Blick vom Blütenweg auf die Strahlenburg in Schriesheim
Die Bergstraße verläuft genau dort wo sich die Ostseite der Rheinebene allmählich zum Odenwald erhebt. Schön ist es da! Ein abwechslungsreicher Übergang von flacher Ebene zu welligen Weinbergen und in die grünen Höhen des Odenwaldes. Mittendurch schlängelt sich mit 35 Kilometern Länge, von Dossenheim im Süden über Weinheim bis nach Laudenbach im Norden ein Weg an dem es grünt, blüht und gedeiht: der Blütenweg. Er führt mal als schmaler Pfad, mal als uralter Hohlweg, mal als Laubengang durch Weinberge und Fachwerkstädte hindurch, an Burgen, alten Stollen, betagten Obsthainen und Wildwiesen vorbei und ist dabei immer wieder ein Fest für die Augen. Wer den Blick hebt, kann an den richtigen Stellen traumhafte Fernblicke, bei schönem Wetter sogar bis auf die Vogesen genießen. Wer lieber in der Nähe sucht, kann bei etwas Geduld und ein wenig Glück an Terrassenmauern, knorrigen Baumgreisen oder von Moos überwachsenen Steinformationen einen Blick auf so seltene Tiere wie Zauneidechsen und Schlingnattern erhaschen.
Mausoleum derer von Berckheim im Schloßpark WeinheimApfelblüteim Palas der Wachenburg in Weinheim
Spektakulär wird es im Frühjahr. Dann verziert die Blüte von Apfel-, Mandel-, Kirsch- oder Mirabellenbäumen die Landschaft mit blassrosa, cremefarbenen und weißen Wolken. Auf den Wiesen breiten sich bunte Blumenteppiche aus unter denen seltene Orchideen- und Sommerwurzarten oder Enzian zu finden sind.
Eichen entlang des BlütenwegesFrüchtezaubermittelalterlicher Hohlweg bei Leutershausen
Im Herbst dagegen wird es schmackhaft. Seit 2014 setzt sich der Verein „Blühende Bergstraße“ für die Wiederherstellung und den Erhalt des alten Kulturlandschaftsteppichs aus Obstwiesen, Magerrasen, Lössböschungen und Weinbergen ein. Gebiete, die der Wald im Laufe der Zeit erobert hat, werden gesäubert, alte Trockenmauern und Terrassen wieder freigelegt und Obstbäume gepflanzt. Schon im 17. Jahrhundert wurde die Schönheit der Obstgärten gerühmt, und bis in die 60er Jahre war die Bergstraße das Gebiet mit der höchsten Obstbaumdichte Deutschlands. Heute findet man am Wegesrand neben neuen Obstsorten auch viele alte, wiederentdeckte Sorten wie Birnen mit solch klangvollen Namen wie “Stuttgarter Geißhirtle“ und “Madamenschenkel“ oder die Lützelsachser Frühzwetschge. Wer also im Herbst zur Reifezeit kommt, kann diese alten Köstlichkeiten probieren und dem Geschmack der Vergangenheit auf den Grund gehen.
Der Blütenweg kann in kurzen Etappen erwandert werden. Für diejenigen, die alte Kulturlandschaften besonders lieben, sind die Abschnitte Laudenbach bis Hemsbach oder Schriesheim bis Dossenheim empfehlenswert. Für Burgenfans und Freunde alter Parklandschaften bietet sich der Abschnitt Hemsbach bis Weinheim an. Im Abschnitt nördlich von Schriesheim kommen Freunde von Wildwiesen und seltenen Pflanzenarten auf ihre Kosten.
Im Odenwald gibt es schroffe Schluchten, Berge, Burgen, natürlich unendlich viele Bäume und … “Buddhas Weg“. Buddhas Weg ist ein buddhistisches Kloster im Wald-Michelbacher Stadtteil Siedelsbrunn. Einst eine Entzugsklinik für Alkoholkranke ist das Kloster auch heute ein Ort der Heilung, genauer gesagt der Selbstheilung. Eine Vielzahl von Seminaren und Workshops lehren die Teilnehmer Körper und Seele zur Ruhe und in Einklang zu bringen.
Workshopangebot im “Buddhas Weg”
Schon allein der Weg zum dem Kloster angegliederten Gästehaus stimmt darauf ein. Ein sorgsam angelegter Garten, in dem wilde und kultivierte Pflanzen gedeihen können, Büsche und Bäume Schatten und Blütenpracht spenden, wo Buddhastatuen und Engelsfiguren gleichermaßen Platz finden, umgibt die Anlage. Das Gästehaus bietet Zimmer in einfacher und gehobenerer Ausstattung und besitzt Seminarräume in denen man unter professioneller Anleitung seine Mitte finden kann. Für das leibliche Wohl sorgt ein Teehaus im ehemaligen Schwimmbad der Klinik, in dessen Teich Zierkarpfen schwimmen und Wasserpflanzen gedeihen. Und damit nicht genug, gibt es unzählige Teesorten und köstliche, selbstgebackene Kuchen auch in veganen Versionen.
Allein zur Ruhe kommen kann man auch außerhalb des Klosters, wo unzählige Wanderwege und Pfade zu Spaziergängen durch die Waldesstille einladen.
Im Kloster selbst geht es international zu. Die Nonnen und Mönche der Klostergemeinschaft kommen aus Vietnam, Thailand oder Korea und praktizieren unterschiedliche Traditionen des Buddhismus wie Mahayana oder Theravada.
Die Gäste können wählen, ob sie tiefer ins Klosterleben und den Tagesablauf der Klostergemeinschaft eintauchen möchten oder “nur“ an den Kursen und Veranstaltungen teilnehmen möchten. Bei beiden Möglichkeiten steht die Integrierung buddhistischer Lehren in den Alltag im Vordergrund, das heißt, sich allem zu öffnen, Klarheit über den eigenen Geist zu finden, Verantwortung zu übernehmen, seine eigene Entwicklung zu gestalten und so ausgerüstet achtsam im alltäglichen Leben zu agieren.
Heidelberg ist der Inbegriff deutscher Romantik, doch das romantische Gefühl kommt oft nicht so richtig auf, denn meist muß man sich mit unzähligen Touristen Anblicke und Eindrücke teilen. Natürlich sollten Sie das Schloß, die Altstadt mit Kornmarkt und Marktplatz besuchen, aber um ungestört genießen zu können, bietet sich ein Spaziergang entlang des Neckars an.
Entweder direkt am Ufer oder etwas weiter oben am Heiligenberg laden Pfade dazu ein, Heidelbergs Romantik aus der Ferne und trotzdem nah, und vor allem ungestört zu bewundern. An den Routen warten lauschige Gassen, malerische Kaffeeoasen, das Plätschern des Wassers, das Rauschen der Bäume und immer wieder traumhafte Ausblicke auf Altstadt und Schloß.
Los geht es an der Ernst-Walz-Brücke, wo Sie vielleicht schon ihren ersten Kaffee mit Neckarblick genießen können und zwar direkt am Ufer. Dort bietet ein kleiner Foodtruck vorzügliche Kaffeevarianten an. Und auch das Heidelberger Schloss ist schon im Hinergrund zu sehen.
Neckarufer bei der Ernst-Walz-BrückeNeckarufer bei NeuenheimNeckarwiese an der Theodor-Heuss-Brücke
Entlang der Neckarwiese tummeln sich je nach Wetter Enten oder Sonnenhungrige, und im Hintergrund reihen sich an der Straße die hundertjährigen Villen Neuenheims. Es lohnt sich, einen kleinen Abstecher hinein auf den Neuenheimer Markplatz zu machen. Dort erwartet Sie im Schatten von Bäumen und der Johanneskirche nicht nur das Cafe Bairro mit süßen und herzhaften Frühstücken, sondern auch am richtigen Tag (Samstag) der Bauernmarkt.
Neuenheim MarktplatzAltstadtblick vom PhilosophenwegNeuenheim Schulzengasse
Nach der Theodor-Heuss-Brücke geht es den Philosophenweg hinauf, und es wird subtropisch. Die Altstadt mit Marstallhof, Schloß und Heiliggeistkirche zeigt sich in immer wechselnden Kombinationen und jeder Anblick ist schöner als der vorherige.
Anstatt den Schlangenpfad zur Alten Brücke hinunterzusteigen, geht es jetzt weiter durch den Wald. Auf diesem Wegabschnitt ist man fast allein. Die Altstadt rückt ein wenig in die Ferne, aber so kann man die Stadt in ihrer ganzen Pracht aufnehmen. Und auch die gewaltige Ruine des Schloßes wirkt mächtiger als zuvor.
Schlossblick vom PhilosophenwegBlick auf Neckar und SchlossBlick auf Neckar und Schloss
Die Bäume werden höher, der Pfad schlängelt sich um kleine Bergeinschnitte herum und unten im Tal blinkt immer wieder, mal gerade und mal gewunden, der Neckar auf.
auf dem Weg zum Kloster Stift NeuenburgBlick auf Kloster Stift Neuenburg, den Neckar und SchlierbachKloster Stift Neuenburg Bartholomäuskirche
Der Wald öffnet sich und geht in Streuobstwiesen über, inmitten derer das Benediktinerkloster Stift Neuenburg liegt. Dort ist die Wanderung zu Ende. Das Kloster läd nicht nur zum Ausruhen, sondern auch zum Genuß ein. Die weitläufige Anlage besitzt neben Konventsgebäuden, Gartenanlagen und Kirche auch eine Bierbrauerei und den “Gasthof zum Klostergarten”. Dort zum Beispiel können Sie bei deutscher Hausmannskost und nebenan gebrautem Bier die Wanderung ausklingen lassen.
Eigentlich müsste Marias Wohnhaus ja in Nazareth in Galiläa stehen. Dort erhebt sich die 1969 gebaute Verkündigungsbasilika über dem Ort, an dem das Wohnhaus Marias der Tradition nach verehrt wird. Die im Brutalismus gebaute Kirche wirkt auf den ersten Blick fast abweisend, doch je öfter man die Kirche besucht, umso mehr erschliesst sich die detailreiche Anmut des Gebäudes. Was man dort allerdings vergeblich sucht, ist der Rest des Wohnhauses Marias. Zwar umschliesst das Untergeschoss der Kirche die Felshöhle, in der der Erzengel Gabriel Maria erschien, aber die Treppe, die von der Höhle ins Erdgeschoss steigt, führt ins Nichts und auch das Areal vor der Grotte ist leer, obwohl sich an die Höhle eigentlich ein kleines Haus angeschlossen hatte, dessen vierte Wand der Felsen der Grotte bildete.
Verkündigungsbasilika Nazareth/Israelobere Kirche in der Verkündigungsbasilika in NazarethVerkündigungsgrotte Verkündigungsbasilika Nazareth
Glaubt man der Legende, dann liegt das daran, dass dieses Haus im Mai 1291 von Engeln fortgetragen wurde. Die Lage im Heiligen Land hatte sich zu dieser Zeit mehr und mehr zugespitzt. Das Lateinische Königreich hatte an Territorium verloren und Städte, die vormals in christlicher Hand gewesen waren, wurden nun von den Moslems beherrscht. Aus Angst vor moslemischer Zerstörung wurden die drei aufgemauerten Wände des heiligen Hauses vor der Grotte abgetragen und mit Karren auf dem Weg über Land und Meer oder eben auf Engelsflügeln nach Europa in Sicherheit gebracht. Drei Jahre verweilte das Heiligtum in Kroatien bevor es 1294 nach Italien kam. Auch hier wurde es noch zweimal umgesetzt, denn Neid und Besitzanspruch verhinderten, dass das Haus zur Ruhe kam. Schliesslich fand das Haus auf einer Straße seinen endgültigen Platz. Die Straße ist schon längst verschwunden, und an ihrer Stelle erhebt sich heute die Kathedrale von Loreto, in deren Innerem umgeben von einem reich verzierten Marmorschrein die Überreste des Heiligen Hauses stehen.
Pilger aus aller Welt ziehen seit dem Mittelalter nach Loreto um Maria um Schutz und Hilfe zu bitten. So auch der in Mannheim ansässige Reichsgraf Ferdinand Andreas von Wiser. Zurück von einer Walfahrt nach Loreto veranlasste er 1737 den Nachbau des Elternhauses Marias im Hof seines neu gebauten Residenzschlosses in Leutershausen, der 1742 geweiht wurde. Wenn man heute den Schlosshof von Schloss Wiser betritt, steht linker Hand diese sogenannte Loretokapelle. Viel Ähnlichkeit mit dem Marienhaus in Loreto hat sie nicht. Weder Fenster noch Türöffnungen entsprechen denen im Marienhaus in Loreto. Aber die Kapelle ist schlicht und ihre Abmessungen sind dieselben wie Marias Wohnhaus, 9,5 x 4 Meter. Am wichtigsten jedoch, in dieser Kapelle stand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Schwarze Madonna, eine Nachbildung der Schwarzen Madonna von Loreto, die der Reichsgraf für die Ausschmückung der Loreto-Kapelle in Italien in Auftrag gegeben hatte. Die Mariendarstellung zog von nun an Pilger zur Walfahrt “Maria, Hilfe der Christen” nach Leuterhausen. Manchmal waren es sogar Tausende an einem Walfahrtstag, die dem Gottesdienst beiwohnten.
Hof Schloss Wiser LeuterhausenLoretokapelle im Hof von Schloss WiserLoretokapelle Leutershausen
1907 wurde weiter oben am Berg, östlich des Schlosses eine neue, größere Kirche gebaut, die St. Johannes Kirche. Die Schwarze Madonna zog in das neue Kirchengebäude, in der Kapelle blieb der Barockaltar der Originalausstattung zurück.
St. Johannes Kirche LeutershausenAltar der Schwarzen Madonna von LeutershausenSchwarze Madonna von LeutershausenSt. Johannes Kirche Leutershausen
Die Schwarze Madonna von Loreto hatte ein weniger friedvolles Schicksal. Sie wurde 1921 durch einen Brand zerstört und durch den Bildhauer Enrico Quattrini aus dem Holz einer Zeder der Vatikanischen Gärten neu geschaffen. Wer eine barocke Kopie der originalen Mariendarstellung von Loreto bewundern oder verehren möchte, dem sei ein Besuch der St. Johannes Kirche in Leutershausen also wärmstens an Herz gelegt.
Inmitten des Bürokomplexes der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH am Benediktsplatz 1 verbirgt sich ein Schatz aus dem Mittelalter. Umgeben von modernen Büros mit Glas, Chrom und flirrenden Computerbildschirmen befindet sich ein Haus, das wundersamerweise die Umbauten der letzten siebeneinhalb Jahrhunderte fast unverändert überdauert hat; das “Steinerne Haus”.
im Raum des Obergeschosses des Steinernen HausesWestfassade des Steinernen HausesLichtnische in der NordwandBalkendecke des Raumes im Steinernen Haus
Von außen betrachtet datiert das spitzbogige Eingangsportal in der Westfassade des Hauses in die Gotik und auch die buckelige Strukturen unter dem Verputz lassen erahnen, dass Fenster zugemauert oder verkleinert wurden. Doch drinnen, im Raum des Obergeschosses haben sich wie durch eine Wunder viele Gestaltungselemente des 13. Jahrhunderts bewahrt. Unzählige Putzschichten und eine abgehängte Decke trugen dazu bei, dass das, was unmodern geworden war, nicht zerstört wurde. Nachdem man begann den Raum von den Veränderungen der letzen Jahrhunderte zu befreien, kam in der Nordwand eine sorgfältig ausgearbeitete spitzbogige Lichtnische mit Rauchabzug zum Vorschein. Das Fenster in der Westwand, das von außen so einfach aussieht, war in Wirklichkeit eine schmale Tür, die einst auf einen von Kragsteinen getragenen Erker führte. Die Holzdecke zeigt ihre originale Bemalung in ocker, schwarz, grün, rot und gelb. Die Farben sind zwar nicht mehr so frisch wie vor 750 Jahren, aber noch klar und deutlich zu erkennen. Auf den Balken prangen Blüten, Ranken und geometrische Muster, und die darüberliegenden Bretter zieren Radmotive. Sogar die originalen Eisennägel die vielleicht zur Aufhängung von Öllampen benutzt wurden, stecken noch im Holz!
Dentrochronologische Untersuchungen am Holz der Decke führten zu einer Datierung der Balken auf die Jahre 1241/42. Somit wurde das Steinerne Haus in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut. Schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts ging es in jüdischem Besitz über und zwar in den des Salemon von Ascaphenborc. Allerdings ist unklar, wie das Haus und der Raum im Obergeschoß genutzt wurde. Die reiche Ausschmückung lässt an einen Wohnraum, eine Kemenate, denken, doch es gibt auch jene, die vermuten, dass der Raum als Gebetsraum genutzt wurde. Vielleicht werden zukünftige Untersuchungen Klarheit in dieser Frage bringen. Doch in der Zwischenzeit bleibt uns ein beeindruckendes Beispiel fast unberührter gotischer Profanarchitektur.
Seien wir doch mal ehrlich, Kochkäse klingt nicht nach einem Gaumenschmaus! Das möchte man genauso ungern auf dem Tisch haben, wie gefriergetrocknetes Brot oder pasteurisierten Wein.
Dabei involviert die Herstellung fast jeden Käses mindestens eine Erwärmung, und heraus kommen die würzigsten Hartkäse und die cremigsten Bries. Warum sollte dann nicht durch Erhitzen eine weitere Käsedelikatesse entstehen? Die Odenwälder Spezialität Kochkäse.
beim Jöste AndresKochkäse, auch mit Pommes leckerWirtshaus “Zum Krug”
Die Geschichte des Kochkäses ist einfach. Ohne Kühlschrank musste man Lebensmittel mit Salz, Zucker oder eben durch Erwärmen konservieren. Kochkäse ist also nichts anderes als haltbar gemachter Quark, Sahne und Butter. Zwar hat man danach keinen Quark, keine Sahne und keine Butter mehr einzeln, dafür aber ein Gemisch, das sich wie Quark oder Butter aufs Brot streichen lässt, oder wie Sahne die Basis einer Soße bilden kann.
Der Name Kochkäse ist irreführend, denn der Kochkäse wird nicht wirklich gekocht, sondern nur bis höchstens 42 Grad erhitzt. Für die einmalige Konsistenz die irgendwo zwischen Streichkäse und dem Inneren von reifem Camembert liegt, ist die Zugabe von Natron verantwortlich. Je nachdem ob man es eher würzig oder eher mild mag, wird der Kochkäsemischung gereifter Sauermilchkäse (Handkäse) zugesetzt oder eben nicht.
Mit Abstand am besten schmeckt Kochkäse auf einer Scheibe richtigen Sauerteigbrotes und unter einer großzügigen Schicht von in Essig eingelegten Zwiebelstückchen.
Solche Kunstwerke können Sie zum Beispiel im Gasthaus “Zum Krug“ in Birkenau-Löhrbach oder beim “Jöste Andres“ in Rittenweier selbst kreieren. Dort werden nicht nur hausgemachte Odenwälder Spezialitäten aufgetischt, sondern auch das Ambiente stimmt; deutsche Gaststättenidylle inmitten von Wäldern, Wiesen und Bauernhöfen, und manchmal musikalisch von Akkordeon und Gesang untermalt.
Wer den Kochkäsemachern genau auf die Finger schauen will, kann das in der Odenwälder Kochkäserei in Fürth (https://www.kochkaeserei.de/) machen, die auch Führungen anbietet.
Falls Ihnen nach einem kleinen Waldspaziergang mit einem ganz besonderen Ziel ist, sollten Sie unbedingt zur Walsbachquelle, die nur wenige Fahrminuten nördlich von Treffurt an der Werra liegt.
Es ist nur ca. ein Kilometer vom Parkplatz Walsbach durch den Wald bis zur Quelle. Der Weg selbst ist eher unspektakulär, ein recht geradliniger Waldweg eben, doch dann breitet sich vor dem Besucher ein kleiner Quellsee aus. Das Wasser ist glasklar, und der kieselige Grund wirkt, als ob er dicht unter der Oberfläche schweben würde. Tritt man näher heran, werden die Steine am Grund durch die Wellenbewegungen kunstvoll verzogen und von der Sonne mit Farbtupfern versehen. Von weiter weg leuchtet und schimmert das Wasser, abhängig vom Wetter, in verschiedenen Blau- und Türkistönen und bildet einen wunderbaren Kontrast zu den Farben des Waldes und des Himmels.
die Walsbachquelle bei Treffurtein perfekter Platz für eine Auszeitdie Walsbachquelle bei Treffurt
Die Quelle ist mit ihrer hohen Wasserqualität Heimat der seltenen Geburtshelferkröte. Der Name ist ein wenig irreführend, denn er meint nicht, dass die Kröte bei irgendeiner Geburt hilfreich ist, sondern dass die Krötenmännchen die Eischnüre nach der Befruchtung an ihren Hinterbeinen befestigen und solange mit sich herumtragen, bis die Kaulquappen reif zum Schlüpfen sind. Das ist in der Krötenwelt außergewöhnlich, denn üblicherweise legt ein Krötenweibchen ihre Eier im Wasser ab, wo das Männchen sie befruchtet und damit seine Arbeit getan hat. Danach treiben die Eierpakete im Wasser, bis die Kaulquappen schlüpfen. Ein Geburtshelferkröterich dagegen kann sogar mehrere Eierpakete verschiedener Paarungspartnerinnen mit sich herumtragen. Wenn man es also von dieser Seite betrachtet, hat sich der Geburtshelferkröterich diesen leicht euphorischen Namen voll und ganz verdient.
Eine Bank läd zu genußvoller Ruhe ein, begleitet von Wasserplätschern und Bäumerauschen, und wenn man etwas Glück hat, mischt sich unter das Waldkonzert der Paarungsruf der Geburtshelferkröte.
Gekritzel, das erst gestern an eine Wand gesetzt wurde, interessiert mich weniger, es sein denn, X erklärt darin ganz genau, warum er Y liebt, oder Z lässt die Nachwelt wissen, woher er kommt und wohin er geht. Jahrhunderte später gibt es nämlich nichts Berührenderes als uralte Nachrichten mitten aus dem wahren Leben zu finden. Und finden kann man sie deshalb, weil Menschen schon vor langer Zeit auf die Idee kamen, Wände als Projektionsflächen ihrer ganz alltäglichen Wünsche, Hoffnungen, Sorgen und Nöte zu benutzen. Wenn man bedenkt, dass Vieles, was wir von der Vergangenheit wissen, aus Chroniken stammt, deren Verfasser erst dann munter wurden, wenn politische Großereignisse sie wachrüttelten, sind die unbedachten Schmierereien zwischen den Zeilen umso ergreifender.
Sie mögen sich fragen, wie man wirklich alte Graffiti von ziemlich neuen unterscheiden kann. Oft wurden Graffiti mit Kohle oder Rötel (roter Kreide) geschrieben, Schreibmittel, die schon seit geraumer Zeit niemand mehr benutzt. Und auch die altertümlichen Schriften, in denen Buchstaben und Zahlen geschrieben wurden, beherrscht heute kaum noch jemand. Außerdem entwickeln Graffiti, besonders wenn sie in Putz oder Stein geritzt sind, eine Patina, die im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte immer unnachahmlicher wird.
Graffiti begegnet uns auf Schritt und Tritt, manchmal an eher versteckten Orten und manchmal ganz offensichtlich. Manchmal mit so vergänglichen Mitteln wie Kreide oder Kohle auf die Wände aufgebracht, manchmal in den alten Putz geritzt oder mühselig in harten Stein gegraben. Und wer einmal begonnen hat, Graffiti wahrzunehmen, wird schnell feststellen, dass die Nachrichten aus der Vergangenheit nicht mehr abreißen.
Die Gutleutekapelle in Mosbach ist ein Schatz. Natürlich wegen ihrer wunderbaren Wandmalereien, aber für mich besonders wegen den Pilgerzeichen an den Wänden des Langhauses. Sie zeugen von der tiefen Verwurzelung der Religion im alltäglichen Leben. Es waren zwar die Besuche der Gottesdienste, in denen sich die Zugehörigkeit der Menschen zum Christentum ausdrückte, doch die Manifestierung ihres ganz persönlichen Glaubens sind ohne Zweifel die Pilgerzeichen, die sie an den Wänden der Kapelle hinterließen. Darunter befinden sich Jakobsmuscheln und Aachhörner, aus Ton gefertigte gebogene oder gewundene Hörner, die man auf Wallfahrten spielte. Gebogene Aachhörner tauchen erstmals in romanischer Zeit auf und wurden bis ins 18. Jahrhundert verwendet. Gewundene Aachhörner gibt es wohl seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, und besonders im 15. und 16. Jahrhundert waren diese Form des Aachhorns weit verbreitet. Die Aachhörner, die an die Wände der Gutleutekapelle gezeichnet wurden, sind gewunden und datieren somit nach 1400.
Gutleutekapelle MosbachInnenraum der Gutleutekapelle MosbachRötelzeichnung einer JakobsmuschelGraffiti eines gewundenen Aachhornsverschiedene gewundene Aachhörner und eine Jakobsmuschel (rechts)
Im gotischen Haus in Burgheßler könnte man sie fast übersehen. Das Adelshaus mit seiner originalen Bausubstanz aus dem frühen 16. Jahrhundert ist so beeindruckend, dass man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Doch tritt man nah genug an die gotischen Fensternischen heran, sieht man im alten Putz die Spuren derer, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf den Fensterbänken (genau von diesen mittelalterlichen Sitzbänken in Fensternischen stammt der heutige Begriff Fensterbank) niedergelassen haben. In den Putz eingeritzt finden sich neben Jahreszahlen und Initialen auch mehrere Sprüche, die allerdings halb unter einer moderneren Putzschicht verborgen liegen oder von Spitzhackenschlägen zerstört wurden, die man auf dem alten Untergrund anbrachte, damit die neue Putzschicht besser haftet. Einige wenige Graffiti wurden in Rötel an die Wände gemalt. Und dazwischen immer wieder seltsame Zeichen, die einem asiatischen Manji (einem links gedrehten Hakenkreuz, dem buddhistischen Zeichen für glückbringende Göttlichkeit) ähneln.
Fensternische mit Graffiti im gotischen Haus BurgheßlerManji-ähnliche Ritzzeichen, Reste von RötelschriftManji-ähnliche Ritzzeichen“… & finem – … und Ende” Aber von was? Sowie Jahreszahlen, unter anderem vermutlich 1636
An den Außenmauern der Marienkirche in Freyburg an der Unstrut hatten es die Menschen schwerer ihre Botschaften anzubringen. Sie mussten nämlich die Grafitti in den harten Kalkstein ritzen. In der Nähe des Südportales finden sich Wappen, Initialen und auch jede Menge undeutbare Zeichen, die ein wenig wie Steinmetzzeichen aussehen.
Südseite Marienkirche Freyburg an der UnstrutGraffiti eines Topfhelmes?Graffiti eines WappensGraffiti am Eingang in der Südseite der Marienkirche
Auf der Wildenburg muss man den Kopf in den Nacken legen und wissen, wonach man sucht. Im Palas der Burg befindet sich an der Südostwand links neben dem Fenster des Erdgeschosses eine Inschrift, die da lautet: „OWE MUTER“. So lautet auch die Einleitung zur Frage „Was ist Gott?“, die der junge Parzival seiner Mutter Herzeloide in der Parzival-Erzählung stellt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Wolfram von Eschenbach, der Verfasser der Parzival-Erzählung, die Wildenberg kannte. Seine Gralsburg nennt er Monsalvaesche – Wilde Berg und darüber hinaus benutzt er die Wildenberg als Maßstab für die Pracht der Gralsburg. Die Inschrift stammt aus dem Mittelalter und könnte von einem Kenner des Parzival-Werkes stammen, der so in der Burg an die Verbindung zwischen Inspiration und Epos erinnert.
Palas der Burg Wildenberg im OdenwaldInschrift an der Südostwand des Palas der Wildenberg
In der Mikwe von Speyer findet sich zumindest ein Graffito, das schon recht alt aussieht. Als im 16. Jahrhundert die Stadt das ehemalige Jüdische Viertel übernahm, wurden sowohl die Synagoge als auch die Mikwe als Waffen- beziehungsweise Munitionslager genutzt. Der Badeschacht der Mikwe wurde verfüllt und im oberen Treppenaufgang wurde Pulver gelagert. Wie lang nach der Verfüllung das Graffito angebracht wurde ist unklar, aber nach Schrifttyp und Patina zu urteilen vor mehr als hundert Jahren. Zu sehen ist ein geteiltes Herz recht die Initiale H und links vielleicht ein I. Auch über dem Herz befinden sich Initialen, MSK, und unleserliche Zeichen.
Fenster zum Badeschacht der Speyrer MikweGraffiti auf dem Fenstersims der Speyrer Mikwe
Im Obergeschoß der Doppelkapelle des Schlosses Neuenburg in Freyburg an der Unstrut liegt das Graffito unter einer schützenden Plexiglasplatte, denn schließlich datiert der mit Rötelstift geschriebene Text aus dem beginnenden 16. Jahrhundert und wurde direkt auf die originale erste Putzschicht der Kapellenwand aufgetragen. Ausnahmsweise ist der Text vollständig entschlüsselt.
Doppelkapelle des Schlosses NeuenburgGraffiti in der Doppelkapelle des Schlosses Neuenburg
Auf der linken Seite steht in Latein und Deutsch: „In den Himmel aufgenommene selige Maria. Verehrte Elisabeth. Hilf heilige Anna Selbtritt.“ und rechts: „Heilige Katharina bete für uns.“ Die Vermutung liegt nahe, dass ein Geistlicher diese Sätze an die Wand geschrieben hat. Was man nicht weiß ist, ob es ein Hilferuf nach Beistand in einer persönlichen Notlage war oder ein Gebet zum Schutz vor den Bauernscharen, die im Jahr des Bauernaufstandes 1525 Kirchen, Klöster und besonders Adelssitze, wie eben auch Schloss Neuenburg, zu brandschatzen versuchten.
Speyrer Dom SüdseiteManji-ähnliches GraffitiInitialen JKWappen und Aachhorn in Rötelstilisierte Geweihe, wie sie auch in Wappenschilden zu finden sind
Die Graffiti am Speyrer Dom muss man ein wenig suchen. Sie befinden sich nämlich nicht an der Westseite des Domes, dort, wo die Maximilianstraße auf den Dom trifft, sondern am Ostteil des Domes, der den Altarraum umschließt. Genau da befindet sich auch das älteste Mauerwerk des Kirchenbaus. Der Westteil des Domes dagegen wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts nach den verheerenden Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekrieges wieder aufgebaut. Es gibt Steinmetzzeichen, Jahreszahlen, Initialen, ein Pentagram, ein manjiähnliches Symbol (wie sie im gotischen Haus in Burgheßler vorkommen), ein Kreuz … Die meisten Graffiti sind in den Sandstein geritzt, doch ein Graffito ist mit Rötel an die Wand gemalt. Ein Wappen mit Kreuz und Stern und rechts daneben ein Aachhorn, wie es auch mehrmals in der Gutleutkapelle in Mosbach zu finden ist.
Graffiti am Treppenabgang zur Kryptamoderne Graffiti in der Krypta des Speyrer Doms
Im Dom dagegen findet man fast keine alten Graffiti, außer die Darstellung einer tanzenden Frau rechts an der Wand des Treppenabganges zur Krypta. In der Krypta dagegen ist der Putz übersäht mit modernen Graffiti die ab den 1960er Jahren in die Wände geritzt wurden. Ein wahrer Schneeballeffekt, wenn man sich die Wände heute anschaut.
Der Park an der Ilm zieht sich wie ein grünes Band durch Weimar, und bei einem Spaziergang können Sie dort nicht nur eine idyllische Wasser- und Parklandschaft, sondern auch außergewöhnliche Denkmale der bewegten und prachtvollen Geschichte Weimars erleben. In Nachbarschaft des Flusses reihen sich berühmte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten wie das Weimarer Stadtschloss oder das Tempelherrenhaus aneinander. Zwar nicht ganz in chronologischer Reihenfolge, dafür umso schöner.
Am Weimaer Stadtschloss, der Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach, können Sie Ihren Spaziergang beginnen. Das Schloss wiederspiegelt heute überwiegend die Architektur und den Zeitgeist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Räume der Gemäldegalerie mit Meisterwerken des 16. bis 19. Jahrhunderts und ein Großteil der Residenzgemächer werden derzeit umfassend renoviert, doch die vier Dichterzimmer, die Goethe, Schiller, Wieland und Herder gewidtmet sind, sowie die Schlosskapelle kann man mittlerweile bei geführten Touren wieder erleben.
Nur wenige Schritte weiter südlich liegt die Anna-Amalia-Bibliothek, die nicht nur eine Fürstenbibliothek mit literarischen Kostbarkeiten vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf deutscher Literatur und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Das Prunkstück der Bibliothek, der Rokokosaal ist eine raffinierte architektonische Komposition aus einem elipsenförmigen Innenraum umgeben von einem viereckigen Außenraum. Die Wände zwischen beiden Räumen sind mit Bögen gestaltet, die entweder integrierte Buchregale aufweisen oder als Durchgänge dienen. Schaut man in die Höhe, dann wird das Gestatungskonzept auch im Obergeschoß sichtbar. Dort wird der Außenraum zu einer von fast schwebenden Säulen getragenen Galerie.
Anna-Amalia-BibliothekPark an der IlmRömisches Haus
Umhüllt vom Grün des Parks geht es weiter zu den malerischen Ruinen des Tempelherrenhauses. Trotz des Namens und des gotischen Aussehens hat das Gebäude weder etwas mit den Templern noch mit dem Mittelalter zu tun, spannend ist seine Geschichte aber allemal. Ursprünglich ein Gewächshaus und ein Orangenhaus, Überbleibsel des Welschen Gartens der einst am Rand der Ilm lag, wurde das Gebäude 1786/87 zum Salon für den herzoglichen Hof umgebaut. Doch schon wenige Jahre später wurde der Salon notdürftig wieder als Gewächshaus eingerichtet, und ab 1811 wurden hier die Zitruspflanzen der Orangerie von Belvedere untergebracht, die durch deren Umbau ein Übergangszuhause brauchten. Wiederum zehn Jahre später wurde das Orangenhaus zum Sommerhaus für die herzogliche Familie umgestaltet.
Vier überlebensgroße Statuen von Tempelherren, die ab 1788 die Dachecken des Gebäudes verzierten, sind für den Namen verantwortlich. Wind und Wetter ausgesetzt, wurden die ursprünglich hölzernenStatuen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch steinerne ersetzt und in den Salon verbracht, den sie fortan schmückten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Tempelherrenhaus zur Ruine, doch seine malerische Anziehungskraft wuchs. Von Efeu umrankt, mit intakten Maßwerkfenstern und bekrönt von gotischen Mauerabschlüssen gibt es kaum ein Motiv im Park an der Ilm, das fotografierenswerter wäre. Die Tempelherren jedoch sucht man vergeblich. Nur eine Figur überstand die Zerstörung, verlor dabei allerdings ihren Kopf, und wer heute zumindest die hölzernen Originale sehen möchte, kann sie im Römischen Haus bewundern.
Goethes Gartenhaus WeimarTempelherrenhaus im Park an der IlmHaus am Horn Weimar
In die Unterwelt geht es, wenn Sie sich dafür entscheiden, die Parkhöhle zu besuchen. Sie liegt vom Tempelherrenhaus noch nicht einmal 100 Meter entfernt und ist ein ursprünglich im 18. Jahrhundert als Bierlager angelegter Stollen. Nach und nach wurde er durch den Abbau von Sand und Kies zu einem weitverzweigten Tunnelsystem ausgeweitet, und so wie vor 300 Jahren Hofgesellschaften die Höhlen besonders an heißen Sommertagen zum Lustwandeln nutzten, können Sie heute das Höhlensystem besuchen. Dabei lassen sich an der Decke der Stollen die Versteinerungen fossiler Pflanzen und Wasserlebewesen entdecken, und an den Wänden führen die Sedimentschichten der Ilm über 400000 Jahre in die Vergangenheit.
Beim nur acht Gehminuten entfernten römischen Haus wurde Goethe zum Baumeister. Er nämlich leitete im Auftrag von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach den Bau der Villa, und das mit solchem Erfolg, dass sie zur Lieblingsresidenz des Herzogs wurde. Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Bauwerk um ein Gebäude im klassizistischen Stil. Goethe nahm sich Villen und Tempel der Römerzeit zum Vorbild, und so werden die Bögen des dem Fluß zugewandten Untergeschosses von dorischen Säulen getragen. Das Erdgeschoß dagegen ähnelt mit seiner von ionischen Säulen gestützten Portico einem antiken Tempeleingang.
Auf der Ostseite des Parks, wieder ein kleines bisschen zurück in nördliche Richtung liegt das Haus am Horn. Klar, ohne jede Schnörkel und Verzierungen sitzt das Gebäude mit quadratischem Grundriss auf einer leichten Aufschüttung. Es wurde 1923 als Musterhaus der Bauhausausstellung errichtet, um Interessierten zu zeigen wie modernes Bauen und Wohnen aussehen sollte. Nicht nur außen wiederspiegelt das Haus die Einheit von Form und Funktionalität, sonder auch innen wurde dieses Konzept umgesetzt. Zwar sind viele der originalen Einrichtungsgegenstände, die eigens für die Bestückung des Hauses entworfen und gebaut wurden verlorengegangen, doch vermitteln Grundrisse auf dem Boden und Modelle wo einst ein Bild die Originalmöbel standen, Modelle und Originalstücke ein echtes Gefühl für die Athmosphäre die hier vor über 100 Jahren herrschte.
Den Abschluss bildet das dem Tempelherrenhaus fast genau gegenüberliegende Gartenhaus Goethes. Ursprünglich war es ein wohl aus dem 16. Jahrhundert stammendes Weinberghaus, das Herzog Carl August Goethe zum Geschenk machte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten zog Goethe 1776 ein und lebte dort sechs Jahre, bevor er in seine Residenz am Frauenplan umzog. Die Zimmer des Gartenhauses besitzen heute wieder die originale Farbgebung aus Goethes Zeiten und sind teils mit originalen Möbelstücken ausgestattet. Der terrassierte Garten der nach Goethes Vorstellungen angelegt wurde, ist in den letzten 250 Jahren gewachsen. Die Bäume hinter dem Haus wurden teils zu Goethes Zeiten gepflanzt und rahmen das Haus heute malerisch ein. Der Nutzgarten, der vor dem Haus lag, ist verschwunden, aber die Treppen und Wege die den Garten durchkreuzen sind noch die alten.
Karl den Großen kennt fast jeder. Schließlich vereinte er das Frankenreich unter seiner Herrschaft und schuf so ein Reich, das große Teile Zentraleuropas umfasste. Er unterwarf die Sachsen, machte sich für das Christentum stark und wurde 800 n.Chr. in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt, dem ersten, seit dem Untergang des Weströmischen Reiches.
Einhard dagegen kennen nur die, die entweder Geschichte studiert haben. oder sich einfach so für Geschichte interessieren. Dabei wüssten wir heute viel weniger über Karl den Grossen, wenn es Einhard nicht gegeben hätte. Er nämlich war nicht nur Berater sondern auch Chronist Karl des Großen, und aus seiner Feder stammt die Vita Karoli Magni, die Biografie Karls des Großen.
Von Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, bekam Einhard die Mark Michelstadt in der Einsamkeit des Odenwaldes geschenkt und ließ zwischen 815 und 827 im heutigen Michelstädter Stadtteil Steinbach eine Basilika errichten, die ihm und seiner Ehefrau Imma als letzte Ruhestätte dienen sollte. Um die Anziehungskraft seines Gotteshauses zu steigern, hatte Einhard sich um Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus bemüht, die er 827 n.Chr. auch erhielt. Doch schon kurze Zeit später zog Einhard samt den Reliquien in das heutige Selingenstadt um, wo er eine zweite Basilika erbauen ließ, in der er nach seinem Tod 840 auch bestattet wurde.
Während die Basilika in Seligenstadt durch Modernisierungen und Kriege grundlegend verändert wurde, blieb die Basilika in Michelstadt in ihrer antiken Form fast vollständig erhalten und ist eines der wichtigsten Zeugnisse karolingischer Baukunst in Deutschland.
Einhardsbasilika Michelstadt Mittelschiff mit Blick nach WestenEinhardsbasilika SüdseiteEinhardsbasilika Michelstadt Mittelschiff mit Blick nach Osten
Heute zeigt die Einhardsbasilika fast nur noch nackte Mauern. Aber was für welche! Man kann man an ihnen die Jahrhunderte ablesen, wie an einem aufgeschlagenen Buch.
Einst war die Kirche ein klassischer basilikaler Bau mit hohem Mittelschiff flankiert von niedrigeren Seitenschiffen, die durch Arkaden mit dem Mittelschiff verbunden waren. An der Ostseite der Kirche befanden sich drei unterschiedlich große Apsiden, von denen heute nur noch die beiden nördlichen erhalten sind. Die Seitenschiffe des Baus wurden im Laufe der Jahrhunderte abgetragen. Die Arkaden wurden zugemauert und Putz wurde darübergelegt. Dort wo der Putz noch haftet, sieht man verblasste mittelalterliche Malereien, von denen nur schemenhafte Umrisse erhalten sind. Eine einzige Hand ist klar erkennbar. Sie zeigt nach Osten, zur Apsis. Legt man den Kopf in den Nacken, und hält eine Weile still, lösen sich oben zwischen den Fenstern aus den Unebenheiten der Jahrhunderte in schwarz gezeichnete Ranken, Blumen und Blüten.
Rest floraler Malereien zwischen den FensternMalereien auf dem mittelalterlichen Putz, zu erkennen eine Hand mit weisendem Zeigefinger
Dort wo der Putz abgebröckelt ist, zeigt sich das karolingische Mauerwerk. Die Pfeiler der Arkaden wurden aus flachen Ziegeln aufgemauert, und unten seitlich mit sorgfältig behauenen Sandsteinprofilen, die Säulenbasen imitierten, verblendet. Auf den oberen Abschlüssen der Pfeiler sitzen flache Sandsteinkapitelle. Ursprünglich war all das mit Putz überzogen, der die Illusion massiver Steinpfeiler erzeugte.
die zugemauerten Arkaden der Südseite von außen gesehenZiegelpfeiler mit Steinkapitellvorgeblendete Base aus Sandstein an der Seite eines Pfeilers
Für die späteren Vermauerungen wurden auch Bauspolien der verschiedensten Jahrhunderte genutzt. An das Westende der Südwand zum Beispiel wurde ein Eingang gebrochen und der Türrahmen aus Spolien errichtet. Der untere rechte Stein trägt eine Inschrift und das Datum 1700. Diese Tür wurde wieder zugemauert. Genauso wie die, die sich auf der gegenüberliegenden Nordwand befand … Ein Eichenbalken entlastet die Pfeiler vom Gewicht des Bogens, auch er ist schon Jahrhunderte alt. Der Eingang, der in die nördlich gelegene Sakristei führt, ist gotisch und sitzt genau dort, wo einst ein hoher Bogen den Eintritt in die dem Klerus vorbehaltenen Räume erlaubte.
zugemauerte Tür in der Südwestecke des MittelschiffsDetail der für den Türrahmen verwendeten Spolien gotische Tür im karolingischen Portal
Am Westende der Südmauer steckt ein Hufeisen, das man vielleicht zum Anbinden von Lasttieren benutzte, als die Basilika als Speicher diente.
eingemauertes Hufeisen in der Südwand des Mittelschiffsnördliche Außenwand des Mittelschiffs mit karolingischem Putz
Wenig spektakulär anzusehen ist der Putz an der Außenseite der Nordwand, doch ausgerechnet er ist wahrhaft sensationell. Er nämlich ist der originale Aussenputz der Basilika, der nun schon seit über 1200 Jahren Eiseskälte und Sommerglut trotz.
Es gibt noch so viel mehr zu bestaunen. Kommen Sie doch einfach vorbei, und nehmen Sie die Einhardsbasilika selbst unter die Lupe!