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Weimars grünes Band – der Park an der Ilm

Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar, und bei einem Spaziergang können Sie dort nicht nur eine idyllische Wasser- und Parklandschaft, sondern auch außergewöhnliche Denkmale der bewegten und prachtvollen Geschichte Weimars erleben. In Nachbarschaft des Flusses reihen sich berühmte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Weimarer Stadtschloss oder das Tempelherrenhaus aneinander. Zwar nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, dafür umso schöner.

Am Weimaer Stadtschloss, der Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach, können Sie Ihren Spaziergang beginnen. Das Schloss wiederspiegelt heute überwiegend die Architektur und den Zeitgeist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Räume der Gemäldegalerie mit Meisterwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts und ein Großteil der Residenzgemächer werden derzeit umfassend renoviert, doch die vier Dichterzimmer, die Goethe, Schiller, Wieland und Herder gewidtmet sind, sowie die Schlosskapelle kann man mittlerweile bei geführten Touren wieder erleben.

Nur wenige Schritte weiter südlich liegt die Anna-Amalia-Bibliothek, die nicht nur eine Fürstenbibliothek mit literarischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf deutscher Literatur und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Das Prunkstück der Bibliothek, der Rokokosaal ist eine raffinierte architektonische Komposition aus einem elipsenförmigen Innenraum umgeben von einem viereckigen Außenraum. Die Wände zwischen beiden Räumen sind mit Bögen gestaltet, die entweder integrierte Buchregale aufweisen oder als Durchgänge dienen. Schaut man in die Höhe, dann wird das Gestatungskonzept auch im Obergeschoß sichtbar. Dort wird der Außenraum zu einer von fast schwebenden Säulen getragenen Galerie.

Umhüllt vom Grün des Parks geht es weiter zu den malerischen Ruinen des Tempelherrenhauses. Trotz des Namens und des gotischen Aussehens hat das Gebäude weder etwas mit den Templern noch mit dem Mittelalter zu tun, spannend ist seine Geschichte aber allemal. Ursprünglich ein Gewächshaus und ein Orangenhaus, Überbleibsel des Welschen Gartens der einst am Rand der Ilm lag, wurde das Gebäude 1786/87 zum Salon für den herzoglichen Hof umgebaut. Doch schon wenige Jahre später wurde der Salon notdürftig wieder als Gewächshaus eingerichtet, und ab 1811 wurden hier die Zitruspflanzen der Orangerie von Belvedere untergebracht, die durch deren Umbau ein Übergangszuhause brauchten. Wiederum zehn Jahre später wurde das Orangenhaus zum Sommerhaus für die herzogliche Familie umgestaltet.

Vier überlebensgroße Statuen von Tempelherren, die ab 1788 die Dachecken des Gebäudes verzierten, sind für den Namen verantwortlich. Wind und Wetter ausgesetzt, wurden die ursprünglich hölzernenStatuen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch steinerne ersetzt und in den Salon verbracht, den sie fortan schmückten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Tempelherrenhaus zur Ruine, doch seine malerische Anziehungskraft wuchs. Von Efeu umrankt, mit intakten Maßwerkfenstern und bekrönt von gotischen Mauerabschlüssen gibt es kaum ein Motiv im Park an der Ilm, das fotografierenswerter wäre. Die Tempelherren jedoch sucht man vergeblich. Nur eine Figur überstand die Zerstörung, verlor dabei allerdings ihren Kopf, und wer heute zumindest die hölzernen Originale sehen möchte, kann sie im Römischen Haus bewundern.

In die Unterwelt geht es, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Parkhöhle zu besuchen. Sie liegt vom Tempelherrenhaus noch nicht einmal 100 Meter entfernt und ist ein ursprünglich im 18. Jahrhundert als Bierlager angelegter Stollen. Nach und nach wurde er durch den Abbau von Sand und Kies zu einem weitverzweigten Tunnelsystem ausgeweitet, und so wie vor 300 Jahren Hofgesellschaften die Höhlen besonders an heißen Sommertagen zum Lustwandeln nutzten, können Sie heute das Höhlensystem besuchen. Dabei lassen sich an der Decke der Stollen die Versteinerungen fossiler Pflanzen und Wasserlebewesen entdecken, und an den Wänden führen die Sedimentschichten der Ilm über 400000 Jahre in die Vergangenheit.

Beim nur acht Gehminuten entfernten römischen Haus wurde Goethe zum Baumeister. Er nämlich leitete im Auftrag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach den Bau der Villa, und das mit solchem Erfolg, dass sie zur Lieblingsresidenz des Herzogs wurde. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Bauwerk um ein Gebäude im klassizistischen Stil. Goethe nahm sich Villen und Tempel der Römerzeit zum Vorbild, und so werden die Bögen des dem Fluß zugewandten Untergeschosses von dorischen Säulen getragen. Das Erdgeschoß dagegen ähnelt mit seiner von ionischen Säulen gestützten Portico einem antiken Tempeleingang.

Auf der Ostseite des Parks, wieder ein kleines bisschen zurück in nördliche Richtung liegt das Haus am Horn. Klar, ohne jede Schnörkel und Verzierungen sitzt das Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einer leichten Aufschüttung. Es wurde 1923 als Musterhaus der Bauhausausstellung errichtet, um Interessierten zu zeigen wie modernes Bauen und Wohnen aussehen sollte. Nicht nur außen wiederspiegelt das Haus die Einheit von Form und Funktionalität, sonder auch innen wurde dieses Konzept umgesetzt. Zwar sind viele der originalen Einrichtungsgegenstände, die eigens für die Bestückung des Hauses entworfen und gebaut wurden verlorengegangen, doch vermitteln Grundrisse auf dem Boden und Modelle wo einst ein Bild die Originalmöbel standen, Modelle und Originalstücke ein echtes Gefühl für die Athmosphäre die hier vor über 100 Jahren herrschte.

Den Abschluss bildet das dem Tempelherrenhaus fast genau gegenüberliegende Gartenhaus Goethes. Ursprünglich war es ein wohl aus dem 16. Jahrhundert stammendes Weinberghaus, das Herzog Carl August Goethe zum Geschenk machte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog Goethe 1776 ein und lebte dort sechs Jahre, bevor er in seine Residenz am Frauenplan umzog. Die Zimmer des Gartenhauses besitzen heute wieder die originale Farbgebung aus Goethes Zeiten und sind teils mit originalen Möbelstücken ausgestattet. Der terrassierte Garten der nach Goethes Vorstellungen angelegt wurde, ist in den letzten 250 Jahren gewachsen. Die Bäume hinter dem Haus wurden teils zu Goethes Zeiten gepflanzt und rahmen das Haus heute malerisch ein. Der Nutzgarten, der vor dem Haus lag, ist verschwunden, aber die Treppen und Wege die den Garten durchkreuzen sind noch die alten.