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Das Steinerne Haus in Erfurt

Inmitten des Bürokomplexes der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH am Benediktsplatz 1 verbirgt sich ein Schatz aus dem Mittelalter. Umgeben von modernen Büros mit Glas, Chrom und flirrenden Computerbildschirmen befindet sich ein Haus, das wundersamerweise die Umbauten der letzten siebeneinhalb Jahrhunderte fast unverändert überdauert hat; das “Steinerne Haus”.

Von außen betrachtet datiert das spitzbogige Eingangsportal in der Westfassade des Hauses in die Gotik und auch die buckelige Strukturen unter dem Verputz lassen erahnen, dass Fenster zugemauert oder verkleinert wurden. Doch drinnen, im Raum des Obergeschosses haben sich wie durch eine Wunder viele Gestaltungselemente des 13. Jahrhunderts bewahrt. Unzählige Putzschichten und eine abgehängte Decke trugen dazu bei, dass das, was unmodern geworden war, nicht zerstört wurde. Nachdem man begann den Raum von den Veränderungen der letzen Jahrhunderte zu befreien, kam in der Nordwand eine sorgfältig ausgearbeitete spitzbogige Lichtnische mit Rauchabzug zum Vorschein. Das Fenster in der Westwand, das von außen so einfach aussieht, war in Wirklichkeit eine schmale Tür, die einst auf einen von Kragsteinen getragenen Erker führte. Die Holzdecke zeigt ihre originale Bemalung in ocker, schwarz, grün, rot und gelb. Die Farben sind zwar nicht mehr so frisch wie vor 750 Jahren, aber noch klar und deutlich zu erkennen. Auf den Balken prangen Blüten, Ranken und geometrische Muster, und die darüberliegenden Bretter zieren Radmotive. Sogar die originalen Eisennägel die vielleicht zur Aufhängung von Öllampen benutzt wurden, stecken noch im Holz!

Dentrochronologische Untersuchungen am Holz der Decke führten zu einer Datierung der Balken auf die Jahre 1241/42. Somit wurde das Steinerne Haus in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts ging es in jüdischem Besitz über und zwar in den des Salemon von Ascaphenborc. Allerdings ist unklar, wie das Haus und der Raum im Obergeschoß genutzt wurde. Die reiche Ausschmückung lässt an einen Wohnraum, eine Kemenate, denken, doch es gibt auch jene, die vermuten, dass der Raum als Gebetsraum genutzt wurde. Vielleicht werden zukünftige Untersuchungen Klarheit in dieser Frage bringen. Doch in der Zwischenzeit bleibt uns ein beeindruckendes Beispiel fast unberührter gotischer Profanarchitektur.