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Marias Wohnhaus in … Leutershausen

Eigentlich müsste Marias Wohnhaus ja in Nazareth in Galiläa stehen. Dort erhebt sich die 1969 gebaute Verkündigungsbasilika über dem Ort, an dem das Wohnhaus Marias der Tradition nach verehrt wird. Die im Brutalismus gebaute Kirche wirkt auf den ersten Blick fast abweisend, doch je öfter man die Kirche besucht, umso mehr erschliesst sich die detailreiche Anmut des Gebäudes. Was man dort allerdings vergeblich sucht, ist der Rest des Wohnhauses Marias. Zwar umschliesst das Untergeschoss der Kirche die Felshöhle, in der der Erzengel Gabriel Maria erschien, aber die Treppe, die von der Höhle ins Erdgeschoss steigt, führt ins Nichts und auch das Areal vor der Grotte ist leer, obwohl sich an die Höhle eigentlich ein kleines Haus angeschlossen hatte, dessen vierte Wand der Felsen der Grotte bildete.

Glaubt man der Legende, dann liegt das daran, dass dieses Haus im Mai 1291 von Engeln fortgetragen wurde. Die Lage im Heiligen Land hatte sich zu dieser Zeit mehr und mehr zugespitzt. Das Lateinische Königreich hatte an Territorium verloren und Städte, die vormals in christlicher Hand gewesen waren, wurden nun von den Moslems beherrscht. Aus Angst vor moslemischer Zerstörung wurden die drei aufgemauerten Wände des heiligen Hauses vor der Grotte abgetragen und mit Karren auf dem Weg über Land und Meer oder eben auf Engelsflügeln nach Europa in Sicherheit gebracht. Drei Jahre verweilte das Heiligtum in Kroatien bevor es 1294 nach Italien kam. Auch hier wurde es noch zweimal umgesetzt, denn Neid und Besitzanspruch verhinderten, dass das Haus zur Ruhe kam. Schliesslich fand das Haus auf einer Straße seinen endgültigen Platz. Die Straße ist schon längst verschwunden, und an ihrer Stelle erhebt sich heute die Kathedrale von Loreto, in deren Innerem umgeben von einem reich verzierten Marmorschrein die Überreste des Heiligen Hauses stehen.

Pilger aus aller Welt ziehen seit dem Mittelalter nach Loreto um Maria um Schutz und Hilfe zu bitten. So auch der in Mannheim ansässige Reichsgraf Ferdinand Andreas von Wiser. Zurück von einer Walfahrt nach Loreto veranlasste er 1737 den Nachbau des Elternhauses Marias im Hof seines neu gebauten Residenzschlosses in Leutershausen, der 1742 geweiht wurde. Wenn man heute den Schlosshof von Schloss Wiser betritt, steht linker Hand diese sogenannte Loretokapelle. Viel Ähnlichkeit mit dem Marienhaus in Loreto hat sie nicht. Weder Fenster noch Türöffnungen entsprechen denen im Marienhaus in Loreto. Aber die Kapelle ist schlicht und ihre Abmessungen sind dieselben wie Marias Wohnhaus, 9,5 x 4 Meter. Am wichtigsten jedoch, in dieser Kapelle stand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Schwarze Madonna, eine Nachbildung der Schwarzen Madonna von Loreto, die der Reichsgraf für die Ausschmückung der Loreto-Kapelle in Italien in Auftrag gegeben hatte. Die Mariendarstellung zog von nun an Pilger zur Walfahrt “Maria, Hilfe der Christen” nach Leuterhausen. Manchmal waren es sogar Tausende an einem Walfahrtstag, die dem Gottesdienst beiwohnten.

1907 wurde weiter oben am Berg, östlich des Schlosses eine neue, größere Kirche gebaut, die St. Johannes Kirche. Die Schwarze Madonna zog in das neue Kirchengebäude, in der Kapelle blieb der Barockaltar der Originalausstattung zurück.

Die Schwarze Madonna von Loreto hatte ein weniger friedvolles Schicksal. Sie wurde 1921 durch einen Brand zerstört und durch den Bildhauer Enrico Quattrini aus dem Holz einer Zeder der Vatikanischen Gärten neu geschaffen. Wer eine barocke Kopie der originalen Mariendarstellung von Loreto bewundern oder verehren möchte, dem sei ein Besuch der St. Johannes Kirche in Leutershausen also wärmstens an Herz gelegt.

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