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Die Spatschlucht bei Schriesheim

Klein, fein und dramatisch, das ist die Spatschlucht bei Schriesheim. Natur und Mensch haben eine Schlucht geschaffen, die in der lieblichen Waldlandschaft ein kleines Spektakel ist. Und das zu Recht, denn in der Spatschlucht wurde tektonische Weltgeschichte geschrieben. Vor über 100 Millionen Jahren bewirkte die Öffnung des Atlantik Brüche in der Kruste des späteren Europa. Heiße, wässrige Lösungen zirkulierten in den Spalten auf und ab und wurden in Verbindung mit sulfathaltigem Sauerstoff zu Schwerspat (Baryt), das die Brüche allmählich wieder verschloss. Die Spatschlucht ist einer dieser mit Baryt verfüllten Erdkrustenrisse, mit dem Unterschied, dass in der Spatschlucht heutzutage das Baryt fehlt.

Baryt nämlich ist ein Mineral. Es ist weiß, fast doppelt so dicht wie Granit und wird für die Herstellung weißer Farbe, in der Papierindustrie und als Ballaststoff für Beton verwendet. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man Baryt über und unter Tage abzubauen. In der Spatschlucht folgten die Bergarbeiter einer oberirdischen Barytader bis in eine Tiefe von zehn Metern und schälten das Baryt in einer Breite von 4 Metern aus dem umgebenden Granit.

Der Bergbau wurde längst eingestellt, doch wenn man durch die Schlucht wandert, entdeckt man Meiselspuren im Granit und hier und da Kleckse von Baryt an den steilen Felswänden. Längst hat sich die Natur zurückgeholt, was zu ihr gehört. Vereinzelte Bäume wachsen am Boden der Schlucht. Es gehört Überlebenskunst dazu, um in dieser Lichtungleichheit zu solcher Größe heraufzuwachsen. Oben, an den Rändern der Schlucht tragen halsbrecherisch in den Fels geklammerte Wurzeln Bäume, die wie Seiltänzer wirken; eine falsche Bewegung und sie stürzen ab. Und über allem ein Dach aus kichten Ästen und Zweigen. Genau das Richtige für einen Frühlingsausflug oder einen heißen Sommertag