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Kloster Lorsch

Das Kloster Lorsch in der Nähe von Heppenheim blickt auf eine wahrlich lange Geschichte zurück. Im Jahre 764 wurde es gegründet und wenig später unter den Schutz Karl des Großen gestellt. Nicht nur das, höchstpersönlich wohnte der König der Weihe der Nazariusbasilika bei. Im Laufe seiner Geschichte häufte das Kloster unvorstellbaren Reichtum an, sowohl materiellen, als auch geistigen. Die Besitzungen des Klosters reichten von der Nordseenküste bis in die heutige Schweiz. Das älteste Arzneibuch wurde im Kloster Lorsch verfasst, und heute sind die Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek auf fast 100 Bibliotheken verteilt.

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsten spanische Soldaten das, was vom einstmals prächtigen Kloster übriggeblieben war, und für Jahrhunderte dienten die Ruinen den umliegenden Orten als Steinbruch.

Was man sonst in Klöstern antrifft, egal, ob sie nun zerstört oder anders genutzt wurden, nämlich eine komplexe Anlage mit einer Vielzahl ineinander verschachtelter Gebäude, findet man im Kloster Lorsch nicht. Stattdessen erwartet den Besucher ein ausgedehntes, auffällig erhabenes Areal auf dem zwei, dafür umso beeindruckendere Gebäude(reste) der frühen Klostergeschichte stehen: die Königshalle und die Nazarius-Basilika.

Die Königshalle begrüßt den Besucher am Eingang ins Klostergelände. Selbst als Laie erkennt man, dass dieses einem Triumphbogen ähnliche Gebäude uralt sein muss. Keine Romanik und keine Gotik, stattdessen ein Hauch Mittelmeer und eine Prise Römisches Reich. Die Fassade über den drei Rundbögen ist mit geometrischem, weiß-roten Steinmuster verziert. Faszinierenderweise ist sie genauso original, wie die beiden Treppentürme rechts und links. Später dazugekommen ist das hochgezogene Giebeldach und das Glockentürmchen. Auch im Inneren ist die Königshalle spektakulär, denn im Raum über den Bögen haben Fresken Neuputz und Übermalungen überstanden. Die auffälligsten Wandmalereien an den Stirnseiten mit Engeln und Heiligen datieren in die Zeit der Dachneukonstruktion im 14. Jahrhundert. Die eher unscheinbare Inschrift an der Ostwand neben dem Fenster dagegen datiert in die Erbauungszeit der Königshalle, ins späte 9. Jahrhundert.

Den Namen “Königshalle” trägt das Gebäude wohl zu Recht, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wurden hier die Herrscher mit einem ausgedehnten Zeremoniell, das Segnung und Begrüßung vereinte, im Kloster empfangen.

Schon durch die Bögen der Königshalle hindurch erblickt man die Reste der Nazarius-Basilika. Dieses Kirchenfragment stammt aus verschiedenen Jahrhunderten und ist eigentlich kein Teil der ehemaligen Hauptkirche des Klosters gewesen. Ursprünglich standen westlich der Hauptkirche zwei Türme, die durch einen Mittelbau miteinander verbunden wurden. Später wurde Türme und Mittelbau durch eine Vorkirche an die Hauptkirche angeschlossen. Im 14. Jahrhundert riss man die Türme samt Mittelbau ab, und machte die innere Ostwand des Türme-Mittelbau-Ensembles zur Westfassade. Die mächtige Ruine zeigt heute auf ihrer Westseite (der Königshalle zugewandten Seite) die ehemalige Ostwand des Türme-Mittelbau-Komplexes des 11. Jahrhunderts mit Eingangsportal und Maßwerkfenster des 14. Jahrhunderts. Nord- und Südfassade sitzen auf den Bögen der Vorkirche die im 12. Jahrhundert angebaut wurde und die Ostseite schließlich ist eine weiße Wand, ein unbeschriebenes Blatt, denn von der einstigen Hauptkirche die sich dahinter ersteckte, ist nur der Grundriss als Markierung im Boden zu sehen.

Die Umfassungsmauer des Klosters lohnt es zu umlaufen, schließlich ist sie mit 500 Metern Länge und drei bis vier Metern Höhe das größte erhaltene Baudenkmal des Klosters. Bei einem Spaziergang kann man immer wieder sensantionelle Anblicke des höhergelegenen Klostergeländes aufnehmen.

Unbedingt empfehlenswert ist die Ausstellung in der Zehntscheuer. Selten wird Baugeschichte so spannend präsentiert. Der Hauptdarsteller ist ein im 18. Jahrhundert gebauter Brunnen. Was ihn so besonders macht ist die Tatsache, dass in seinem oberen Teil unzählige Spolien (Architekturteile in Zweitfunktion) verbaut wurden. Was also wie eine gewöhnliche Brunnenwand aussieht, ist in Wirklichkeit in Zeugniss des Werdens und Vergehens des Klosters. Nicht nur Säulenkapitelle, Stücke von Pfeilern, Rippenbögen und Maßwerk konnten geborgen werden, sondern es wurden auch ca. 100 Bruchstücke gefunden, die sich, oh Wunder, zu einem fast vollständigen Pultträger in Form eines auf Tieren stehenden Diakons zusammensetzen ließen. Einzig der Kopf und die Hände fehlten. Und hier ist die Lorscher Bevölkerung gefragt, denn vielleicht dienen diese, heute eher unscheinbar wirkenden Steinfragmente irgendwo als Türstopper, Gewichte oder Ablage.