsenförmigen Innenraum umgeben von einem viereckigen Außenraum. Die Wände zwischen beiden Räumen sind mit Bögen gestaltet, die entweder integrierte Buchregale aufweisen oder als Durchgänge dienen. Schaut man in die Höhe, dann wird das Gestatungskonzept auch im Obergeschoß sichtbar. Dort wird der Außenraum zu einer von fast schwebenden Säulen getragenen Galerie.
Anna-Amalia-BibliothekPark an der IlmRömisches Haus
Umhüllt vom Grün des Parks geht es weiter zu den malerischen Ruinen des Tempelherrenhauses. Trotz des Namens und des gotischen Aussehens hat das Gebäude weder etwas mit den Templern noch mit dem Mittelalter zu tun, spannend ist seine Geschichte aber allemal. Ursprünglich ein Gewächshaus und ein Orangenhaus, Überbleibsel des Welschen Gartens der einst am Rand der Ilm lag, wurde das Gebäude 1786/87 zum Salon für den herzoglichen Hof umgebaut. Doch schon wenige Jahre später wurde der Salon notdürftig wieder als Gewächshaus eingerichtet, und ab 1811 wurden hier die Zitruspflanzen der Orangerie von Belvedere untergebracht, die durch deren Umbau ein Übergangszuhause brauchten. Wiederum zehn Jahre später wurde das Orangenhaus zum Sommerhaus für die herzogliche Familie umgestaltet.
Vier überlebensgroße Statuen von Tempelherren, die ab 1788 die Dachecken des Gebäudes verzierten, sind für den Namen verantwortlich. Wind und Wetter ausgesetzt, wurden die ursprünglich hölzernenStatuen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch steinerne ersetzt und in den Salon verbracht, den sie fortan schmückten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Tempelherrenhaus zur Ruine, doch seine malerische Anziehungskraft wuchs. Von Efeu umrankt, mit intakten Maßwerkfenstern und bekrönt von gotischen Mauerabschlüssen gibt es kaum ein Motiv im Park an der Ilm, das fotografierenswerter wäre. Die Tempelherren jedoch sucht man vergeblich. Nur eine Figur überstand die Zerstörung, verlor dabei allerdings ihren Kopf, und wer heute zumindest die hölzernen Originale sehen möchte, kann sie im Römischen Haus bewundern.
Goethes Gartenhaus WeimarTempelherrenhaus im Park an der IlmHaus am Horn Weimar
In die Unterwelt geht es, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Parkhöhle zu besuchen. Sie liegt vom Tempelherrenhaus noch nicht einmal 100 Meter entfernt und ist ein ursprünglich im 18. Jahrhundert als Bierlager angelegter Stollen. Nach und nach wurde er durch den Abbau von Sand und Kies zu einem weitverzweigten Tunnelsystem ausgeweitet, und so wie vor 300 Jahren Hofgesellschaften die Höhlen besonders an heißen Sommertagen zum Lustwandeln nutzten, können Sie heute das Höhlensystem besuchen. Dabei lassen sich an der Decke der Stollen die Versteinerungen fossiler Pflanzen und Wasserlebewesen entdecken, und an den Wänden führen die Sedimentschichten der Ilm über 400000 Jahre in die Vergangenheit.
Beim nur acht Gehminuten entfernten römischen Haus wurde Goethe zum Baumeister. Er nämlich leitete im Auftrag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach den Bau der Villa, und das mit solchem Erfolg, dass sie zur Lieblingsresidenz des Herzogs wurde. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Bauwerk um ein Gebäude im klassizistischen Stil. Goethe nahm sich Villen und Tempel der Römerzeit zum Vorbild, und so werden die Bögen des dem Fluß zugewandten Untergeschosses von dorischen Säulen getragen. Das Erdgeschoß dagegen ähnelt mit seiner von ionischen Säulen gestützten Portico einem antiken Tempeleingang.
Auf der Ostseite des Parks, wieder ein kleines bisschen zurück in nördliche Richtung liegt das Haus am Horn. Klar, ohne jede Schnörkel und Verzierungen sitzt das Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einer leichten Aufschüttung. Es wurde 1923 als Musterhaus der Bauhausausstellung errichtet, um Interessierten zu zeigen wie modernes Bauen und Wohnen aussehen sollte. Nicht nur außen wiederspiegelt das Haus die Einheit von Form und Funktionalität, sonder auch innen wurde dieses Konzept umgesetzt. Zwar sind viele der originalen Einrichtungsgegenstände, die eigens für die Bestückung des Hauses entworfen und gebaut wurden verlorengegangen, doch vermitteln Grundrisse auf dem Boden und Modelle wo einst ein Bild die Originalmöbel standen, Modelle und Originalstücke ein echtes Gefühl für die Athmosphäre die hier vor über 100 Jahren herrschte.
Den Abschluss bildet das dem Tempelherrenhaus fast genau gegenüberliegende Gartenhaus Goethes. Ursprünglich war es ein wohl aus dem 16. Jahrhundert stammendes Weinberghaus, das Herzog Carl August Goethe zum Geschenk machte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog Goethe 1776 ein und lebte dort sechs Jahre, bevor er in seine Residenz am Frauenplan umzog. Die Zimmer des Gartenhauses besitzen heute wieder die originale Farbgebung aus Goethes Zeiten und sind teils mit originalen Möbelstücken ausgestattet. Der terrassierte Garten der nach Goethes Vorstellungen angelegt wurde, ist in den letzten 250 Jahren gewachsen. Die Bäume hinter dem Haus wurden teils zu Goethes Zeiten gepflanzt und rahmen das Haus heute malerisch ein. Der Nutzgarten, der vor dem Haus lag, ist verschwunden, aber die Treppen und Wege die den Garten durchkreuzen sind noch die alten.