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Architektur Odenwald

Die Einhardsbasilika in Michelstadt

Karl den Großen kennt fast jeder. Schließlich vereinte er das Frankenreich unter seiner Herrschaft und schuf so ein Reich, das große Teile Zentraleuropas umfasste. Er unterwarf die Sachsen, machte sich für das Christentum stark und wurde 800 n.Chr. in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt, dem ersten, seit dem Untergang des Weströmischen Reiches.

Einhard dagegen kennen nur die, die entweder Geschichte studiert haben. oder sich einfach so für Geschichte interessieren. Dabei wüssten wir heute viel weniger über Karl den Grossen, wenn es Einhard nicht gegeben hätte. Er nämlich war nicht nur Berater sondern auch Chronist Karl des Großen, und aus seiner Feder stammt die Vita Karoli Magni, die Biografie Karls des Großen.

Von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, bekam Einhard die Mark Michelstadt in der Einsamkeit des Odenwaldes geschenkt und ließ zwischen 815 und 827 im heutigen Michelstädter Stadtteil Steinbach eine Basilika errichten, die ihm und seiner Ehefrau Imma als letzte Ruhestätte dienen sollte. Um die Anziehungskraft seines Gotteshauses zu steigern, hatte Einhard sich um Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus bemüht, die er 827 n.Chr. auch erhielt. Doch schon kurze Zeit später zog Einhard samt den Reliquien in das heutige Selingenstadt um, wo er eine zweite Basilika erbauen ließ, in der er nach seinem Tod 840 auch bestattet wurde.

Während die Basilika in Seligenstadt durch Modernisierungen und Kriege grundlegend verändert wurde, blieb die Basilika in Michelstadt in ihrer antiken Form fast vollständig erhalten und ist eines der wichtigsten Zeugnisse karolingischer Baukunst in Deutschland.

Heute zeigt die Einhardsbasilika fast nur noch nackte Mauern. Aber was für welche! Man kann man an ihnen die Jahrhunderte ablesen, wie an einem aufgeschlagenen Buch.

Einst war die Kirche ein klassischer basilikaler Bau mit hohem Mittelschiff flankiert von niedrigeren Seitenschiffen, die durch Arkaden mit dem Mittelschiff verbunden waren. An der Ostseite der Kirche befanden sich drei unterschiedlich große Apsiden, von denen heute nur noch die beiden nördlichen erhalten sind. Die Seitenschiffe des Baus wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen. Die Arkaden wurden zugemauert und Putz wurde darübergelegt. Dort wo der Putz noch haftet, sieht man verblasste mittelalterliche Malereien, von denen nur schemenhafte Umrisse erhalten sind. Eine einzige Hand ist klar erkennbar. Sie zeigt nach Osten, zur Apsis. Legt man den Kopf in den Nacken, und hält eine Weile still, lösen sich oben zwischen den Fenstern aus den Unebenheiten der Jahrhunderte in schwarz gezeichnete Ranken, Blumen und Blüten.

Dort wo der Putz abgebröckelt ist, zeigt sich das karolingische Mauerwerk. Die Pfeiler der Arkaden wurden aus flachen Ziegeln aufgemauert, und unten seitlich mit sorgfältig behauenen Sandsteinprofilen, die Säulenbasen imitierten, verblendet. Auf den oberen Abschlüssen der Pfeiler sitzen flache Sandsteinkapitelle. Ursprünglich war all das mit Putz überzogen, der die Illusion massiver Steinpfeiler erzeugte.

Für die späteren Vermauerungen wurden auch Bauspolien der verschiedensten Jahrhunderte genutzt. An das Westende der Südwand zum Beispiel wurde ein Eingang gebrochen und der Türrahmen aus Spolien errichtet. Der untere rechte Stein trägt eine Inschrift und das Datum 1700. Diese Tür wurde wieder zugemauert. Genauso wie die, die sich auf der gegenüberliegenden Nordwand befand … Ein Eichenbalken entlastet die Pfeiler vom Gewicht des Bogens, auch er ist schon Jahrhunderte alt. Der Eingang, der in die nördlich gelegene Sakristei führt, ist gotisch und sitzt genau dort, wo einst ein hoher Bogen den Eintritt in die dem Klerus vorbehaltenen Räume erlaubte.

Am Westende der Südmauer steckt ein Hufeisen, das man vielleicht zum Anbinden von Lasttieren benutzte, als die Basilika als Speicher diente.

Wenig spektakulär anzusehen ist der Putz an der Außenseite der Nordwand, doch ausgerechnet er ist wahrhaft sensationell. Er nämlich ist der originale Aussenputz der Basilika, der nun schon seit über 1200 Jahren Eiseskälte und Sommerglut trotz.

Es gibt noch so viel mehr zu bestaunen. Kommen Sie doch einfach vorbei, und nehmen Sie die Einhardsbasilika selbst unter die Lupe!